Es war eine Schale. Es war die einem Tierschädel nachgeahmte, aus Binsen
geflochtene, mit Lehm verklebte, gewölbte, gerundete, geglättete erste
Form eines Gefäßes, ein freudiges Lachen erregend, weil sie ähnlich
geworden, weil sie rund und glatt und gefällig war, weil der Mensch sie
gemacht hatte, nicht die Natur.
Und welch unbewußtes und hierin unendliches Gefühl der Sicherheit!
Sicherheit im Können, im nun Wiederholenkönnen, in der ganzen
Unleugbarkeit des Gefertigten, das sich abgesondert hatte aus dem
notvollen, angstvollen Wirrsal der Welt. Ein Maß war jetzt geschaffen,
der Mensch hatte Maße, die sich abnehmen und anlegen ließen, und er
konnte im Weitergang schaffender Erfindung Teile bilden an einem Ganzen,
die unter sich einen Frieden hatten; konnte ein Ganzes zerlegen, ohne
daß es zerfiel; er war im Besitze des Einklangs, im Besitze einer Kunst,
ein Hundertfältiges, das ihn verwirrte, zu vereinfachen, und als ihm
diese Einfachheit bedrohlich wurde durch Strenge, sie wieder aufzulösen
durch die Verzierung. Er besaß nun das Schöne.
Der Mensch wirkte das Schöne mit vieler Müh. Der noch keines Guten sich
deutlich bewußt war, schon war er gut durch eine Kraft der Güte, die ihm
aus den Händen quoll in das Werk.
Gute Geister walteten schon: Vorsicht, Behutsamkeit, Besinnlichkeit und
die Nimmermüdheit. Liebe kannte er nicht, aber liebevoll war er nun
schon durch Geduld.
Geduld, die Erhalterin seiner Mühseligkeit; Geduld, welche dann ihn
belohnte durch das erschaffene Schönding aus seiner eigenen Hand.