III

Es war eine Schale. Es war die einem Tierschädel nachgeahmte, aus Binsen

geflochtene, mit Lehm verklebte, gewölbte, gerundete, geglättete erste

Form eines Gefäßes, ein freudiges Lachen erregend, weil sie ähnlich

geworden, weil sie rund und glatt und gefällig war, weil der Mensch sie

gemacht hatte, nicht die Natur.

Und welch unbewußtes und hierin unendliches Gefühl der Sicherheit!

Sicherheit im Können, im nun Wiederholenkönnen, in der ganzen

Unleugbarkeit des Gefertigten, das sich abgesondert hatte aus dem

notvollen, angstvollen Wirrsal der Welt. Ein Maß war jetzt geschaffen,

der Mensch hatte Maße, die sich abnehmen und anlegen ließen, und er

konnte im Weitergang schaffender Erfindung Teile bilden an einem Ganzen,

die unter sich einen Frieden hatten; konnte ein Ganzes zerlegen, ohne

daß es zerfiel; er war im Besitze des Einklangs, im Besitze einer Kunst,

ein Hundertfältiges, das ihn verwirrte, zu vereinfachen, und als ihm

diese Einfachheit bedrohlich wurde durch Strenge, sie wieder aufzulösen

durch die Verzierung. Er besaß nun das Schöne.

Der Mensch wirkte das Schöne mit vieler Müh. Der noch keines Guten sich

deutlich bewußt war, schon war er gut durch eine Kraft der Güte, die ihm

aus den Händen quoll in das Werk.

Gute Geister walteten schon: Vorsicht, Behutsamkeit, Besinnlichkeit und

die Nimmermüdheit. Liebe kannte er nicht, aber liebevoll war er nun

schon durch Geduld.

Geduld, die Erhalterin seiner Mühseligkeit; Geduld, welche dann ihn

belohnte durch das erschaffene Schönding aus seiner eigenen Hand.

Helianth. Band 3 Bilder aus dem Leben zweier Menschen von heute und aus der norddeutschen Tiefebene · 第 221 / 240 题