II

Gefälligkeit, dies ist die Wurzel des Schönen. Was dem Menschen gefiel,

das taufte er schön. Nun aber hat es nichts Schönes oder Gefälliges

gegeben, bevor der Mensch es nicht selber gemacht hätte. Wir heute sind

wohl imstande, eine Blume, eine Färbung des Himmels -- Dinge, die früher

auf dieser Erde vorhanden waren als der Mensch -- wohlgefällig zu

empfinden; denn das Schöne ist heute in uns, wir besitzen es eingeboren,

wir erkennen es, aus uns heraus, wieder. Daß dies heute so ist, kann

einzig daran gelegen haben, daß die einstmalig unbewußte Erkenntnis des

Schönen ganz durch uns durchging: daß wir ein Ding machten mit unserer

eigenen Hand, das unser Gefühl für Gefälligkeit zum Ausdruck brachte.

Wir mußten dem Gefälligen außer uns, das wir erkannten, nachahmen, was

nachstreben heißt, nicht nachmachen, welches erst die Folge von jenem

ist oder die Handlung als Verwirklichung jenes Empfindens. Wir mußten

empfangen haben, gänzlich zu eigen genommen, das Empfangene durch unser

Wesen verleiblicht haben, um es schließlich aus uns heraus zum Quellen,

Erstehen, zu eigenem Leben zu bringen. Das Schöne -- nunmehr zum zweiten

Mal außer uns, vor uns stehend, wieder fremd und doch unser Eigentum

nun, beglückte uns durch sein lächelndes Dasein.

Helianth. Band 3 Bilder aus dem Leben zweier Menschen von heute und aus der norddeutschen Tiefebene · 第 220 / 240 题