XI

Nun sieht auf einmal der Himmel mich an. Es ist Abend. Hinter dem

Eichendickicht im Westen lodert ein scharfes Gold. Der südliche Himmel

von graublauen zarten Zügen, leise vergoldeten, wölbt seine reine

Muschel über mir. Selige Schale! Geliebtes Gold, o geliebter Hauch,

geliebte Bläue, dein Anblick ist schmerzlich, wie er es dem Verbannten

sein muß, der das goldene Abendwunder der Heimat sich über fremdem Ufer

entfalten sieht, -- erinnernd an alles, was einmal war.

Übrigens bemerke ich, daß ich nichts datiert habe in diesen Briefen. Da

es mich auch nichts angeht, ob es Stunden sind, Tage oder vielleicht

schon Wochen, die vergingen, während ich schrieb, und sie also einer wie

der andre das Siegel einer und der selben Stunde an sich tragen, so muß

es wohl heißen, wie C. F. Meyer an seine Schwester schrieb: >Aus allen

Augenblicken meines Lebens.<

Helianth. Band 3 Bilder aus dem Leben zweier Menschen von heute und aus der norddeutschen Tiefebene · 第 84 / 240 题