So nüchtern und kalt und altersschwach wie jeder bisher sah mich heute
der Morgen an, der mich aus einem Traum von Dir weckte. Ich hatte schon
alles zur Abreise nach Helenenruh vorbereiten lassen -- Doktor Birnbaum
übersiedelt mit mir, um die Verbindung zwischen mir und den
Regierungspersonen aufrechtzuhalten, obschon ich gestehen muß, daß ich
noch nicht mehr tun kann als unterzeichnen, was er mir vorlegt --, und
nun zögere ich wieder.
Mir träumte, daß ich in Trassenberg ankam und in die Gruft
hinunterstieg, zu der aber die Treppe in den Grabenrest am alten Pallas
hinabführte. Das Gewölbe unten, in das ich gelangte, war aber leer,
zuerst. Dann erkannte ich ganz in der Ferne vor einem bunten Fenster
Birnbaum, der an einem Tisch saß und in einen sonderbaren Trichter
hineinsprach. Es war sehr still, mir war ängstlich, weil Du nicht da
warst, dann bemerkte ich eine Tür, und wie ich behutsam näher trat, sah
ich Dich in einem kleinen, ganz kahlen und niedrigen Raum sitzen auf
einem Stuhl. Du hattest Dein gewöhnliches Aussehn, saßest ganz still da,
die Hände geschlossen auf den Knien, und sahst nach dem Fenster hin.
Meiner hattest Du nicht acht, und wie ich dann näher zusah, waren auch
Deine Augen geschlossen, und Dein Gesicht war ganz gelb. Plötzlich
wendetest Du Dich, öffnetest schwer die Augen und sahst mich fremd an
...
Früher einmal gab mir Josef einige Anweisungen zur Traumdeutung, aber
hier versagen sie mir ganz, und es scheint mir auch verboten.
Aber es soll wohl so sein, daß es täglich schwerer wird. Helenenruh wäre
ja eine Erleichterung.
Wieder eingeschlafen über dem letzten Satz. Mich friert immer noch so
trotz hundert Decken, ich sitze vor der Gartentür -- das heißt also: im
Zimmer -- und versuche an den nassen Blättern der Büsche zu erraten, ob
es regnet oder nicht. In Helenenruh, denk ich mir, scheint die
Nachmittagssonne auf die Dächer, die Schwalben kreisen um die Türme, ich
sehe sie, wie ich sie immer sah: die Luft über dem Schloß ist wie ein
riesiger Trichter, gefüllt mit dem Durcheinanderjagen der hundert
schwarzen Flügelleiber; manchmal, wenn eine sich herumwirft, sehe ich
die weiße Brust; sie kreuzen sich wie lange gebogene Klingen, und außen
um den fernsten Rand des Trichters streichen ein paar ganz eilige in
großer, sausender Fahrt. Mariä Geburt -- Ziehen die Schwalben furt. --
Ich habe so eine Ahnung, als ob Mariä Geburt um diese Zeit sein müßte.