In unserer heutigen Welt ist Kommunikation weitgehend versachlicht
und vollzieht sich über die Vermittlung durch ein Produkt. Ihre
Quelle ist die menschliche Arbeit. Insofern trägt sie auch viele
Merkmale jener Sprachen, die in diese Arbeit eingebunden sind. In
der durch das Produkt gegebenen physischen oder geistigen
Wirklichkeit werden Spezialsprachen in die universale Sprache der
Bedürfnisbefriedigung oder der Schaffung neuer Bedürfnisse
rückübersetzt, wobei diese Bedürfnisse durch die
Vermittlungsmechanismen des Marktes weiterverarbeitet werden. Die
Versachlichung der Sprache (von lateinisch res: die Umformung von
Leben, Sprache, Gefühl, Arbeit in Sachen) ergibt sich aus der
verfremdenden Logik des Marktes und seiner Natur als Zeichenprozeß.
Märkte abstrahieren die individuellen Beiträge zu einem Produkt.
Zuallererst wird die Sprache selbst versachlicht und konsumiert. Der
Markt verdinglicht diesen Sprachbeitrag, indem er das Leben, die
Energie, die Zweifel, die Zeit, vor allem aber die Sprache zu einer
Ware macht, die als Produkt auf dem Markt angeboten wird. Dieses
hohe Maß an Integration führt zu Bedingungen, in denen hohe
Effizienz--so viel wie möglich so billig wie möglich--zum
Überlebenskriterium wird. Menschliche Individualität wird durch das
Produkt absorbiert. Die Menschen legen im wahrsten Sinne des Wortes
ihr Leben und alles, was dazugehört--Geschichte, Erziehung, Familie,
Gefühle, Kultur, Wünsche und Sehnsüchte--in die Ergebnisse ihrer
praktischen Erfahrungen. Diese Absorbierung des Menschen im Produkt
vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen. Neben der Sprache wird aber
auch das sich in der Arbeit konstituierende Individuum versachlicht
und konsumiert: Das Produkt beinhaltet einen Teil der begrenzten
Lebenszeit derer, die es entwickelt haben.
Jede Form vermittelter Arbeit hängt von den vermittelnden Instanzen
ab. So wie eine bestimmte Arbeitsform durch eine andere,
effizientere, ersetzt werden kann, wird auch die vermittelnde Sprache
durch andere Mittel ersetzt. Jene Sprachen, die ursprünglich die
Jagd koordinierten oder die Frühformen der Landwirtschaft
organisierten, mußten den nachfolgenden praktischen Erfahrungen der
Selbstkonstituierung durch Sprache Platz machen. Dies gilt für jede
Form von Arbeit, ob sie nun landwirtschaftliche, industrielle,
künstlerische oder ideologische Produkte hervorbringt. Hier greifen
die Metaphern aus der Genetik und der Evolutionstheorie. Wir können
die Evolution der Arbeit in memetischer Begrifflichkeit beschreiben,
wir können damit allerdings nicht hinreichend die aktive Rolle von
Zeichenprozessen beschreiben. Die menschliche Reproduktion in ihren
sexuellen und kulturellen Ausprägungen würde darüber hinaus
bedeutungslos, wenn wir sie losgelöst von dem pragmatischen Rahmen
betrachten würden, in dem sich die menschliche Selbstkonstituierung
vollzieht.
Um zu zeigen, wie Sprache konsumiert wird, wollen wir einen kurzen
Blick auf den Arbeitsbereich werfen, den wir Erziehung nennen.
Heutzutage hat sich der Bedarf an fortlaufender Ausbildung drastisch
erhöht. Das Paradigma einer einmaligen, lebenslang gültigen
Ausbildung hat sich gemeinsam mit Schriftkultur und der auf sie
gründenden Bildung erschöpft. Kürzere Produktionszyklen erfordern
veränderte Werkzeuge und eine dazugehörende veränderte Ausbildung.
Eine für eine Lebensdauer gültige Berufsausbildung, die möglich war,
als der Fortschritt der Technologie sich noch linear vollzog,
erforderte lediglich die Pflege der einmal erworbenen Fähigkeiten und
geringfügige Anpassung des vorhandenen Wissens. Dieses Ideal gehört
der Vergangenheit an. Die heutigen Effizienzanforderungen müssen in
Ausbildungsstrategien umgesetzt werden, die weniger kostenaufwendig,
aber auch weniger lange gültig sind als die, die man mit der
Schriftkultur erwarb. Diese Strategien produzieren die heute
benötigten gebildeten Operatoren aller Art, Ausbildung wird selbst zu
einem Produkt, das von vielen Weiterbildungsfirmen angeboten wird.
Zu deren Kunden gehören die Angestellten von Fast-food-Ketten, die
Betreiber von Atomkraftwerken, Tiefkühleinrichtungen, Mitglieder der
Parlamente und Netzwerkbetreiber. Alle diese Produkte werden auf dem
Markt gehandelt, und auf dem Markt wird die Sprache der Werbung, des
Designs und der Öffentlichkeitsarbeit ebenso konsumiert wie die
Ausbildung, die sich zunehmend auf außersprachliche
Kommunikationsmittel verlegt.