Wir nahten uns einem modernen Gebäude mit Gartenanlagen, das an seinem

Thorwege die Inschrift: »~Römische Alterthümer~« trug, traten ein,

wurden in den zweiten Stock gewiesen, vernahmen jedoch, daß der Custos

noch nicht angekommen. Wir begaben uns daher in den nahe gelegenen

Bräugarten Hoenegger’s, der eine prächtige Aussicht auf die Alpen und

die Stadt darbot. Die Wirthin brachte Bier in steinernen Krügen und

klagte sehr über das anhaltend ungünstige Wetter. Endlich gelangten wir

zu dem Anblick der Alterthümer, die in zwei Zimmern zu bequemer Ansicht

aufgestellt sind und welche ein altes Männchen beaufsichtigt. Zunächst

betrachteten wir zwei wohlerhaltene, unter Glas hingestreckte Gerippe

von ansehnlicher Größe, dann die zahlreichen Urnen, die aus gebranntem

Thon und Glas von der bekannten Form. Daneben sah man mehrere Urnen,

die aus der hier brechenden Breccie ziemlich roh gearbeitet und zum

Theil mit Gebeinen gefüllt waren. Von feineren Gefäßen war wenig

vorhanden, mit Ausnahme einer ganz dünnen schwarzen, kleinen Urne.

Die Lampen waren zahlreich, ebenso die Münzsammlung. Wir sahen ferner

eine ziemliche Menge Tauben, Hähne, Hunde, offenbar nach den bekannten

Molossenstatuen von Florenz, Katzen, Portraitbüsten in kleinem

Format mit dem mannigfaltigen Kopfputz der Kaiserzeit, durchgehends

aus gebranntem Thon, dann auch eine kleine thönerne Nachbildung des

bekannten sitzenden Hirtenknaben, der sich einen Dorn aus dem Fuße

zieht. Besonders interessant war ein rothgelbes Thonziegelbruchstück,

auf welchem ein Adler in der heraldischen Form, etwa wie der preußische

auf den Münzen und Siegeln, in Relief dargestellt war. Auffallend war

der Mangel an Bronzen, die sich lediglich auf ein Paar Brusthafte

beschränkten, welche nicht eben sonderlich erhalten waren. Desto

ansehnlicher war die Menge von Eisenzeug, unter welchem mehrere

Garnituren von Dittrichen, Messerklingen, Nägel und andere dem gemeinen

Leben angehörige Bruchstücke sich befanden. Der Mangel an Bronzen und

interessanteren Dingen wird dadurch erklärt, daß die früheren Besitzer

des Birgelsteins ganze größere Partieen davon verkauft haben, Anderes

aber an das städtische Museum abgegeben worden ist, auch Einiges von

hier an das kaiserliche Antikencabinet nach Wien gesandt wurde.

Wir verließen die Sammlung und kehrten über die Brücke nach dem

Griesgraben zurück, um das ~städtische Museum~ in Augenschein zu

nehmen. Zunächst aber betrachteten wir die auf dem stattlichen Brunnen

aufgestellte, von der Zeit dunkel gefärbte lebensgroße Statue des

~wilden Mannes~, die lebhaft an die kleinen Bronzestatuetten erinnert,

welche in deutschen und nordischen Sammlungen mehrfach vorkommen.

Die Statue zeigt uns einen behaarten, bärtigen und bekränzten

Mann, der mit der Rechten sich auf eine Keule stützt. Die Gestalt

erscheint auch mehrfach auf deutschen Wappen, z. B. dem preußischen,

als Schildhalter, dann selbständig auf mannsfeldischen, darnach

sogenannten Wildmannsthalern, als Wirthshausschild, ferner in den

Fastnachtspielen und Mummereien des 16. und 17. Jahrhunderts als

beliebte Charaktermaske. In der Volkssage tritt der wilde Mann als

Bewohner der Wälder, als Schrat auf, in dem Latein des Mittelalters als

_Satyrus_ und _Pilosus_.

Wir begaben uns nun nach dem ~städtischen Museum~, das in mehreren

gewölbten Sälen sicher untergebracht ist. Hier wurde ich auf das

Angenehmste durch eine Fülle der interessantesten Gegenstände

überrascht, welche der Patriotismus und die davon unzertrennbare

Achtung für die Vorzeit zusammengebracht hatte. Der Custos dieser

Sachen nahm uns freundlich auf, und wir gaben uns der Betrachtung

behaglich hin.

Der erste Saal des Museums enthält die Waffen, alterthümlichen Geräthe,

mittelalterlichen Denkmale in Stein, die Fahnen der Landesfürsten und

der Stadt. Unter den Waffen bemerkten wir Hellebarden und Flamberge,

halbe und ganze Rüstungen, Schwerter und Luntenflinten des 16.

und 17. Jahrhunderts, die lederne Rüstung für das Hintertheil des

Pferdes und die gewaltigen Stiefeln des Anführers der aufrührerischen

Bauern, Mathias Stöckl, sowie eine hölzerne Kanone desselben. In

einem besonderen Kasten befand sich ein ganzer Scharfrichter-Apparat,

namentlich Stricke, Brandzeichengeräth, ein sinnreich construirter

Maulkorb für schmähsüchtige Weiber, der die Gestalt einer Maske hatte,

Richtschwerter, die bekanntlich zweischneidig und ohne Spitze sind. Das

eine derselben, dem 17. Jahrhundert angehörig, hatte die Inschrift: wer

was findet, eh’ daß es verloren, etwas kauft, eh’ daß es feil ist, der

stirbt, eh’ daß er krank wird. In demselben Kasten lag ein Quartband,

der die amtlichen Memoiren des Scharfrichters Franz Johann Wohlmuth

enthielt, die im Jahre 1761 geschlossen waren. Der Meister hatte 226

Hinrichtungen und peinliche Arbeiten gewissenhaft verzeichnet.

Man sah in demselben Saale den Legaten- und Cardinalhut des bekannten

Bischofs Lang, einen fein geschnitzten Bischofstuhl aus Holz von

Lungau, der dem 14. Jahrhunderte angehörte, eine aus derselben Zeit

stammende steinerne Handmühle, große Thongefäße für Aufbewahrung von

Oel und Essig.

In dem zweiten Saale waren zahlreiche Modelle salzburger Gebäude und

die Sammlung der Gemälde von salzburgischen Künstlern aufgestellt. Das

dritte enthielt die Bibliothek mit den Urkunden und Siegeln, sowie

einige Büsten, den Abguß des Schädels von Paracelsus u. s. w.

Im vierten Zimmer waren die römischen Alterthümer vereinigt, die

weniger Umfang haben, nämlich die gebrannten Erden und die Bronzen,

dann aber auch die auf dem Mozartplatze ausgehobenen Mosaiken, nebst

einem überaus niedlich gearbeiteten Modell von der Ausgrabung. Als

ich mich davon umwendete, stockte mir geradezu der Athem in der

Brust vor freudiger Ueberraschung. Ich sah einen mit dem edelsten

dunkelgrünen Roste bedeckten Bronzehelm; der Kopf und der Kamm waren

aus zwei getriebenen Theilen zusammengenietet, und die Wangenschienen

ebenfalls vorhanden. Dieses kostbare, offenbar vorrömische, aber

prachtvoll erhaltene Waffenstück ist unstreitig die Krone der ganzen

Alterthümersammlungen des Kronlandes Salzburg. Es wurde vor Kurzem in

dem Paß Lueg bei Golling entdeckt. Außerdem befanden sich hier noch

zwei schöne Bronzeschwerter, mehrere Cameen, Pfeilspitzen und ein

langes gekrümmtes Bronzemesser.

Die in einem geräumigen Seitenzimmer aufbewahrte Naturaliensammlung des

salzburgischen Landes konnte nur flüchtig betrachtet werden, da die

Zeit bereits sehr vorgerückt war, auch die in einem Parterregewölbe

aufgestellten römischen Sarkophage, Grab-, Meilen- und Altarsteine in

Augenschein genommen werden mußten. Der eine Grabstein zeichnete sich

durch schöne Arbeit aus. Sämmtliche Römersteine sind durch Professor

von Hefner in München (römische Denkmäler Salzburgs, Wien 1849) bekannt

gemacht worden.

Das Museum ist vor 16 Jahren von dem jetzigen Vorstand des _Mons

pietatis_, des Leihhauses, Herrn von Süß, begonnen und durch seine

unablässige Sorgfalt auf den gegenwärtigen Stand gebracht worden. Er

hat sich zu diesem Zwecke mit mehreren Gleichgesinnten in Verbindung

gesetzt, die Unterstützung und Beihülfe der Behörden in Anspruch

genommen und neuerdings die Anstalt unter den Schirm der verwittweten

Kaiserin Mutter Majestät gestellt, weshalb sie auch den Namen ihrer

erlauchtesten Beschützerin als _Carolino-Augusteum_ trägt.

Wir begaben uns nun nach der Reitbahn, wo die Landleute ihre Pferde

ausgestellt hatten, und die Preisschau stattfand. Wir sahen sehr große,

starke und fette Pferde, die jedoch nicht die Grazie der norddeutschen

hatten, obschon sie denselben an Kraft und Ausdauer überlegen seyn

mögen. Dann aber gingen wir nach dem ~Posilipp von Salzburg~,

einer jener großartigen und bewunderungswürdigen Werke, welche die

Erzbischöfe von Salzburg so gern ausführten.

Der Mönchsberg, der parallel mit der Salzach hinläuft, besteht aus

Breccie und trennt die Stadt von der fruchtbaren Ebene nach dem

Untersberg hin; von dort aus konnte man nur durch einen Umweg nach

Salzburg gelangen. Da faßte Erzbischof Sigismund von Schrattenbech den

Plan, den Berg zu durchbrechen. Nach reiflicher Prüfung schritt man am

15. Mai 1765 unter der Direction des Ingenieur-Majors Johann Elias von

Geyer unter der Werkführung des David Zimmermann aus Eisleben ans Werk.

Die Arbeit währte nur zwei Jahre und kostete kaum an 20000 Gulden. Am

15. Nov. 1767 wurde der Durchgang eröffnet. Wir traten nun an das Thor,

über dessen Oeffnung die Büste des Erzbischofes und die sinnreiche

Inschrift: _Te saxa loquuntur_ zu sehen ist. Die Länge des Thores

beträgt 415 Fuß, die Breite 22 und die Höhe 40 Fuß. Es gewährt einen

freundlicheren Anblick als der Posilipp, der allerdings 1000 Fuß lang,

80-90 Fuß hoch und 24-30 Fuß breit ist, aber mehr von der Natur als von

Menschenhänden gearbeitet zu seyn das Ansehen hat. Das Sigismundthor

ist im Spitzbogenstyl ausgemeiselt, die Wände, an denen die Schichtung

des Felsens deutlich hervortritt, sind abgeglättet. Auf der Außenseite

erheben sich zwei, aus dem anstehenden Gestein ausgehauene Obelisken.

Ueber dem Thore aber steht die 16 Fuß hohe Statue des Königs Sigismund

in voller Rüstung, umgeben von Waffenstücken, gearbeitet im Jahre 1768

von W. Hagenauer.

Wir durchschritten einige Mal das colossale Werk und musterten

sodann einen nahe dabei befindlichen Geschiebehaufen, der für unsere

Sammlungen manches Interessante, namentlich buntfarbigen Marmor und

einen wasserhellen eiförmigen Bergkrystall darbot.

Wir schlenderten nun gemächlich durch die Straßen, freuten uns der

rothmarmornen Fensterauslagen der Bäder und der Fleischer, die

vor ihren Verkaufsstellen ungeheuere Holzblöcke zum Zerhauen des

Fleisches haben. Solche Wanderungen durch die Straßen und die Lectüre

der Aushängeschilde gehören zu den kleinen Freuden der Reisenden

und gewähren nach größeren, oft anstrengenden Anschauungen eine

eben so belehrende als erheiternde Erholung. Jedes Land hat seine

Eigenthümlichkeiten, namentlich in Benennung der verschiedenen Gewerke.

Hier in Salzburg fanden wir z. B. bürgerliche Maler, Pechbrocker,

Lebzelter, Hutstepper, Bindermeister, Tandler, eine Pfindlerei, u. s. w.

Wir landeten endlich im Stiftskeller zu St. Peter, um durch

Rostbratel und Grinzinger unsere Kräfte zu ergänzen, und fanden

diesmal viel Norddeutsche, von denen der Eine seine Unzufriedenheit

mit dem österreichischen Weine gar nicht verbergen konnte. Es war

ihm unbegreiflich, daß derselbe anders schmecke als Rheinwein,

Moseler und Chateau Lafitte. Denselben, übrigens kenntnißreichen

Mann traf ich nachher auf dem Rathhause, wo er mit der Methode eines

Inquisitionsbeamten einen bairischen Landwirth über sein Verfahren

bei landwirthschaftlichen Geschäften examinirte. Der ehrliche Baier

erklärte endlich, ärgerlich über das Fragen und Besserwissen des

nordischen Landsmanns, er habe es immer so gemacht, müsse sich nach

Umständen richten und werde sein Lebtage auch dabei bleiben.

~Donnerstag, den 4. Sept.~ begaben wir uns bei früher Tageszeit nach

dem städtischen Museum, um in das Einzelne mancher Abtheilung genauer

einzudringen. Zunächst besahen wir die aus rothem Marmor gefertigten,

etwa 4 Fuß hohen Statuen, die nach dem Brande der Domkirche im Jahre

1598 abgehoben und als Mauersteine verwendet worden waren. Wir

betrachteten ferner die stattlichen, 7 Fuß langen bronzenen Kanonen,

die im Jahre 1565 Hans Löffler für den Erzbischof Johann Jacob

gegossen, sowie einen uralten eisernen Mörser; dann die 9 Ellen langen

Spieße, welche die Lanzenknechte noch zu Anfang des dreißigjährigen

Krieges führten, und die Bauernwaffen aus den Zeiten der Aufstände.

Interessant war eine aus graurothem salzburger Marmor gearbeitete Kette

von 6 Gliedern, deren jedes 7½ Zoll lang, 6 Zoll breit ist und über

einen Zoll Dicke hat, eine Arbeit, die freilich nicht mit der 29 Fuß

langen steinernen Kette zu vergleichen ist, welche die Thorpfeiler der

Pagode von Schalembrom (s. m. Culturgeschichte VII. 469) in Indien

verbanden.

Ich wendete mich nun vorzugsweise der Betrachtung der Gemälde und

Zeichnungen salzburgischer Meister zu. Unter den Oelbildern sprach

mich durch außerordentliche Naturwahrheit das Portrait einer alten

Dame besonders an, die von dem ums Jahr 1736 blühenden Franz Anton

Ebner ausgeführt worden ist, der auch die Pferde an der Hinterwand der

Pferdeschwemme, außerdem aber viele Kirchenbilder gemalt hat. Nicht

minder naturgetreu ist der Kopf eines alten Mannes von Stief. Wir sahen

ferner die Portraits von W. A. Mozart und seiner Frau. Der unsterbliche

Meister erscheint in jugendlicher Schönheit in einem weißen Rock mit

gepudertem Haar. Von Fr. X. Hornöck ist das überaus kräftig gehaltene

Portrait eines Landmannes vorhanden. Hornöck war 1731 zu Schönau in

Niederbaiern geboren und lebte seit 1805 als Portrait- und Kirchenmaler

in Salzburg, wo noch viele seiner Werke vorhanden sind. Von dem

fruchtbaren Anton Enzinger, der um 1750 in Salzburg noch lebte, sieht

man ein prachtvolles Thierstück. Von Nesselthaler findet sich eine

liebliche, wenn auch etwas selbstbewußte Madonna, von Nickhl ein

Violinspieler in breiter, kräftiger italienischer Weise. Ansprechend

ist die Darstellung eines Gemsbocks, der folgende Unterschrift trägt:

»In dieser Größe Gegenwartiger Gamsbock ist _ano_ 1735 den 7. Nov.

ungefehr in Capucinerberg gefunden und von ihro Excellentz Herrn

_Ladantio_, Freyherr von Firmian Hochfürstlicher Obrist Jägermeister in

Salzburg mit einer Kugel gefället worden.«

Außer diesen Bildern findet man noch manche für die Geschichte des

Landes interessante Portraits, Ansichten und Scenen. So ist vorhanden

das Bild des Bauernanführers Matthias Stöckl, wie er an der hölzernen

Kanone steht, dann die Ansicht seines noch vorhandenen Geburtshauses,

ferner das Portrait des Paracelsus, sowie auch einige Glasgemälde.

Auf den Tischen des zweiten Zimmers sind Oelskizzen und Handzeichnungen

salzburgischer Künstler in Mappen ausgelegt. Darunter ist ein Heft mit

20 kostbaren Federzeichnungen des Italieners Spretti, italienisches

Bettelvolk darstellend, worunter eine alte Katzenpflegerin, die ich

anderwärts als das Werk eines modernen Künstlers gesehen und bewundert

habe. Sehr geniale Oelskizzen von Anton Reiffensturl enthält eine

andere Mappe. Es sind durchgehends Alpengegenden. Ein Heft von Franz

Anton Danreiter, der am 17. Febr. 1760 als Hofgärtner in Mirabel starb,

bietet überaus saubere Federzeichnungen salzburger Ansichten dar. Von

dem noch lebenden Kunstmaler Petzold ist ein ganzer Band in Sepia

ausgeführter Darstellungen aus der Umgegend von Salzburg vorhanden.

Salzburg ist nun allerdings ein Ort, der dem bildenden Künstler

fortwährende Anregung bieten mußte, zumal als die Stadt noch der

Sitz kunstfördernder geistlicher Fürsten war. Die Erzbischöfe ließen

es sich angelegen seyn, die von ihnen erbauten Kirchen auf würdige

Art auszuschmücken. Dann ließen sie ihre Residenz durch Kunstwerke

verschönern. So rief Erzbischof Hieronymus Graf von Colloredo im Jahre

1789 den kunstreichen Andreas Nesselthaler an seinen Hof, um sich von

ihm ein enkaustisches Cabinet malen zu lassen. Die Enkaustik bewegte

damals alle Kunstfreunde. Nesselthaler malte binnen drei Jahren 57

enkaustische Bilder und erwarb sich den Dank seines Fürsten in dem

Grade, daß dieser ihn zum Truchseß, Hofmaler und Galerieinspector

ernannte.

Nachdem wir die Gemälde und Zeichnungen betrachtet, traten wir in die

Naturaliensammlung. Die geognostische und oryktologische Sammlung

ist noch nicht aufgestellt, es müssen dazu erst geeignete Schränke

herbeigeschafft werden. Gleichermaßen steht es mit den botanischen

Abtheilungen. Doch ist für beide Zweige bereits vieler Stoff vorhanden,

namentlich was die Salze und Marmorarten betrifft. Eine reiche

Sammlung inländischer Schmetterlinge, die in zweckmäßig eingerichteten

und eleganten Schränken aufbewahrt wird, verdankt das Museum dem

Cardinal-Erzbischof Fürsten von Schwarzenberg.

Von den Vögeln sind namentlich die Adler und Eulen wohl vertreten;

unter den Säugethieren zeichneten sich eine sehr große, seltene Gemse

und ein alter Steinbock aus. Die Gemse hat eine überaus zierliche

Gestalt; der Steinbock dagegen ist im Verhältniß zu seinem gewaltigen

Gehörn und zur Länge seines Körpers niedrig gestellt und hat daher ein

etwas schwerfälliges und plumpes Ansehen.

Bei dem Eifer des Gründers und Ordners des Museums wird es nicht

fehlen, daß dasselbe in wenigen Jahren einen hohen Grad von

Vollständigkeit erreichen wird.

Wir begaben uns hierauf in den Stiftskeller, der auch diesmal überaus

belebt war und wo wir fortan als Stammgäste von Wirth und Kellnern

begrüßt wurden.

Wir traten sodann, nachdem wir diesmal Pater Gregorius nicht gefunden,

in die Franziskanerkirche, in der Nähe der Pforte des Petersstiftes.

Sie macht einen eigenen Eindruck; das Aeußere ist nämlich zum Theil im

Spitzbogenstyl, ja das Portal aus rothem Marmor streift sogar an den

Rundbogen. Das Innere dagegen ist ganz in dem heiteren Kirchenstyle

des 17. Jahrhunderts mit reichen bunten Altären und Statuen. Die 9

Altäre tragen Gemälde von Rothmayr, Freiherrn von Rosenbrunn, Hofmaler

Leopolds I., Josephs I. und Karls VI., gestorben in Wien 1727,

einem überaus fruchtbaren Künstler, dem Niederländer de Neve und dem

Italiener Leander Bassano, die Beide in Salzburg mehrfach beschäftigt

waren.

Nach der Mittagruhe begaben wir uns über den Residenzplatz durch das

Cajetanerthor nach der Vorstadt Nonnburg; dem Wege folgend gelangten

wir in einen Wirthsgarten, der uns die köstlichste Aussicht auf die

Salzach, den Birgelstein und Gaisberg gewährte. Die Sonne trat von Zeit

zu Zeit durch die Wolken und gestattete Blicke in die weitere Ferne.

Von hier stiegen wir nun aufwärts durch schmale Gassen, von denen

wir Einsicht in die tiefer gelegenen, überaus malerischen Theile der

Stadt hatten. Wir gelangten an die Außenwerke der Festung, die hoch

über die Gegend sich erhebt und mit Zinnen, Thürmen, Erkern reichlich

geschmückt ist. Wir blieben jedoch auf dem Rücken des Mönchberges und

sammelten Pflanzen und Gesteine, namentlich Breccie, aus der der ganze

Berg besteht. Von hier aus sahen wir den Untersberg im Sonnenschein.

Es giebt hier prächtige Bäume und Büsche und gar anmuthigen Wechsel

gewährende Spaziergänge, die durch niedliche Thalgründe führen. Hier

oben übten sich Trommler und Signalisten, während von dem Scheibenstand

jenseits der Salzach die Schüsse der Festschützen kräftig drein

krachten.

Wir stiegen, dem Pfade folgend, herab und gelangten so an die

~Augustinerkirche~, in deren Inneres eine stattliche Treppe

leitet. Sie ist klein und freundlich und bietet keine besonderen

Merkwürdigkeiten dar. Wir kamen nun in die Vorstadt ~Mülln~, wo der

Felsen des Mönchberges steil abstürzend wiederum dichter an die

Salzach herantritt. Hier befindet sich das Klausenthor und weiterhin

das stattliche Urselinerinnenkloster. Am 16. Juli 1669 fand an dieser

Stelle ein Bergsturz statt, welcher die früheren Klostergebäude, eine

Kirche, ein Seminar und 13 Häuser zertrümmerte und 220 Menschen das

Leben raubte.

An dem Ende des Klostergebäudes sieht man eine Eisenplatte mit

dem Bilde eines Bären in die Mauer eingelassen, zum Andenken, daß

eine Fluth im 14. Jahrhunderte an dieser Stelle einen im Hochlande

heimischen Bären ans Land gespült habe. Nicht weit davon lasen wir

folgende Inschrift:

_Ao._ 1571 den 30. Mai groß sterben Kham,

Vast alhier 2236 Persohnen weckhnamb

Bis _ao._ 72 den letsten Jenner wehren thet,

Allerley Volkhs man Mangel hett.

Groß Theurung war auch daneben,

Man thats Schaff Korn um 14 fl. geben;

Den Weitzen zu 17 fl. ohngewehr.

Das ist gwest den Armen schwer.

Des 72. Jars den 5 July krat

Von 3 Uhr frühe es geregnet hat

Bis dito siebenzig Stund,

An Aufhören; die Prugg stieß zu Grund

13 Häuser und Stadel verschwam

Salzburg, daß groß Schaden nam

und lof die Salz an so streng

da über diesen Stein ausging

Derowegen Heinrich und Andren

Bede Theren Gebrüdern

Zu ewiger Gedächtniß der Geschichten

Diesen Stein haben lassen aufrichten

1580.

Wir ließen uns sodann in einem einfachen Gasthof nieder, wo man uns

ein vortreffliches Bier vorsetzte; dann aber begaben wir uns über die

Brücke nach dem Schlosse Mirabella, der ehemaligen Sommerresidenz

der Erzbischöfe. Am 30. April 1818 zerstörte ein furchtbarer Brand

auch dieses Gebäude, 10 Jahre später war der neue Bau, gegenwärtig

kaiserliches Lustschloß, vollendet. Die eine Seite stößt an den mit

Springbrunnen und Marmorstatuen reich geschmückten Garten. Unter den

Statuen zeichnen sich die Nachahmungen des belvederischen Apollo und

der antiken Ballspieler aus. Die eine Seite des Schlosses ist auf den

geräumigen, überaus anständigen Paradeplatz gerichtet. Wir schlenderten

die Gasse entlang nach einem Platze, wo vor einem Hause Neugierige

versammelt waren. In der Hausflur war ein mit rothen Kerzen umgebener

Sarg aufgestellt. Verwandte und Freunde standen betend umher. Es

versammelten sich Männer und Frauen in Alltagskleidung, dann kamen

große Kreuzfahnen tragende Männer in schwarzen Chorröcken, worüber

Alben gezogen waren. Ferner erschienen Musikanten mit kurzen Posaunen

und endlich drei Geistliche mit sechs Alumnen, Knaben in braunen Röcken

mit rothen Kragen und Militärhüten. Jetzt gestaltete sich der Zug, die

Musik begann, die Glocken läuteten, der Sarg ward auf die Schultern

erhoben, und Fahnen- und Kerzenträger setzten sich in Bewegung. Wir

begaben uns auf einem Nebenwege nach dem Sebastiankirchhofe, wo der

Todte mit Gebet und Weihrauch bestattet wurde.

Diese feierliche Bestattung, welche die katholische Kirche auch

dem Geringsten und Aermsten ihrer Mitglieder gewährt, muß für die

Hinterlassenen etwas überaus Tröstendes und Beruhigendes haben. Wir im

Norden haben auch diese Aeußerlichkeit aufgegeben, die aber für den

Theil des Volkes, der äußerer Aufregung bedarf, von größter Bedeutung

ist!

Wir schritten nun zum Linzerthor hinaus, da, wo sich die Befestigungen

an den Capuzinerberg anlehnen. Ein angenehmer Baumgang führt um die

Wälle nach der Schießstätte. In der Ferne glänzen die weißen, stattlich

gethürmten Gebäude des Wallfahrtortes Maria-Plain und jenseits der

Salzach die fernen Hochgebirge im Scheine der Abendsonne. Auf der

Schießstätte war viel Leben. Alte und junge fröhliche Leute von Stadt

und Land schossen, natürlich ohne Auflage, mit den schweren, kurzen

Stutzen nach den Scheiben, in deren Nähe zahlreiche bunte Fähnlein

lustig wehten. Das Scheibenschießen ist aber bei den sämmtlichen

süddeutschen Bergvölkern eine Nationalangelegenheit, und der geschickte

und glückliche Schütze ehrt durch den Preis und die Fahne, die er

gewonnen, die ganze Gemeinde.

Endlich aber traten wir den Rückweg an und gelangten über die

prächtigen Plätze nach unserem Peterskeller, wo wir Bekannte fanden.

Man zeigte uns Mispeln aus Tyrol von zwei Zoll Durchmesser, aber auch

Weinbeeren, die von einer Krankheit befallen waren, die in einer Art

Schimmelbildung auf der Oberfläche und einer Vertrocknung des Inneren

besteht und die Landwirthe mit großer Besorgniß erfüllt.

Freitag, den 5. Septbr., begaben wir uns zeitig zu dem Gründer des

städtischen Museums, dem Herrn Maria Vincenz Süß, Verwalter des

städtischen, öffentlichen milden Leihhauses oder _mons pietatis_,

das ein eigenes stattliches Gebäude einnimmt. Ich fand in ihm einen

ebenso gefälligen und freundlichen, als kenntnißreichen Mann in den

besten Jahren. Wir waren bald in dem interessantesten Gespräch,

dessen wesentlichen Inhalt die Geschichte des städtischen Museums und

ähnlicher derartiger Institute bildete. Wir vergegenwärtigten uns die

Leiden und Freuden derartiger Bestrebungen und wandten uns sodann der

Betrachtung seiner überaus vollständigen, auf Salzburg bezüglichen

Münz- und Medaillensammlung zu, die mit Kaiser Augustus, dem ersten

legitimen Beherrscher Juvariens, beginnt. Interessant ist es, daß

römische Münzen noch heutiges Tages im Handel und Wandel in Salzburg

vorkommen. Der Landmann findet häufig auf seinem Felde römische

Bronzemünzen und bringt sie dann als halbe oder Viertelkreuzer zu

Markte, von wo aus sie erst nach mannichfachen Wanderungen von Hand zu

Hand an die Münzfreunde gelangen. Unter den Medaillen bemerkte ich eine

auf Paracelsus.

Von hier begab ich mich mit meinem bergmännischen Begleiter zu dem

Director des Berg-, Salinen- und Forstwesens, Herrn Regierungsrath

Albert Müller, dem ich durch einen Freund in Dresden besonders

empfohlen war. Auch bei diesem überaus thätigen und eifrigen Beamten

ward uns jene herzliche und zuvorkommende Aufnahme zu Theil, die dem

Reisenden in Oesterreich so wohlthuend ist. Zuvörderst suchte er uns

ein Bild von dem bergmännischen Betriebe der Salzwerke von Hallein

durch Zeichnungen und Erläuterungen zu verschaffen, dann wandte sich

das Gespräch auf allgemein technische Gegenstände. Er gab uns sodann

ein Empfehlungsschreiben an das Bergamt zu Hallein mit.

Ferienreise nach Linz, Salzburg, Kloster Göttweig und Wien · 第 3 / 10 段