Erinnerung“. Als der große Krieg beendet war und die Sieger
heimkehrten, führte Menzel zum Schmuck des Akademiegebäudes beim
Truppeneinzug die Bildnisse von Bismarck und Moltke in Wachsfarben
aus. Nachdem diese großen Bildnisse ihren vorübergehenden Zweck
erfüllt hatten, sind sie zur Aufbewahrung in die Kadettenanstalt zu
Großlichterfelde gebracht worden. -- Darauf übernahm der Meister die
künstlerische Ausarbeitung der Urkunden, in denen die Stadt Berlin
jene beiden Helden der ruhmreich errungenen Einigung Deutschlands zu
ihren Ehrenbürgern ernannte. Die beiden Schriftbilder, die im Jahre
1872 fertig wurden, in prächtiger Deckfarbenmalerei auf Pergament
ausgeführt, vereinigen sinnreichen Figurenschmuck mit geist- und
geschmackvoller Ausgestaltung und Schmückung der ersten Schriftzeilen.
Bei dem Ehrenbürgerbrief für Bismarck (Abb. 70) sieht man links drei
gekrönte Frauengestalten in mittelalterlichen Königsgewändern -- die
Vertreterinnen der deutschen Staaten -- auf einem Felsen stehen,
in welchen sie den jungen Baum des neuen Deutschen Reichs, der als
Lorbeerreis zwischen ihnen aufragt, gepflanzt haben; und unter dem Fels
schaut das Haupt des alten Barbarossa, vom flammenden Barte umwallt,
hervor. Über ihnen erhebt sich ein schlanker gotischer Baldachin,
auf dessen Bekrönung ein mächtiger Adler sich niedergelassen hat,
vor dem die Raben davonfliegen. Das Maßwerk des Baldachinabschlusses
enthält zugleich den Anfangsbuchstaben W der Urkunde. „Wir, der
Magistrat der königlichen Haupt- und Residenzstadt“: die Worte
sind, wie aus Metallbuchstaben gebildet, in die Windungen einer
goldenen Magistratskette eingehängt, die sich, von leichtem Zierwerk
durchflochten, von dem Baldachin aus zum entgegengesetzten Ende
hinüberzieht, wo auf einem Banner das anschließende Wort „Berlin“
prangt. Träger des Banners ist ein Schmied, der mit seiner Umgebung,
einer Schar von Knaben mit Schärpen und Palmzweigen, an der rechten
Seite des Bildes das Gegenüber der fürstlichen Frauengestalten bildet;
sein Standpunkt ruht auf einer Konsole, welche sich aus einem Bärenpaar
mit verschlungenen Pranken und dem Reichsschild zusammensetzt und
so die Erhebung der Stadt Berlin, deren Wappentier der Bär ist, zur
Reichshauptstadt andeutet. Die zweite und dritte Zeile des Textes
enthalten in ornamentaler Schrift ohne sinnbildliche Zuthat die
Worte: „urkunden und bekennen hiermit, daß wir im Einverständnisse
mit der Stadtverordneten-Versammlung den“ --. Bei den folgenden
Worten „Kanzler des Deutschen Reichs“ ist das K aus einem mit dem
großen Kanzlerpetschaft stramm dastehenden Putto und zwei schräg
gestellten Schreibfedern gebildet; die übrigen Buchstaben sind auf
ein breites Band gemalt, über dem in der Mitte, gleichsam von dem
stärker hervorgehobenen D getragen, die Wappenschilde von Elsaß
und von Lothringen stehen und hinter denselben ein mit Helm und
Eisenhandschuhen bewehrter Putto, der das deutsche Kaiserbanner und
das preußische Königsbanner schwingt; am Ende des Bandes spielt ein
Flügelknabe mit Bismarcks Kürassierhelm. Dann erscheinen die Worte
„Präsidenten des preußischen Staatsministeriums,“ mit Ausnahme des
in plastischer Gestalt hervortretenden ersten Buchstaben, wie in
Stickerei auf zwei aufeinander liegenden Ordensbändern ausgeführt.
Auch die Worte „Fürsten Otto Eduard Leopold Bismarck“ sind auf einem
solchen Bande angebracht, von dem wiederum der Anfangsbuchstabe und
ebenso das B sich in selbständiger Bildung herausheben; über dem F
hält ein kleiner Genius, dessen Kopf in den Ordensstern, mit welchem
das Anfangs-P der vorhergehenden Zeile belegt ist, hineinragt, den
Fürstenhut, und das B des Namens ist mit Lorbeerzweigen durchflochten.
Der weitere Wortlaut der Urkunde ist in zierlicher und schmuckreicher
Schrift ohne malerische Einkleidung gegeben. -- Der Ehrenbürgerbrief
für Moltke (Abb. 71) zeigt auf der einen Seite die Berolina, die in
reicher, fürstlicher Kleidung unter einem von zwei Pagen gehaltenen
prächtigen Thronhimmel steht, ein Scepter mit dem Bären in der Rechten,
die Linke grüßend an die Brust gelegt; der als steinerne Konsole
gedachte Sockel, welcher diese Gruppe trägt, ist mit dem Reliefbild
einer Mutter, welche ihr Kind an sich drückt, mit Karyatidenköpfen,
welche das bürgerliche Gewerk und die Landwehr bedeuten, und mit einem
Löwenhaupt, das einen Zirkel zwischen den Zähnen hält, geschmückt. An
der anderen Seite erblickt man die phantastische Riesengestalt eines
preußischen Kriegers, der durch Schnee und Eis über zertrümmerte
Geschütze schreitet; sein Körper und seine Arme sind hinter Rauch und
Pulverdampf verborgen, aus dem ein Blitzstrahl hervorzuckt, der, einen
eisernen Ring durchbrechend, das in diesem eingeschlossene Haupt des
Feindes trifft; aus der wirbelnden Rauchwolke taucht der Kopf des
Kriegers hervor, unter einem vom Generalsfederbusch umwallten, mit
dem eisernen Kreuz und anderen Orden wie mit einem Kranz geschmückten
Helm; mit den Zähnen trägt er vor sich die am Band des eisernen
Kreuzes zusammengebundenen Schilde von Elsaß und Lothringen. Auf
dem Thronhimmel der Berolina ist wie in Stickerei das Anfangs-W der
Einleitungsworte der Urkunde angebracht, die denen des Bismarckschen
Ehrenbürgerbriefs gleichlautend sind. In der Mitte der ersten Zeile
hat Menzel zwischen das zierliche Ranken- und Schnörkelwerk, welches
die Schrift schmückt, eine wirkungsvolle Unterbrechung gebracht
durch einen mächtigen Adler mit ausgebreiteten Schwingen; von dessen
dunkelfarbiger Gestalt hebt das Wort „König“ (-lichen) sich leuchtend
ab, noch weiter hervorgehoben durch zwei Flügelknaben, welche über
ihren Köpfen auf prächtigen Kissen die Königs- und die Kaiserkrone
tragen. Das Wort „Berlin“ sondert sich auch hier in lebhaft sprechender
Weise ab; in andersartiger Schrift gemalt, mit einem wehenden Banner
und der Zuthat von zwei Jungen, welche Siegesdepeschen ausbieten,
geschmückt, bildet es über dem Haupt der Kriegerfigur das Gegengewicht
gegen die Bekrönung des Thronhimmels am Anfang der Zeile. Der Titel des
Gefeierten, „General-Feldmarschall, Chef des Generalsstabs der Armee,“
ist bis auf die beiden letzten Worte ähnlich wie bei der anderen
Urkunde, auf einem Bande angebracht; und zwar in der Weise, daß die
kleinen Buchstaben wie Reliefstickerei erscheinen, während die großen
Buchstaben als selbständige Körper das Band tragen helfen, das an den
Enden von Knaben gehalten wird; ein dritter Knabe weist auf den im
Anfangs-G strahlenden Stern des Schwarzen Adlerordens hin. Das nicht
mehr auf dem Bande befindliche Wort „Armee“ schwebt in lichten, auf ein
Lorbeerreis gereihten Buchstaben vor der dunklen Dampfwolke, welche die
große Kriegergestalt einhüllt. Dann folgt die Zeile „Ehrenmitglied der
Akademie der Wissenschaften“, auf die sich der marmorne Minervakopf
bezieht, der, von einem Ordensband umschlungen, den Zug eines zweiten
Bandes in der Mitte unterbricht. Dieses zweite Band trägt die
Vornamen und den Grafentitel des Feldmarschalls; das Wort „Moltke“
aber löst sich wieder heraus, und mit dem Anfangsbuchstaben einen
Marschallsstab umschlingend, leuchtet es, in gleicher Weise wie darüber
das Wort „Armee“, lorbeergeschmückt vor dem Pulverrauch; von diesem
Namen scheint der Blitzstrahl auszugehen, welcher den eisernen, das
Feindeshaupt umgebenden Ring -- den Befestigungsgürtel von Paris --
durchschlägt.
[Illustration: Abb. 88. Bleistiftstudie zum „Cercle“.]
[Illustration: Abb. 89. Bleistiftstudie zur Hand Kaiser Wilhelms I im
„Cercle“.]
[Illustration: Abb. 90. +Cercle+. Eine Hofballerinnerung. Ölgemälde von
1879. In Privatbesitz in Worms.
(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)]
[Illustration: Abb. 91. +Studie+ (Bleistiftzeichnung).]
Menzels riesenhaftes Gedächtnis ließ ihm im Jahre 1872 eine Erinnerung
an den Luxembourggarten in Paris, die sich ihm vor mehr als vier
Jahren eingeprägt hatte, wieder so lebendig werden, daß er danach
ein Ölbild malte (Abb. 72). Wie da in dem sonnig durchflimmerten
Schatten der geraden Baumreihen, in der Stadt und doch abseits von
deren hastendem Getriebe, Persönlichkeiten von mancherlei Art eine
längere oder kürzere Weile erfrischender Rast genießen, das ist mit
einer so eindringlichen Wahrheit geschildert, daß man denken möchte,
das Bild sei ein im Fluge festgehaltener Abdruck der Wirklichkeit.
-- So treffend wie hier der Lokalton von Paris, ist in einer das
Jahr zuvor gemalten Erinnerung an den Esterhazykeller in Wien die
österreichische Eigenart aufgefaßt und wiedergegeben. Solch’ ein Keller
mit dem bunten Volk, das da verkehrt, bot dem Auge des Künstlers
einen eigenen malerischen Reiz. Die sommerlichen Erholungsreisen nach
Süddeutschland und Österreich gewährten ihm überhaupt immer neue
Anregungen. Das prickelnde Spiel von Farbentönen und glitzernden
Lichtern auf den Barockformen der so prunkvoll ausgestatteten Kirchen
jener Gegenden fesselte seinen Malerblick in ähnlicher Weise wie das
Getriebe dichter Menschenmassen. So malte der Meister in den Jahren
1871-1873 in prächtigen Aquarellen den Hochaltar der St. Peterskirche
zu Salzburg, ein Stück aus der Pfarrkirche zu Innsbruck, den Hochaltar
der Damenstiftskirche zu München -- die beiden letzteren mit reicher
Staffage von amtierenden Geistlichen und andächtigen Betern. Wiederum
andersartige Eindrücke hielt er in den Deckfarbenbildern fest, welche
den „Wigwam“ (das Indianercafé) im Park der Wiener Weltausstellung und
das in phantastisch-malerischem Helldunkel schwimmende Innere eines
sehr ländlichen Wirtshauses in Gastein zeigen (beide 1873 gemalt).
[Illustration: Abb. 92. Bleistiftstudie zum „Ballsouper“.]
Zwischen solchen unmittelbar aus Eindrücken der Wirklichkeit
hervorgegangenen Schöpfungen entstand dann auch wieder einmal ein
Genrebild in der Einkleidung einer vergangenen Zeit. So zeigt ein
Wasserfarbengemälde von 1872 „das gestörte Mahl“ eines Reichen
des 17. Jahrhunderts, dem an der fürstlich gedeckten Tafel seines
holzgetäfelten Gemachs ein unerwarteter Brief den Appetit verdorben hat.
Mit der Jahreszahl 1874 sind nur wenige Werke Menzels bezeichnet, --
darunter ein vom Balkon seiner Wohnung in Gastein aus aufgenommener
Naturausschnitt, von ihm mit Maleraugen gesehen: ein der menschlichen
Staffage fast gänzlich entbehrender Blick in das Gasteiner Thal, mit
Gärten im Vordergrunde, mit Häusern und Kirchturm im Wechsel von
Sonnenlicht und tiefen Schatten, mit dem wolkenumzogenen Hochgebirge
als Abschluß. -- Was ihn in diesem Jahre ganz beschäftigte, war die
Vollendung eines umfangreichen Ölgemäldes, das im nächstfolgenden Jahre
fertig wurde.
[Illustration: Abb. 93. Modellstudie (Bleistift) zum „Ballsouper“.]
„Das Eisenwalzwerk“ ist diese bedeutungsvolle Schöpfung (Abb. 74).
Weißglühendes Eisen, durchleuchtete Dämpfe, Feuerschein im Kampf mit
dem einfallenden Tageslicht, hart arbeitende Männer und dröhnendes,
schwirrendes Maschinengetriebe; das Ganze ein Bild aus dem eigensten
Innern unseres Jahrhunderts, ein Griff in das Alltagsleben der Arbeit
und ein Kunstwerk von unübertroffener Pracht der malerischen Wirkung.
Der künstlerische Reiz, der Eindruck auf das Malerauge, das war es
zweifellos, was Menzel bewogen hat, mit einem großen Gemälde ein
Stoffgebiet zu betreten, das bis dahin der deutschen Kunst noch nicht
erschlossen war. Von den Nebengedanken, welche jüngere Maler in ihre
Bilder aus der Welt der Arbeit zu legen lieben, ist bei dem Meister
nicht das geringste zu spüren. Als Maler sah er den Vorgang, und als
Maler malte er das Bild, wie einst Velasquez seine Teppichspinnerei
-- das einzige ältere Gemälde von verwandtem Charakter -- gemalt
hatte. Die erste Anregung zu dieser prachtvollen Schilderung der
Thätigkeit „moderner Cyklopen“ mag er empfangen haben, als er 1869
das Heckmannsche Gedenkblatt malte, wo er ja auch schon die rußigen
Gesellen im beschmutzten Arbeitskittel zur Darstellung brachte. Das
wirkliche Vorbild des Eisenwalzwerkes hat sich dem Künstler in einem
der großen Betriebe zu Königshütte in Oberschlesien gezeigt. Es ist
ein der Anfertigung von Eisenbahnschienen dienender Raum, in den
wir blicken; ein weithin in dampfige Tiefe sich erstreckender Raum,
angefüllt mit einem für den nicht Sachverständigen sinnverwirrenden
Maschinenwerk, dessen Stangen und Räder und vielfältig ineinander
greifende Vorrichtungen Menzel mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit
so wiedergegeben hat, daß das Herz des Fachmanns daran seine Freude
hat. Im Mittelpunkt des Bildes sehen wir eine Anzahl von Arbeitern
damit beschäftigt, ein auf dem Stoßkarren herbeigefahrenes glühendes
Eisenstück unter die Walze zu bringen; mit Anspannung aller Muskeln der
kräftigen Arme wird die Deichsel des Karrens emporgehoben; von beiden
Seiten wird die glühende Masse in schnellem Griff mit Riesenzangen
gepackt und in die Richtung gebracht; die Glut wirft flammende Lichter
auf die im Kampfe mit der Hitze sich zusammenziehenden Gesichtsmuskeln
der Männer und spiegelt sich blitzend in den verengten Augenspalten.
Jenseits der Walze stehen andere Arbeiter bereit, um das Eisenstück
in Empfang zu nehmen und weiterzuleiten, bis es schließlich, nachdem
es die ganze Reihe der verschiedenen, durch ein gewaltiges Schwungrad
getriebenen Walzen durchlaufen hat, als Eisenbahnschiene wieder zum
Vorschein kommen wird. Solche Arbeit an der Glut erfordert öfteren
Schichtwechsel. Links im Bilde sehen wir hinter einem Arbeiter, der
einen im Dampfhammer zurecht geformten Eisenwürfel auf einem Ziehkarren
nach vorn fährt, die eben Abgelösten mit Waschen und Umkleiden
beschäftigt. Vorn rechts sind einige andere, durch eine Art von
Schirmvorrichtung vor der Hitze geschützt, in kurzer Ruhepause mit dem
Mittagsbrot, das ein junges Mädchen aus dem Korbe packt, beschäftigt.
[Illustration: Abb. 94. Modellstudien (Bleistift) zum „Ballsouper“.]
Das wunderbare, jetzt in der Nationalgalerie befindliche Gemälde
wurde im Anfang des Jahres 1875 fertig. Das nämliche Jahr sah dann
auch eine Anzahl kleinerer, mit Deckfarben gemalter Meisterwerke
entstehen. Da ist noch ein Bild aus der Welt der Arbeit, ein Blick
in die Wirklichkeit von einem hochgelegenen Fenster aus gesehen:
Maurer bei der Arbeit an einem Neubau, der vor dem Hintergrunde
der dichten Baummasse des Berliner Tiergartens emporwächst, -- ein
prosaischer Alltagsgegenstand und eine künstlerische Schöpfung von
höchster malerischer Poesie (Abb. 75). Dann die ebenfalls in aller
Schlichtheit so hochpoetische Darstellung eines Spaziergängers,
eines alten Herrn in der Tracht der Zopfzeit, der nachdenklich den
mit verschnittenen Weiden besetzten Pfad am Bache entlang wandelt,
dicht bei der Ortschaft, aber abseits der Verkehrsstraße (Abb. 76). In
die Gattung der „Rüstkammerphantasien“ gehört das launige Bild eines
Ritters in voller Rüstung, der mit seinem ebenfalls geharnischten
reisigen Begleiter unter der Linde vor der Schenke Halt gemacht hat
und mit langem, durstigem Zuge einen ordinären thönernen Wirtshauskrug
ausleert; der starke Herr mag sich den kühlen Trunk in heißem Ritt
verdient haben, das sieht man seinem müden Gaul an. Ein allerliebstes
Genrebild führt uns in eine Familie, die sich auf der Terrasse vor
dem Hause versammelt und im Anblick des noch jungen Grüns der Bäume
Reisepläne für den Sommer macht, zu deren Ausarbeitung die Herren eine
große Landkarte zu Rate ziehen. Von Menzels eigenen Reisen erzählt eine
Innenansicht der in reichster spätbarocker Ausschmückung prangenden
Klosterkirche zu Ettal, vom Altar aus aufgenommen, wo eben der Küster
das Öl der ewigen Lampe erneuert (Abb. 77); ferner ein mehr figürliches
Kirchenbild aus Oberbayern oder Tirol: „Vor der Beichte“; dann aus
Bayreuth die hastige, aber sprechende Bleistiftskizze des dirigierenden
Richard Wagner (Abb. 78).
[Illustration: Abb. 95. Bleistiftstudie zum „Ballsouper“.]
Das Jahr 1876 sah unter anderem ein Deckfarbenbild entstehen, welches
ein Stückchen aus der Franziskanerkirche zu Salzburg zeigt. Durch
das prachtvolle schmiedeeiserne Gitter, welches einen Nebenaltar
abschließt, sehen wir einen Ordensbruder mit den Kerzen dieses Altars
beschäftigt; vor dem Gitter knieen Beter: eine sehr andächtige Dame,
deren mit in die Kirche genommenes Söhnchen von der auferlegten
Verpflichtung, ganz still zu sein, schrecklich gelangweilt wird, und
ein Bauersmann, der zwischen seinen Gebeten dem Hantieren des Mönchs
gedankenlos zusieht. Ferner ein ebenfalls in Deckfarbe gemaltes
Genrebild, einen Mann in Renaissancetracht darstellend, der, in
einem schwach erhellten Raum mit irgend etwas, das zu erraten der
Einbildungskraft des Beschauers überlassen bleibt, beschäftigt, durch
ein aus der Höhe, von wo auch ein scharfer Tagesstrahl einfällt,
kommendes Geräusch beunruhigt wird, daß er argwöhnisch emporblickt
und die Faust um den Griff seines breiten Dolchs, einer sogenannten
Ochsenzunge, spannt (Abb. 79). Neben den farbigen Bildchen schuf
Menzel zu allen Zeiten mit Stift oder Feder Zeichnungen, in denen er
fertige Bildgedanken niederlegte. Dahin gehört aus dem Jahre 1876 eine
köstliche Federzeichnung, „Siesta“ betitelt: ein Sommeridyll, dessen
Schauplatz der Garten eines herrschaftlichen Landsitzes zur Theestunde
und dessen komische Hauptperson ein in der Hängematte schlafender
wohlbeleibter Herr ist (Abb. 80).
[Illustration: Abb. 96. Bleistiftstudie zum „Ballsouper“.]
[Illustration: Abb. 97. +Ballsouper+. Ölgemälde von 1879. In
Privatbesitz in Berlin. (Photographieverlag von Gustav Schauer in
Berlin.)]
[Illustration: Abb. 98. +„Noch eins!“+ Tuschzeichnung von 1879. In
Privatbesitz in Berlin.
(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)]
[Illustration: Abb. 99. +Dorfschmiede mit Wasserhammer+ (in
Hof-Gastein). Deckfarbengemälde von 1879.
In der Nationalgalerie zu Berlin.
(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)]
[Illustration: Abb. 100. +Schleiferei in einer Dorfschmiede+. Ölgemälde
von 1881. In Privatbesitz in London.
(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)]
[Illustration: Abb. 101. Studien (Bleistift).]