Menzel malte dieses Meisterwerk erst im Jahre 1871, „aus der

Erinnerung“. Als der große Krieg beendet war und die Sieger

heimkehrten, führte Menzel zum Schmuck des Akademiegebäudes beim

Truppeneinzug die Bildnisse von Bismarck und Moltke in Wachsfarben

aus. Nachdem diese großen Bildnisse ihren vorübergehenden Zweck

erfüllt hatten, sind sie zur Aufbewahrung in die Kadettenanstalt zu

Großlichterfelde gebracht worden. -- Darauf übernahm der Meister die

künstlerische Ausarbeitung der Urkunden, in denen die Stadt Berlin

jene beiden Helden der ruhmreich errungenen Einigung Deutschlands zu

ihren Ehrenbürgern ernannte. Die beiden Schriftbilder, die im Jahre

1872 fertig wurden, in prächtiger Deckfarbenmalerei auf Pergament

ausgeführt, vereinigen sinnreichen Figurenschmuck mit geist- und

geschmackvoller Ausgestaltung und Schmückung der ersten Schriftzeilen.

Bei dem Ehrenbürgerbrief für Bismarck (Abb. 70) sieht man links drei

gekrönte Frauengestalten in mittelalterlichen Königsgewändern -- die

Vertreterinnen der deutschen Staaten -- auf einem Felsen stehen,

in welchen sie den jungen Baum des neuen Deutschen Reichs, der als

Lorbeerreis zwischen ihnen aufragt, gepflanzt haben; und unter dem Fels

schaut das Haupt des alten Barbarossa, vom flammenden Barte umwallt,

hervor. Über ihnen erhebt sich ein schlanker gotischer Baldachin,

auf dessen Bekrönung ein mächtiger Adler sich niedergelassen hat,

vor dem die Raben davonfliegen. Das Maßwerk des Baldachinabschlusses

enthält zugleich den Anfangsbuchstaben W der Urkunde. „Wir, der

Magistrat der königlichen Haupt- und Residenzstadt“: die Worte

sind, wie aus Metallbuchstaben gebildet, in die Windungen einer

goldenen Magistratskette eingehängt, die sich, von leichtem Zierwerk

durchflochten, von dem Baldachin aus zum entgegengesetzten Ende

hinüberzieht, wo auf einem Banner das anschließende Wort „Berlin“

prangt. Träger des Banners ist ein Schmied, der mit seiner Umgebung,

einer Schar von Knaben mit Schärpen und Palmzweigen, an der rechten

Seite des Bildes das Gegenüber der fürstlichen Frauengestalten bildet;

sein Standpunkt ruht auf einer Konsole, welche sich aus einem Bärenpaar

mit verschlungenen Pranken und dem Reichsschild zusammensetzt und

so die Erhebung der Stadt Berlin, deren Wappentier der Bär ist, zur

Reichshauptstadt andeutet. Die zweite und dritte Zeile des Textes

enthalten in ornamentaler Schrift ohne sinnbildliche Zuthat die

Worte: „urkunden und bekennen hiermit, daß wir im Einverständnisse

mit der Stadtverordneten-Versammlung den“ --. Bei den folgenden

Worten „Kanzler des Deutschen Reichs“ ist das K aus einem mit dem

großen Kanzlerpetschaft stramm dastehenden Putto und zwei schräg

gestellten Schreibfedern gebildet; die übrigen Buchstaben sind auf

ein breites Band gemalt, über dem in der Mitte, gleichsam von dem

stärker hervorgehobenen D getragen, die Wappenschilde von Elsaß

und von Lothringen stehen und hinter denselben ein mit Helm und

Eisenhandschuhen bewehrter Putto, der das deutsche Kaiserbanner und

das preußische Königsbanner schwingt; am Ende des Bandes spielt ein

Flügelknabe mit Bismarcks Kürassierhelm. Dann erscheinen die Worte

„Präsidenten des preußischen Staatsministeriums,“ mit Ausnahme des

in plastischer Gestalt hervortretenden ersten Buchstaben, wie in

Stickerei auf zwei aufeinander liegenden Ordensbändern ausgeführt.

Auch die Worte „Fürsten Otto Eduard Leopold Bismarck“ sind auf einem

solchen Bande angebracht, von dem wiederum der Anfangsbuchstabe und

ebenso das B sich in selbständiger Bildung herausheben; über dem F

hält ein kleiner Genius, dessen Kopf in den Ordensstern, mit welchem

das Anfangs-P der vorhergehenden Zeile belegt ist, hineinragt, den

Fürstenhut, und das B des Namens ist mit Lorbeerzweigen durchflochten.

Der weitere Wortlaut der Urkunde ist in zierlicher und schmuckreicher

Schrift ohne malerische Einkleidung gegeben. -- Der Ehrenbürgerbrief

für Moltke (Abb. 71) zeigt auf der einen Seite die Berolina, die in

reicher, fürstlicher Kleidung unter einem von zwei Pagen gehaltenen

prächtigen Thronhimmel steht, ein Scepter mit dem Bären in der Rechten,

die Linke grüßend an die Brust gelegt; der als steinerne Konsole

gedachte Sockel, welcher diese Gruppe trägt, ist mit dem Reliefbild

einer Mutter, welche ihr Kind an sich drückt, mit Karyatidenköpfen,

welche das bürgerliche Gewerk und die Landwehr bedeuten, und mit einem

Löwenhaupt, das einen Zirkel zwischen den Zähnen hält, geschmückt. An

der anderen Seite erblickt man die phantastische Riesengestalt eines

preußischen Kriegers, der durch Schnee und Eis über zertrümmerte

Geschütze schreitet; sein Körper und seine Arme sind hinter Rauch und

Pulverdampf verborgen, aus dem ein Blitzstrahl hervorzuckt, der, einen

eisernen Ring durchbrechend, das in diesem eingeschlossene Haupt des

Feindes trifft; aus der wirbelnden Rauchwolke taucht der Kopf des

Kriegers hervor, unter einem vom Generalsfederbusch umwallten, mit

dem eisernen Kreuz und anderen Orden wie mit einem Kranz geschmückten

Helm; mit den Zähnen trägt er vor sich die am Band des eisernen

Kreuzes zusammengebundenen Schilde von Elsaß und Lothringen. Auf

dem Thronhimmel der Berolina ist wie in Stickerei das Anfangs-W der

Einleitungsworte der Urkunde angebracht, die denen des Bismarckschen

Ehrenbürgerbriefs gleichlautend sind. In der Mitte der ersten Zeile

hat Menzel zwischen das zierliche Ranken- und Schnörkelwerk, welches

die Schrift schmückt, eine wirkungsvolle Unterbrechung gebracht

durch einen mächtigen Adler mit ausgebreiteten Schwingen; von dessen

dunkelfarbiger Gestalt hebt das Wort „König“ (-lichen) sich leuchtend

ab, noch weiter hervorgehoben durch zwei Flügelknaben, welche über

ihren Köpfen auf prächtigen Kissen die Königs- und die Kaiserkrone

tragen. Das Wort „Berlin“ sondert sich auch hier in lebhaft sprechender

Weise ab; in andersartiger Schrift gemalt, mit einem wehenden Banner

und der Zuthat von zwei Jungen, welche Siegesdepeschen ausbieten,

geschmückt, bildet es über dem Haupt der Kriegerfigur das Gegengewicht

gegen die Bekrönung des Thronhimmels am Anfang der Zeile. Der Titel des

Gefeierten, „General-Feldmarschall, Chef des Generalsstabs der Armee,“

ist bis auf die beiden letzten Worte ähnlich wie bei der anderen

Urkunde, auf einem Bande angebracht; und zwar in der Weise, daß die

kleinen Buchstaben wie Reliefstickerei erscheinen, während die großen

Buchstaben als selbständige Körper das Band tragen helfen, das an den

Enden von Knaben gehalten wird; ein dritter Knabe weist auf den im

Anfangs-G strahlenden Stern des Schwarzen Adlerordens hin. Das nicht

mehr auf dem Bande befindliche Wort „Armee“ schwebt in lichten, auf ein

Lorbeerreis gereihten Buchstaben vor der dunklen Dampfwolke, welche die

große Kriegergestalt einhüllt. Dann folgt die Zeile „Ehrenmitglied der

Akademie der Wissenschaften“, auf die sich der marmorne Minervakopf

bezieht, der, von einem Ordensband umschlungen, den Zug eines zweiten

Bandes in der Mitte unterbricht. Dieses zweite Band trägt die

Vornamen und den Grafentitel des Feldmarschalls; das Wort „Moltke“

aber löst sich wieder heraus, und mit dem Anfangsbuchstaben einen

Marschallsstab umschlingend, leuchtet es, in gleicher Weise wie darüber

das Wort „Armee“, lorbeergeschmückt vor dem Pulverrauch; von diesem

Namen scheint der Blitzstrahl auszugehen, welcher den eisernen, das

Feindeshaupt umgebenden Ring -- den Befestigungsgürtel von Paris --

durchschlägt.

[Illustration: Abb. 88. Bleistiftstudie zum „Cercle“.]

[Illustration: Abb. 89. Bleistiftstudie zur Hand Kaiser Wilhelms I im

„Cercle“.]

[Illustration: Abb. 90. +Cercle+. Eine Hofballerinnerung. Ölgemälde von

1879. In Privatbesitz in Worms.

(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)]

[Illustration: Abb. 91. +Studie+ (Bleistiftzeichnung).]

Menzels riesenhaftes Gedächtnis ließ ihm im Jahre 1872 eine Erinnerung

an den Luxembourggarten in Paris, die sich ihm vor mehr als vier

Jahren eingeprägt hatte, wieder so lebendig werden, daß er danach

ein Ölbild malte (Abb. 72). Wie da in dem sonnig durchflimmerten

Schatten der geraden Baumreihen, in der Stadt und doch abseits von

deren hastendem Getriebe, Persönlichkeiten von mancherlei Art eine

längere oder kürzere Weile erfrischender Rast genießen, das ist mit

einer so eindringlichen Wahrheit geschildert, daß man denken möchte,

das Bild sei ein im Fluge festgehaltener Abdruck der Wirklichkeit.

-- So treffend wie hier der Lokalton von Paris, ist in einer das

Jahr zuvor gemalten Erinnerung an den Esterhazykeller in Wien die

österreichische Eigenart aufgefaßt und wiedergegeben. Solch’ ein Keller

mit dem bunten Volk, das da verkehrt, bot dem Auge des Künstlers

einen eigenen malerischen Reiz. Die sommerlichen Erholungsreisen nach

Süddeutschland und Österreich gewährten ihm überhaupt immer neue

Anregungen. Das prickelnde Spiel von Farbentönen und glitzernden

Lichtern auf den Barockformen der so prunkvoll ausgestatteten Kirchen

jener Gegenden fesselte seinen Malerblick in ähnlicher Weise wie das

Getriebe dichter Menschenmassen. So malte der Meister in den Jahren

1871-1873 in prächtigen Aquarellen den Hochaltar der St. Peterskirche

zu Salzburg, ein Stück aus der Pfarrkirche zu Innsbruck, den Hochaltar

der Damenstiftskirche zu München -- die beiden letzteren mit reicher

Staffage von amtierenden Geistlichen und andächtigen Betern. Wiederum

andersartige Eindrücke hielt er in den Deckfarbenbildern fest, welche

den „Wigwam“ (das Indianercafé) im Park der Wiener Weltausstellung und

das in phantastisch-malerischem Helldunkel schwimmende Innere eines

sehr ländlichen Wirtshauses in Gastein zeigen (beide 1873 gemalt).

[Illustration: Abb. 92. Bleistiftstudie zum „Ballsouper“.]

Zwischen solchen unmittelbar aus Eindrücken der Wirklichkeit

hervorgegangenen Schöpfungen entstand dann auch wieder einmal ein

Genrebild in der Einkleidung einer vergangenen Zeit. So zeigt ein

Wasserfarbengemälde von 1872 „das gestörte Mahl“ eines Reichen

des 17. Jahrhunderts, dem an der fürstlich gedeckten Tafel seines

holzgetäfelten Gemachs ein unerwarteter Brief den Appetit verdorben hat.

Mit der Jahreszahl 1874 sind nur wenige Werke Menzels bezeichnet, --

darunter ein vom Balkon seiner Wohnung in Gastein aus aufgenommener

Naturausschnitt, von ihm mit Maleraugen gesehen: ein der menschlichen

Staffage fast gänzlich entbehrender Blick in das Gasteiner Thal, mit

Gärten im Vordergrunde, mit Häusern und Kirchturm im Wechsel von

Sonnenlicht und tiefen Schatten, mit dem wolkenumzogenen Hochgebirge

als Abschluß. -- Was ihn in diesem Jahre ganz beschäftigte, war die

Vollendung eines umfangreichen Ölgemäldes, das im nächstfolgenden Jahre

fertig wurde.

[Illustration: Abb. 93. Modellstudie (Bleistift) zum „Ballsouper“.]

„Das Eisenwalzwerk“ ist diese bedeutungsvolle Schöpfung (Abb. 74).

Weißglühendes Eisen, durchleuchtete Dämpfe, Feuerschein im Kampf mit

dem einfallenden Tageslicht, hart arbeitende Männer und dröhnendes,

schwirrendes Maschinengetriebe; das Ganze ein Bild aus dem eigensten

Innern unseres Jahrhunderts, ein Griff in das Alltagsleben der Arbeit

und ein Kunstwerk von unübertroffener Pracht der malerischen Wirkung.

Der künstlerische Reiz, der Eindruck auf das Malerauge, das war es

zweifellos, was Menzel bewogen hat, mit einem großen Gemälde ein

Stoffgebiet zu betreten, das bis dahin der deutschen Kunst noch nicht

erschlossen war. Von den Nebengedanken, welche jüngere Maler in ihre

Bilder aus der Welt der Arbeit zu legen lieben, ist bei dem Meister

nicht das geringste zu spüren. Als Maler sah er den Vorgang, und als

Maler malte er das Bild, wie einst Velasquez seine Teppichspinnerei

-- das einzige ältere Gemälde von verwandtem Charakter -- gemalt

hatte. Die erste Anregung zu dieser prachtvollen Schilderung der

Thätigkeit „moderner Cyklopen“ mag er empfangen haben, als er 1869

das Heckmannsche Gedenkblatt malte, wo er ja auch schon die rußigen

Gesellen im beschmutzten Arbeitskittel zur Darstellung brachte. Das

wirkliche Vorbild des Eisenwalzwerkes hat sich dem Künstler in einem

der großen Betriebe zu Königshütte in Oberschlesien gezeigt. Es ist

ein der Anfertigung von Eisenbahnschienen dienender Raum, in den

wir blicken; ein weithin in dampfige Tiefe sich erstreckender Raum,

angefüllt mit einem für den nicht Sachverständigen sinnverwirrenden

Maschinenwerk, dessen Stangen und Räder und vielfältig ineinander

greifende Vorrichtungen Menzel mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit

so wiedergegeben hat, daß das Herz des Fachmanns daran seine Freude

hat. Im Mittelpunkt des Bildes sehen wir eine Anzahl von Arbeitern

damit beschäftigt, ein auf dem Stoßkarren herbeigefahrenes glühendes

Eisenstück unter die Walze zu bringen; mit Anspannung aller Muskeln der

kräftigen Arme wird die Deichsel des Karrens emporgehoben; von beiden

Seiten wird die glühende Masse in schnellem Griff mit Riesenzangen

gepackt und in die Richtung gebracht; die Glut wirft flammende Lichter

auf die im Kampfe mit der Hitze sich zusammenziehenden Gesichtsmuskeln

der Männer und spiegelt sich blitzend in den verengten Augenspalten.

Jenseits der Walze stehen andere Arbeiter bereit, um das Eisenstück

in Empfang zu nehmen und weiterzuleiten, bis es schließlich, nachdem

es die ganze Reihe der verschiedenen, durch ein gewaltiges Schwungrad

getriebenen Walzen durchlaufen hat, als Eisenbahnschiene wieder zum

Vorschein kommen wird. Solche Arbeit an der Glut erfordert öfteren

Schichtwechsel. Links im Bilde sehen wir hinter einem Arbeiter, der

einen im Dampfhammer zurecht geformten Eisenwürfel auf einem Ziehkarren

nach vorn fährt, die eben Abgelösten mit Waschen und Umkleiden

beschäftigt. Vorn rechts sind einige andere, durch eine Art von

Schirmvorrichtung vor der Hitze geschützt, in kurzer Ruhepause mit dem

Mittagsbrot, das ein junges Mädchen aus dem Korbe packt, beschäftigt.

[Illustration: Abb. 94. Modellstudien (Bleistift) zum „Ballsouper“.]

Das wunderbare, jetzt in der Nationalgalerie befindliche Gemälde

wurde im Anfang des Jahres 1875 fertig. Das nämliche Jahr sah dann

auch eine Anzahl kleinerer, mit Deckfarben gemalter Meisterwerke

entstehen. Da ist noch ein Bild aus der Welt der Arbeit, ein Blick

in die Wirklichkeit von einem hochgelegenen Fenster aus gesehen:

Maurer bei der Arbeit an einem Neubau, der vor dem Hintergrunde

der dichten Baummasse des Berliner Tiergartens emporwächst, -- ein

prosaischer Alltagsgegenstand und eine künstlerische Schöpfung von

höchster malerischer Poesie (Abb. 75). Dann die ebenfalls in aller

Schlichtheit so hochpoetische Darstellung eines Spaziergängers,

eines alten Herrn in der Tracht der Zopfzeit, der nachdenklich den

mit verschnittenen Weiden besetzten Pfad am Bache entlang wandelt,

dicht bei der Ortschaft, aber abseits der Verkehrsstraße (Abb. 76). In

die Gattung der „Rüstkammerphantasien“ gehört das launige Bild eines

Ritters in voller Rüstung, der mit seinem ebenfalls geharnischten

reisigen Begleiter unter der Linde vor der Schenke Halt gemacht hat

und mit langem, durstigem Zuge einen ordinären thönernen Wirtshauskrug

ausleert; der starke Herr mag sich den kühlen Trunk in heißem Ritt

verdient haben, das sieht man seinem müden Gaul an. Ein allerliebstes

Genrebild führt uns in eine Familie, die sich auf der Terrasse vor

dem Hause versammelt und im Anblick des noch jungen Grüns der Bäume

Reisepläne für den Sommer macht, zu deren Ausarbeitung die Herren eine

große Landkarte zu Rate ziehen. Von Menzels eigenen Reisen erzählt eine

Innenansicht der in reichster spätbarocker Ausschmückung prangenden

Klosterkirche zu Ettal, vom Altar aus aufgenommen, wo eben der Küster

das Öl der ewigen Lampe erneuert (Abb. 77); ferner ein mehr figürliches

Kirchenbild aus Oberbayern oder Tirol: „Vor der Beichte“; dann aus

Bayreuth die hastige, aber sprechende Bleistiftskizze des dirigierenden

Richard Wagner (Abb. 78).

[Illustration: Abb. 95. Bleistiftstudie zum „Ballsouper“.]

Das Jahr 1876 sah unter anderem ein Deckfarbenbild entstehen, welches

ein Stückchen aus der Franziskanerkirche zu Salzburg zeigt. Durch

das prachtvolle schmiedeeiserne Gitter, welches einen Nebenaltar

abschließt, sehen wir einen Ordensbruder mit den Kerzen dieses Altars

beschäftigt; vor dem Gitter knieen Beter: eine sehr andächtige Dame,

deren mit in die Kirche genommenes Söhnchen von der auferlegten

Verpflichtung, ganz still zu sein, schrecklich gelangweilt wird, und

ein Bauersmann, der zwischen seinen Gebeten dem Hantieren des Mönchs

gedankenlos zusieht. Ferner ein ebenfalls in Deckfarbe gemaltes

Genrebild, einen Mann in Renaissancetracht darstellend, der, in

einem schwach erhellten Raum mit irgend etwas, das zu erraten der

Einbildungskraft des Beschauers überlassen bleibt, beschäftigt, durch

ein aus der Höhe, von wo auch ein scharfer Tagesstrahl einfällt,

kommendes Geräusch beunruhigt wird, daß er argwöhnisch emporblickt

und die Faust um den Griff seines breiten Dolchs, einer sogenannten

Ochsenzunge, spannt (Abb. 79). Neben den farbigen Bildchen schuf

Menzel zu allen Zeiten mit Stift oder Feder Zeichnungen, in denen er

fertige Bildgedanken niederlegte. Dahin gehört aus dem Jahre 1876 eine

köstliche Federzeichnung, „Siesta“ betitelt: ein Sommeridyll, dessen

Schauplatz der Garten eines herrschaftlichen Landsitzes zur Theestunde

und dessen komische Hauptperson ein in der Hängematte schlafender

wohlbeleibter Herr ist (Abb. 80).

[Illustration: Abb. 96. Bleistiftstudie zum „Ballsouper“.]

[Illustration: Abb. 97. +Ballsouper+. Ölgemälde von 1879. In

Privatbesitz in Berlin. (Photographieverlag von Gustav Schauer in

Berlin.)]

[Illustration: Abb. 98. +„Noch eins!“+ Tuschzeichnung von 1879. In

Privatbesitz in Berlin.

(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)]

[Illustration: Abb. 99. +Dorfschmiede mit Wasserhammer+ (in

Hof-Gastein). Deckfarbengemälde von 1879.

In der Nationalgalerie zu Berlin.

(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)]

[Illustration: Abb. 100. +Schleiferei in einer Dorfschmiede+. Ölgemälde

von 1881. In Privatbesitz in London.

(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)]

[Illustration: Abb. 101. Studien (Bleistift).]

A. von Menzel · 第 5 / 7 段