messende, wohl tausendjährige Linde, wo die Markgrafen von Meißen 1185
bis 1259 ihre Landdinge abhielten. In einer Urkunde von 1200 unter
Dietrich dem Bedrängten heißt es: »dise ding sind geschehen in unserm
ubirsten palas zu colmitz«. Das untere Palatium war gewiß das nach
Oschatz zu liegende wüste Schloß Osterland. Nach den Ruinen ist es ein
gewaltiger Bau gewesen, den nur ein mächtiger Fürst errichten konnte.
Der innere Hof ist vierhundertzwanzig Quadratmeter groß. Im Grundriß
mißt die Burg fünfundvierzig mal fünfunddreißig Meter, der Vorbau
achtzehn mal zehn Meter. Die Ausgrabungen, die noch nicht beendet
sind, haben ergeben, daß das Schloß weit größer ist, als Preusker und
andere annahmen. Unter den Funden, die in der ortskundlichen Sammlung
zusammengestellt sind, ist, neben Brakteaten Dietrichs des Bedrängten
und Heinrichs des Erlauchten und anderem mehr, ein Brakteatstempel des
letzteren Fürsten wohl der wichtigste. In Deutschland sind bis jetzt
nur neun Stück bekannt. Wegen Mangel an Urkunden ist die Geschichte des
Schlosses in Dunkel gehüllt. 1387 wird es aber schon »wüstes Steinhaus«
genannt.
Vom Aussichtsturm des Kollm, dem Albertturm, erblickt man nach Osten
zu im dunklen Wald diese Ruine. Weiterhin sieht man die Türme von
Oschatz, Riesa, die Elbe bei Gohlis, Strehla mit Kirche und Schloß.
Nördlich liegt die Dahlener und Sitzenrodaer Heide und Torgau. Nach
Westen ist außer den Hohburger Bergen und Wurzen auch Leipzig mit dem
Völkerschlachtdenkmal sichtbar. In der Wermsdorfer Heide liegen in der
Nähe des Horstsees die Schlösser Wermsdorf und Hubertusburg. Im Süden
erhebt sich der Rochlitzer Berg und das Schloß Augustusburg, südöstlich
wie ein dünner Stift die Halsbrücker Esse. In weiter Ferne begrenzt das
Erzgebirge den Gesichtskreis.
In der wohlangebauten Ebene und im welligen Hügelland, das man vom
Kollm übersehen kann, liegen oft in stattlichen Parks über dreißig
Rittergüter und Herrensitze, meist ehemalige Wasserburgen, oft adligen
Geschlechtern gehörig, deren Vorfahren zum Landding nach den überall
sichtbaren Kollm ritten, der das Oschatzer Land beherrscht.
Es soll nicht mit groben Händen an dem Teuersten und Heiligsten
gerührt werden, was ihr auf Erden besitzet. Von dem, was ihr
von eurer Heimat wißt und was ihr von ihr haltet, soll kein
Stücklein weggenommen werden; es soll nichts an ihr genörgelt
und geschulmeistert werden.
(Prof. _Woerl_, München.)
[Illustration]
Aus der Tätigkeit des Landesamtes für Denkmalpflege
Von Denkmalpfleger ~Dr.~ _Bachmann_
Im Januarheft des Jahres 1922 konnte Verfasser dieser Zeilen eine
kurze Übersicht über die Betätigung des Landesamtes in den Kriegs-
und Nachkriegsjahren geben. Die Hoffnung, daß die Zeiten sich bessern
würden, daß die Gefahr des Verfalls und der Abwanderung des im
Lande verstreuten Kunstbesitzes allmählich wesenlos werden würde,
hat sich leider inzwischen nicht erfüllt. Schärfer als je steht die
staatliche Denkmalpflege im Kampfe gegen widrige Umstände. Auch
ständig durchgeführte Überwachung und Hinweis auf die erlassenen
Kunstschutzverordnungen hat nicht immer verhindern können, daß seitens
der Besitzer eigenmächtige Handlungen vorkamen, die rückgängig zu
machen zu teilweise recht unliebsamen Erfahrungen für jene führten.
Besonders viel gesündigt wurde und wird noch heute in bezug auf
den reichen Schatz mittelalterlicher _Kirchenglocken_, den Sachsen
mit Stolz sein eigen nennen kann. Es ist tief betrüblich zu
beobachten, wie leichten Herzens sich manche Kirchgemeinden von
ihren alten Kirchenglocken trennen, die, nachdem sie die Stürme
des Dreißigjährigen, des Siebenjährigen und des Freiheitskrieges
glücklich überdauert haben, heute der Geschäftstüchtigkeit mancher
Glockengießerfirmen zum Opfer fallen. Da Verbote und Ermahnungen
oft fruchtlos waren, mußte in einigen Fällen mit dem Nachdruck der
Strafgesetzesparagraphen vorgegangen werden. Als Beispiel nur, welch
unersetzliche Werte hier in Frage stehen, sei hier auf die prachtvolle
Glocke der Kirchgemeinde _Elstertrebnitz_ hingewiesen, die jetzt
eine Zierde des Dresdner Kunstgewerbemuseums bildet, nachdem sie
bereits heimatlos geworden und in nächste Nähe der Schmelzöfen der
Firma Schilling und Lattermann in Apolda gelangt war. Das selten
schöne Stück trägt auf seinem Mantel zwei durch Frische der Zeichnung
und Lebendigkeit der Darstellung gleichermaßen ausgezeichnete
Bildnisgruppen, den heiligen Martin zu Pferd, dem auf der Gegenseite
eine Kreuzigungsgruppe entspricht. Die Darstellungen erinnern an
frühe Holzschnitte des fünfzehnten Jahrhunderts und vorzüglich hat
es der Künstler des Glockenschmuckes, der sich, ein seltener Fall,
als »Nicolaus Eisenberg aus Leipzig« selbst nennt, verstanden, dem
spröden Material echtempfundene Linienwirkung abzugewinnen. Neben
dem Künstlernamen wird uns auch das Herstellungsjahr »1460« genannt.
Wenn wohl etwas für die innere Berechtigung der Bestrebungen von
Heimatschutz und Denkmalpflege spricht, dann sind es solche Fälle
krasser Nichtachtung gegenüber angestammtem Heimatgut.
Schlimmer ist es heute zumeist um die _Kirchengebäude_ selbst bestellt
und immer mehr häufen sich beim Landesamte die Unterstützungsgesuche
gerade für unsere schönsten und wertvollsten Dome. Die dem Amt zur
Verfügung stehenden Mittel sind aber leider solchen Anforderungen
gegenüber gänzlich unzureichend. Sollen darum nun wirklich unsre
stolzesten Gotteshäuser, die bedeutsamsten Schöpfungen vergangener
Jahrhunderte einem langsamen, aber sicheren Verfall entgegengehen?!
Aus Leipzig, Freiberg, Wurzen, Pegau, Meißen, Zwickau und anderen
Orten kommen die Hilferufe, ja selbst die Meisterschöpfung Georg
Bährs, die Frauenkirche zu Dresden erscheint gefährdet. Aufrufe an
die Opferfreudigkeit wohlhabender Kreise finden erfahrungsgemäß in
solchen Fällen wenig Echo, und das »~noblesse oblige~« hat heute
wenig Kurs. Hier wird es der Anspannung aller Kräfte, der Mitwirkung
aller gebildeten Kreise und der Körperschaften aller Arten bedürfen,
um nur das schlimmste abzuwenden. Durch Warenlotterien, wie sie der
Heimatschutz schon so manches Mal in solchen Fällen durchführte,
kann gleichfalls vieles erreicht werden. Alle Bemühungen aber werden
unzureichend sein, wenn es nicht denen, die sich in unsrer jetzigen
Verfallszeit einen ungebeugten Idealismus und tapferen Optimismus
gewahrt haben, gelingt, in ständig durchgeführter Kleinarbeit das
öffentliche Gewissen und das Verständnis für unsre Kulturschätze
wachzurufen und wachzuhalten.
In einer großen Anzahl von Fällen konnte das Landesamt auch in
den vergangenen zwei Jahren gefährdete _kleinere Kunstdenkmäler_
durch staatliche Beihilfen erhalten helfen, zumeist Stücke alter
kirchlicher Kunst, und erfreulich war es zu sehen, daß gerade kleine,
leistungsschwache Kirchgemeinden die Opfer nicht scheuten, die ihnen
selbst aus diesen Erhaltungsarbeiten erwuchsen. Nur wenige Beispiele
aus diesem reichen Betätigungsgebiet mögen genannt werden.
Hart am Rande der Erzgebirgsgrenze liegt das kleine Holzarbeiterdorf
_Deutschneudorf_ bei Olbernhau. Die malerische Kirche ist eine Gründung
böhmischer Exulanten und hat sich aus dieser Zeit eine Reihe kleiner
Denkmäler bewahrt, die nunmehr, dank dem tatkräftigen Zugreifen des
Pfarrers Ostermuth, eine Auferstehung erlebt haben, und die nun wieder
eine Zierde des Gotteshauses bilden. Da die Mittel für eine noch
geplante Heldenehrung nicht ausreichten, wurde vom Landesamt ein großer
holzgeschnitzter Barockengel zur Verfügung gestellt, zu dem von Paul
Rößlers Künstlerhand eine in einfach-edlen Linien gehaltene Ehrentafel
komponiert wurde. So kam eine anspruchslos schöne Kriegerehrung
zustande die gerade hier, in einer Gegend alter Holzschnitztradition
ihre besondere innere Berechtigung hat.
Aus der kleinen Dorfkirche zu _Steinsdorf_ im Vogtlande wurde auf
Veranlassung des Landesamtes ein Flügelaltar in die staatlichen
Werkstätten eingeliefert, der als früheste bisher bekannte
Originalarbeit des Zwickauer Bildschnitzers Peter Bräuer, eines
Schülers von Riemenschneider, sich erwies, und der nach der Bezeichnung
im Jahre 1497 geschaffen wurde. Der Altar war in der Barockzeit in
schlechtester Weise übermalt worden, die Gesichter der Heiligen durch
aufgemalte Bärte und anderes völlig entstellt. Nach der Reinigung erst
kamen die schönen Formen der alten Schnitzerei wieder voll zur Geltung,
wie der hier beigegebene prachtvoll lebendige Kopf eines Bischofs
(Abb. 1) bezeugen mag. Die Kirche enthält auch aus der Barockzeit
manches ansprechende Denkmal bester Volkskunst, wie dies der hier
wiedergegebene schöne holzgeschnitzte Taufständer (Abb. 2) ausweisen
kann.
[Illustration: Abb. 1 =Kopf eines heiligen Bischofs vom
Peter-Bräuer-Altar zu Steinsdorf i. V.=
(Phot. ~Dr.~ Bachmann)]
Dem gleichen Meister Peter Bräuer muß auch ein Flügelaltar aus der
_Stadtkirche zu Glauchau_ zugeschrieben werden, der in den Werkstätten
des Landesamtes aus starkem Verfall gerettet wurde. Es ist einer jener
sächsischen Sippenaltäre, die zwar künstlerisch nicht eben übermäßig
hochstehend, aber doch als Ganzes volkstümlich liebenswürdig
empfunden sind. Das Mittelstück zeigt uns die Gestalten der heiligen
Anna und der Maria mit dem spielenden Jesuskind. Die Kirche selbst
wurde im vergangenen Jahr im Innern durch Kunstmaler Karl Schulz in
farbig und monumental gleich gut gelungener Form völlig erneuert.
[Illustration: Abb. 2 =Steinsdorf i. V.= Taufstein der Kirche
(Phot. Arch. Kandler)]
Karl Schulz verdanken wir auch die teilweise farbige Erneuerung der
schönen alten Dorfkirche zu _Leubnitz_ bei Dresden. Hier hätte es das
Landesamt allerdings lieber gesehen, wenn der Kirchenvorstand seine
Fürsorge auch der prachtvollen alten Felderdecke und den wertvollen
alten Emporenmalereien zugewendet hätte, da diese Teile besonders
erhaltungswert sind und zu ihrem Schutze unbedingt in absehbarer Zeit
etwas geschehen muß.
Eine weitere wichtige Aufgabe erwuchs dem Landesamte mit den
Erneuerungsarbeiten in der alten _Nicolaikirche zu Meißen_. Dies
hochwertvolle frühgotische Gotteshaus wird zur Zeit unter Leitung
der staatlichen Porzellanmanufaktur als Kriegergedächtniskirche
ausgebaut und hat nur in dieser neuen Bestimmung vor dem völligen
Verfall gerettet werden können. Die Kriegerehrung selbst wird nach
Entwürfen und Modellen des Meißner Künstlers Professor Boerner rein in
Porzellan hergestellt werden und ein erster Versuch sein, das wertvolle
Rohmaterial in monumentalen Ausmaßen auszuformen. Die im Jahre 1867
in der Apsis der Kirche unter dem Wandputz gefundenen Freskogemälde
gehören zu den ältesten in Sachsen überhaupt noch vorhandenen
Freskomalereien und dürften im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts
entstanden sein. Von einer Verkündigungsgruppe, einer Geburt Christi
und einer heilige Dreikönigsdarstellung sind größere zusammenhängende
Teile erhalten geblieben, die in ihrer edlen Formensprache und dem
feierlich strengen Faltenwurf der Gewänder noch heute eindrucksvoll
auf jeden Beschauer wirken, in voller Schönheit der Linien und
Farben jedoch erst jetzt nach der überaus glücklich gelungenen
Konservierung und Reinigung in Erscheinung treten. Karl Schulz hat
auch diese schwierige Arbeit in schonendster und sachverständiger
Weise durchgeführt. Wird erst noch die schon seit langem in Arbeit
befindliche Porzellanschöpfung den Abschluß des Ganzen bilden, so wird
die Stadt Meißen um ein Kunstdenkmal reicher werden, das in der ganzen
Welt nicht seinesgleichen hat.
Die _Friedhofskapelle St. Nicolai_ in der Stadt _Colditz_ ist ein
altes romanisches Bauwerk, das bis in das zwölfte Jahrhundert
zurückreichen dürfte. Die Kirche konnte neuerdings, dank opferfreudiger
Stiftungen, durch Professor Oswin Hempel durchgreifend erneuert und
zur Kriegergedächtniskirche ebenfalls umgewandelt werden. Das kräftige
romanische Rundbogentor an der nördlichen Langseite, das in der Achse
der von der Stadt heranführenden, baumbepflanzten Allee gelegen ist,
wurde durch ein monumentales Reliefbild in Stein nach einem Entwurfe
des Dresdner Bildhauers Artur Lange bekrönt (Abb. 3), und der Versuch,
hier wertvolle alte Formen mit solchen unsrer Zeit und modernen
Empfindens zu vereinen, muß als durchaus glücklich gelungen bezeichnet
werden. Professor Paul Rößler hat für die Fenster zu Seiten dieser
Tür zwei farbenleuchtende Glasgemälde geschaffen, die dem bisher ganz
schmucklosen Innenraume nunmehr das bestimmende Gepräge geben. Der
einfache Altaraufsatz wurde durch das Landesamt erneuert.
[Illustration: Abb. 3 =Kriegerehrung an der Eingangstür der
Friedhofskapelle zu Colditz=
(Arch. Prof. Oswin Hempel Bildhauer Lange)]
Die schöne gotische _Michaeliskirche zu Bautzen_, die
wendisch-evangelische Pfarrkirche, die zusammen mit der alten
Wasserkunst eines der malerischsten Bilder der Stadt noch heute
bildet (Abb. 4), besaß einen hohen Barockaltar vom Jahre 1693, der
im Jahre 1892 leider entfernt wurde, um einem der geschmacklosen
»neugotischen« Aufsätze dieser Zeit Platz zu machen. Gleichzeitig
wurde der ganze malerisch reizvolle Innenraum in schlimmster Weise
»modernisiert«. Professor Oswin Hempel erhielt dann nach Kriegsende
von der Kirchgemeinde den Auftrag, eine Kriegerehrung im Chor der
Kirche zu schaffen. Bei dieser Gelegenheit nahm das Landesamt für
Denkmalpflege die schon früher von Cornelius Gurlitt gegebene Anregung
der Wiederverwendung des wertvollen Barockaltares auf. Die Planung
ist inzwischen in ausgezeichnet gelungener Form ausgeführt worden und
der Kirche damit wenigstens ein Teil ihres ehemaligen Stimmungsreizes
zurückgegeben worden.
Zu beiden Seiten des Altarplatzes sind unter den Emporen
architektonisch straffgegliederte, aber doch in Einzelheiten ornamental
bewegte Nischen eingebaut worden, deren Rückwände die edelgeformten
Tafeln mit den Namen der Gefallenen tragen (Abb. 5). Eine hölzerne
Wandverkleidung in vornehm-ruhigen Linien umzieht von den Nischen
auslaufend den ganzen Kirchenchor als Heizkörperverkleidung sowohl, wie
als Sockel für den mächtig aufstrebenden Altaraufsatz. Holzbildhauer
Winde junior in Dresden hat die Schnitzarbeiten geschaffen, durch die
Werkstätten des Landesamtes wurden der hohe Altar und der prachtvolle
alte Taufstein aufgefrischt und neu aufgestellt.
[Illustration: Abb. 4 =Bautzen=]
Durchgreifend neugestaltet im Innern wurde unter Leitung des
Landesamtes und auf Veranlassung des Besitzers die Grabkapelle in der
stattlichen Kirche des Dorfes _Kürbitz_ im Vogtlande. Die Herrschaft
von Feilitzsch hat seit dem Mittelalter das Patronat der Kirche bis
heute innegehabt. Die Kirche, ehemals dem Orden der Deutschritter
zugehörig, wurde an Stelle einer älteren im Jahre 1624 von Urban,
Caspar von Feilitzsch neu errichtet und konnte sich eine beträchtliche
Zahl wertvollster Kunstdenkmäler bis heute bewahren. Zu den
schönsten derselben gehören die in der Grabkapelle der Stifterfamilie
befindlichen Grabdenkmäler und Epitaphe, die nunmehr teils an Ort und
Stelle und teils in den Werkstätten des Landesamtes erneuert wurden.
[Illustration: Abb. 5 =Michaeliskirche in Bautzen= (Einbau der
Kriegerehrung unter den seitlichen Emporen Wiederaufstellung und
Erneuerung des alten Taufsteins
(Prof. Oswin Hempel)]
Von wertvollen sächsischen _Dorfkirchen_ wurden in der Berichtszeit
besonders zwei, die zu _Dittmannsdorf bei Flöha_ und die zu
_Burkhardswalde bei Meißen_ umfassend erneuert, beide unter Professor
Paul Rößlers bewährter künstlerischer Oberleitung, in trefflicher
Anlehnung und Einfühlung in den gegebenen Rahmen. Während in
Burkhardswalde die Arbeiten noch nicht zum Abschluß gekommen sind, ist
es in Dittmannsdorf der Opferwilligkeit des Patronatsherrn, Fabrikant
Sieler aus Chemnitz, zu danken, daß die Erneuerung völlig durchgeführt
werden konnte. Die Neuausmalung folgte hier in pietätvollster Form
allen erhaltenen alten Farbspuren, und alle vorhandenen Kunstdenkmäler
und Reste von solchen fanden Neuaufstellung und Wiederverwendung
(Abb. 6). So kann die kleine Dorfkirche, die durch einen aus dem Jahre
1492 stammenden, sehr wertvollen Flügelaltar besonders bekannt geworden
ist, als Musterbeispiel zeitgemäßer Denkmalpflege heute angesprochen
werden.
Die _Stadtkirche zu Klingenthal_ im Vogtlande ist eine der in Sachsen
nicht allzuhäufigen Zentralkirchen, die den Einfluß Georg Bährs, des
Erbauers der Dresdner Frauenkirche in der Grundrißanlage erkennen
lassen. Das bisher ziemlich reizlose Innere des Bauwerkes wurde im
Jahre 1922 durch Kunstmaler Otto Lange wirkungsvoll ausgemalt.
Eine der schönsten Dorfkirchen des mittleren Erzgebirges, die kleine,
malerisch gelegene _Kirche zu Mittweida-Markersbach_ ist schon vor dem
Kriege unter Leitung des Landesamtes erneuert worden (Abb. 7). Sie
erscheint mit dem Schmucke ihrer kräftig bunten Felderdecke, mit den
Emporen, auf denen die ganze biblische Geschichte dargestellt ist, als
echter Vertreter bester sächsischer Volkskunst, wie er so unberührt
kaum sonst in Sachsen sich erhalten hat. Ein alter, aus katholischer
Zeit stammender Marienaltar, zu dem dereinst die Andächtigen von
weither wallfahrten, war bisher unbeachtet in einer Dachkammer
liegengeblieben. Er ist jetzt in den Werkstätten des Landesamtes
erneuert worden und wird in kurzem wieder als neuer Schmuck der Kirche
aufgestellt werden. Kein Freund unsrer Heimat und alter sächsischer
Volkskunst mag aber versäumen, der von Pfarrer Worm mit vorbildlicher
Liebe gepflegten kleinen Kirche einen Besuch abzustatten, wenn ihn der
Weg einmal in diese Gegend des Fichtelberges führt. Er wird für einen
kleinen Umweg auf das reichlichste belohnt werden.
[Illustration:
(Prof. Rößler, Dresden)
Abb. 6 =Kirche zu Dittmannsdorf= bei Flöha]
Von sächsischen Burgen sind es zwei ganz besonders, denen das
Landesamt in der Berichtszeit seine Fürsorge zuwenden konnte. Die
jedem Erzgebirgswanderer wohlbekannte stattliche _Burg Scharfenstein_
(Abb. 8) wurde am 2. Juli 1921 leider von einer Feuersbrunst zerstört,
der mit Ausnahme des hohen Rundturmes und des Wittwenflügels gerade
die architektonisch bedeutsamen Hauptgebäude mit den reichgegliederten
gotischen Giebeln zum Opfer fielen. Während des Brandes noch erschienen
unter den später angebrachten, von Hitze und Flammen weggesprengten
Schalungen prächtige bunte Balkendecken der gotischen Zeit, aber nur,
um wenig später gleichfalls ein Opfer des rasenden Elementes zu werden.
Die sofort begonnenen Wiederaufbauarbeiten leitete Bodo Ebhardt, und
heute steht die schöne Burg wenigstens im äußerlich vertrauten, alten
Umriß auf ihrer Bergeshöhe, während das Innere naturgemäß neuzeitlichen
Anforderungen angepaßt wurde.
[Illustration:
(Phot. ~Dr.~ Bachmann)
Abb. 7 =Kirche zu Mittweida-Markersbach= (Innenansicht)]
Eine der größten Burgen Sachsens, die _Augustusburg_ ist lange Zeit
hindurch ein rechtes Stiefkind der Pflege heimatlicher Kunstdenkmäler
gewesen. So werden gewiß bisher nur wenige Besucher des Schlosses die
alten Hasenmalereien haben würdigen können, mit denen Meister Heinrich
Göding im Jahre 1572 das sogenannte Hasenhaus auf besonderen Wunsch
des Kurfürsten August ausmalte. Sind diese Bilder auch nicht gerade
als Dokumente hohen künstlerischen Könnens anzusprechen, so sind sie
doch wertvolle Traditionen des Gefühlslebens ihrer Entstehungszeit.
Sie blieben ungepflegt und verfielen mehr und mehr, bis ganz
neuerdings der neugegründete Museumsverein »Erzgebirgsschau« unter
der tatkräftigen Leitung des Schuldirektors Heinicke in Augustusburg
sich die oberen Räume des Hasenhauses vom Staate abtreten und für seine
Museumszwecke vorrichten ließ. Heute nun stellt sich der Hasensaal mit
seinen Nebenräumen den Besuchern der Burg in völlig gewandelter Form
vor Augen (Abb. 9). Schmuck und sauber sind Wände, Gewölbe und Fußböden
und lustig spielen die Hasen in ihren verschiedenen Verkleidungen und
Verrichtungen auf den Türsimsen, Kaminen und Wandnischen, von der Hand
des Kunstmalers Karl Schulz im Auftrag des Landesamtes sorgsam und
wirkungsvoll aufgefrischt. Jetzt erst kann der Beschauer sich wieder
ein Bild davon machen, wie es zu Zeiten des Vaters August und der
Mutter Anna etwa auf der Augustusburg gewesen sein mag, als in den
mächtigen, reich im Renaissancestil umrahmten Kaminen die Eichenknüppel
loderten und durch die architektonisch festlich umrahmten Türen Herren
und Damen des kurfürstlichen Hofes aus- und eingingen. Noch bleibt der
gänzlich verwahrloste ehemalige Fürstensaal liegen, aber auch er soll
in Bälde nach dem Willen der Museumsgründer seine Auferstehung feiern.
Möge das neue Museum auf seinen weiteren Wegen stets so erfolgreich
fortschreiten, wie seine Entstehung in Deutschlands schwerster Zeit
durchgesetzt wurde.
[Illustration:
(Phot. Hertel, Leipzig)
Abb. 8 =Schloß Scharfenstein=]
Auch von einigen anderen Museen ist trotz der Not unsrer Tage
Erfreuliches zu melden. So ist die Umgestaltung des Ortsmuseums der
Stadt Zittau zu einem vorläufigen, glücklichen Abschluß gekommen,
nachdem die Räume im alten Franziskanerkloster, vor allem das
Refektorium im Erdgeschoß und der ehemalige schöne Bibliothekssaal
im zweiten Stock durchgreifend erneuert wurden. Ganz besonders stolz
kann auch die Stadt _Plauen im Vogtlande_ auf das in den letzten
Jahren geleistete sein. Ihr neues _Ortsmuseum_ ist als mustergültige
Schöpfung zu begrüßen, dank dem Opfersinn der städtischen Behörden und
einzelner Stifter. Der weiter geplante Ausbau wird das »Vogtländische
Kreismuseum« zweifellos in die Reihe der führenden Ortsmuseen Sachsens
stellen, dank vor allem des als Rahmen gegebenen Gößmannschen Hauses
mit seinen schönen Räumen. Auch der Neubau des Plauener Rathauses ist
nunmehr nach Stadtbaurat Goettes Plänen und unter seiner Oberleitung
in hartem Kampfe mit allen widrigen Zeitumständen glücklich und
eindrucksvoll beendet worden. Besondere Teilnahme wurde dabei dem
_alten Rathause_ zuteil, dessen hohe Giebelseite in monumentaler
Schönheit den Marktplatz beherrscht, im farbenfrohen Schmucke der
alten Kunstuhr, die der Stadtrat nach Paul Rößlers Angaben durch die
Werkstätten des Landesamtes wiederherstellen ließ (Abb. 10).
[Illustration:
(Phot. ~Dr.~ Bachmann)
Abb. 9 =Schloß Augustusburg= Tür und Kaminwand im »Hasensaal«]
Schwierig hat sich für manch anderes der kleinen _Ortsmuseen_ im
Lande die Lage nach dem Kriege gestaltet. Viele wurden durch die
Wohnungsnot obdachlos, andere wieder haben aus Mangel an Mitteln
und Interesse schließen müssen, sehr zum Schaden natürlich der nun
irgendwo pfleglos aufgestapelten Kunstgegenstände, die nunmehr Rost und
Holzwurm schutzlos ausgeliefert sind. Bei solcher Lage der Dinge kann
kleinen Museen nur geraten werden, ihre wertvollsten Kunstdenkmäler
vorläufig einmal an benachbarte große Stadtmuseen leihweise abzugeben
bis auf bessere, kommende Zeiten, bei Gegenständen kirchlicher Kunst
aber möglichst die Wiederaufstellung am Ursprungsort anzustreben.
Das wird zumeist heute, wo das Verständnis für solche Dinge
gewachsen ist, leichter durchzuführen sein als in früherer Zeit. Die
Landesberatungsstelle für Ortsmuseen, die dem Landesamte angegliedert
ist, steht in solchen Fällen stets mit Rat und Hilfe zur Verfügung.
_Postmeilensäulen_ konnten in der Berichtszeit mehrere ausgebessert
werden, so in Königstein, Pegau, Elterlein, Frankenberg, Radeburg und
Öderan. In allen diesen Fällen hat das Landesamt beratend und mit
Beihilfen bei der Erhaltung der wertvollen Stücke mitgewirkt.