Ein rechtes Sorgenkind der staatlichen Denkmalpflege ist der

_Zwinger in Dresden_ geworden. Durchweg in Sandstein erbaut, sind

seine reichbelebten Gliederungen, seine empfindlichen Einzelheiten

dem Großstadtklima nicht gewachsen geblieben. Dazu kommt noch,

daß die Erbauer, wie die genauen Untersuchungen bei den jetzigen

Erneuerungsarbeiten immer wieder erkennen lassen, recht leichtsinnige,

man ist versucht zu sagen gewissenlose Unternehmer waren. Wenn hierbei

auch vieles der schlechten Erhaltung auf Kosten möglichst schneller

Ausführung zu setzen sein wird, König August wird gewiß unermüdlich

seinen Architekten auf Vollendung gedrängt haben, so ist damit doch

kaum zu entschuldigen, daß riesige Sandsteinblöcke von vielen Zentnern

Gewicht nur durch ein paar kurze Eisenstifte verankert waren, daß

hinter den glänzenden Schauseiten aller nur denkbarer Bauschutt,

Holzstücke und dergleichen als Hinterfüllung vermauert wurden. Ein

zufälliger kleiner Erdstoß würde sicherlich in den letzten Jahren

genügt haben, große Teile der unersetzlich wertvollen Anlage zum

Einsturz zu bringen. Man hatte schon 1880 in bester Absicht begonnen,

verwitterte Teile des Schmuckes an Figuren, Vasen und Profilen in

Zement zu ergänzen und dann das ganze Gebäude mit einer »Schutzschicht«

von Ölfarbe überzogen. Heute wissen wir, daß gerade diese Maßregeln den

weiteren Verfall beschleunigt, statt zum stehen gebracht haben.

[Illustration: Abb. 10 =Rathaus Plauen i. V.= Vor dem Umbau]

Die Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler kam im Jahre 1898

nach Gehör einer Reihe gutachtlicher Äußerungen, auch solcher aus dem

Ausland zu dem Beschluß, »daß weder eine Verwendung von Zement, noch

ein anderes Material als nur lediglich bester witterungsbeständiger

Sandstein bei Renovationen in Frage kommen solle.« Nach diesem

Grundsatz ist in den nun folgenden Jahren verfahren worden, zumal in

den letzten beiden Jahren, wo sich die dringende Notwendigkeit ergab,

vor allem den herrlichen Wallpavillon vor völligem Ruin zu erretten.

Die Kosten für diese Arbeiten bildeten allerdings eine denkbar schwere

Belastung für den Staat, selbst wenn man berücksichtigt, daß damit

einer ganzen Anzahl von Steinmetzen und Bauarbeitern produktive

Tätigkeit gegeben werden konnte. Es wurden dabei sorgfältigst alle

verwitterten Teile ausgespitzt und gefährdete Figuren ganz oder

teilweise ergänzt, alles unter Leitung des Landbauamtes I und der

künstlerischen Oberaufsicht des Dresdner Bildhauers Georg Wrba. Vor

allem wurden die alten Ölfarbenanstriche durch Ablaugen überall

entfernt, so daß der uneingeweihte Beschauer wohl glauben kann,

gänzlich neues Mauerwerk vor sich zu sehen (Abb. 11).

[Illustration:

(Phot. ~Dr.~ Bachmann)

Abb. 11 =Erneuerungsarbeiten am Zwinger-Wallpavillon, Südostseite=

Der große Fensterbogen und die Girlanden sind alt, Kopf und die Voluten

rechts und links davon sind neu]

Noch bleibt freilich unendlich vieles am Zwinger ungetan und schon

im Gutachten der staatlichen Kommission von 1898 wurde z. B. auf den

ruinösen Zustand des schönen »Nymphenbades« besonders hingewiesen. Wir

können so nur hoffen, daß Sachsens Wirtschaftslage sich bald wieder

genügend kräftigen möge, um das begonnene Erneuerungswerk an einem

der bedeutendsten Kunstdenkmäler Deutschlands glücklich fortführen zu

können.

Das mit dem Landesamt für Denkmalpflege verbundene _Archiv_ hat in

den vergangenen beiden Jahren sein reiches Material beträchtlich

erweitern können, vor allem durch Überweisung von annähernd zweitausend

alten Bauplänen aus den staatlichen Bauämtern, wo diese für den

unmittelbaren Dienstbetrieb nicht mehr benötigt werden. Der gesamte

wertvolle Bestand an Plänen, Abbildungen, Negativen usw. wird zur

Zeit genau katalogisiert und damit nunmehr der Wissenschaft und der

Öffentlichkeit in bester Form zugänglich gemacht. Es sei hierbei noch

ausdrücklich bemerkt, daß die Sammlungen des Landesamtes in Dresden-N.,

Niedergraben 5, jedem Besucher offen stehen und daß Photobilder von

Dresdner und sonstigen sächsischen Bauten nach Maßgabe des vorhandenen

Negativmaterials auf Wunsch von dort bezogen werden können.

Die _Neuinventarisation_ der sächsischen Bau- und Kunstdenkmäler,

ein Hauptzweig der Tätigkeit des Landesamtes konnte, wenn auch in

beschränktem Umfang im Sommer dieses Jahres mit Stadt und Bezirk

Pirna wieder aufgenommen werden. Diese umfassende Arbeit dient nicht

nur als Grundlage kunstwissenschaftlicher Forschung und Erkenntnis

überhaupt, sondern hauptsächlich auch der Überwachung des staatlich

geschützten Kunstbesitzes, soweit er sich in Händen der Orts- und

Kirchgemeinden befindet. Daß aber gerade hier eine dauernde Kontrolle

mehr als je erforderlich ist, hat die Erfahrung des Landesamtes in der

Nachkriegszeit mit besonderer Deutlichkeit erkennen lassen. Gerade

hierbei ist aber das Landesamt auch auf die Mitwirkung aller Freunde

der Heimatschutzbewegung angewiesen und jederzeit besonders dankbar für

zweckdienliche Mitteilungen über die im Lande verstreuten Kunstschätze.

Sind wir doch alle kommenden Geschlechtern gegenüber verantwortlich

für das von den Vätern ererbte Kulturgut, gleichgültig ob es sich

um hochragende Dome und stolze Burgen, oder um den schlichten

Abendmahlskelch und Zinnleuchter in einer stillen Dorfkirche handelt.

[Illustration]

Vom Natur- und Heimatschutz

=Die Eibe auf dem Löbauer Berge.= Der basaltne Rothstein ist als

Standort einer Anzahl bodeneigener Eiben oder Taxusbäume bekannt. Nur

wenige wissen aber davon, daß auch auf dem Löbauer Berg eine stattliche

Eibe – ob an ihrem jetzigen Standorte von jeher vorhanden oder dahin

verpflanzt, entzieht sich unsrer Kenntnis – zu finden ist. Sie steht

an dem westlichen Stufenaufgange nach der ältesten Bergwirtschaft, dem

sogenannten Berghäuschen, und zwar am letzten Treppenabsatz unweit

der gegenwärtig zu Wohnzwecken benutzten Gebäudeteile der Wirtschaft.

Der Baum, dessen Höhe zurzeit ungefähr zwölf Meter beträgt, ist am

Anfange der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in seiner Krone

verstutzt worden, als zu dieser Zeit auf genanntes Haus ein Stockwerk

aufgesetzt und zu einer Gaststube eingerichtet wurde. Es geschah dies

mit Rücksicht auf die Aussicht, die durch den Wipfel der Eibe verdeckt

wurde. An Höhe und Stärke übertrifft dieselbe die älteste Rothsteineibe

ganz bedeutend, die nur gegen sechs Meter hoch ist. Der Stammumfang

unsers Baumes, der sicher als mehrhundertjährig zu bezeichnen ist,

beträgt dicht über dem Erdboden neunzig Zentimeter, ein schlanker

gerader Wuchs zeichnet ihn aus. Leider krankt der schöne Baum in

einigen Ästen seiner Krone, braunes Nadelgezweig unterbricht das dunkle

Grün seines Hauptes. Schuld daran sind vielleicht die unmittelbare Nähe

der Treppenstufen oder die erwähnte Verstutzung oder die inzwischen

hochgewachsenen Eschen wenig unterhalb seines Standortes. Es ist

vom Standpunkte des Naturschutzes entschieden zu begrüßen, daß die

letztgenannten Bäume seitens der städtischen Forstverwaltung demnächst

gefällt werden sollen. Es wären aber auch noch weitere Maßnahmen zum

Schutze dieses Naturdenkmales, als welches unsre Eibe zweifellos

bezeichnet werden darf, zu empfehlen. Denn das ist wohl anzunehmen, daß

die Eibe auf dem Löbauer Berge dereinst wie auf dem Rothstein mit zu

des Berges ursprünglicher Bewaldung gehört hat, als deren letzter Rest

nun unser Baum anzusehen ist. Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang

eine Bemerkung des städtischen Försters in einem »Kulturanschlage« vom

Jahre 1816, nach welcher damals in der Bergwaldung Eiben »ausgesät«

werden sollten.

_O. Schöne._

Zur Geschichte der Starmeste

Herr Studiendirektor ~Dr.~ _Neubner_ in Bautzen ist so freundlich,

mir zu meinem Aufsatz in unsern Mitteilungen XII, S. 248, folgende

wertvolle und willkommene Ergänzung zukommen zu lassen. Bei _Nathanael

Gotfried Leske_ »Reise durch Sachsen in Rücksicht der Naturgeschichte

und Ökonomie«, Leipzig 1785, S. 31, findet sich folgende Bemerkung

über die Landschaft von Königsbrück: »Hier sahe ich auch, daß man die

Stare hegte, und ihnen an die Linden kleine hölzerne Gehäuse, die man

hier Starmezen nent, anhing, worein sie nisten und die Eier ausbrüten.

Dieses geschieht vorzüglich deswegen, weil die Stare die Raupen

fressen, und folglich durch Verminderung derselben für die Cultur

des Obstes nützlich sind. Gewiß eine nachahmungswürdige Gewohnheit!«

Das Buch ist dem Kurfürsten Friedrich August gewidmet, auf dessen

Anregung hin der Verfasser die Reise unternommen hat. So haben die

_Königsbrücker_ Anspruch auf den Ruhm, im damaligen kursächsischen

Land, oder wenigstens in der Lausitz, die _ersten_ gewesen zu sein, die

diese Art des Vogelschutzes in der Erkenntnis geübt haben, wie nützlich

der Star durch die Vertilgung von Schädlingen in den Obstgärten

wird. Auf seiner ganzen Reise, die Leske über Muskau, Görlitz,

Lauban, Zittau, Herrnhut ausdehnte, hat er sonst nirgends Starmesten

angetroffen; er erwähnt wenigstens trotz seiner bis ins kleinste

gehenden Berichterstattung niemals wieder eine solche Beobachtung.

_Martin Braeß._

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt –

Druck: Lehmannsche Buchdruckerei

Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden

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Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.

Unterschiedliche Schreibweisen insbesondere bei Namen wurden

beibehalten. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

Die Farbtafeln wurden alle an das Ende des Kapitels der

Pflanzenschutzverordnung verschoben.

Korrekturen:

S. 24: aus → und

{und} den die Stimmung alter Zeit am klarsten

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 1-2 · 第 5 / 5 段