Sie zuckte geringschätzig die Achseln.
Plötzlich brach er aus: »Du glaubst doch nicht am Ende, daß ich mir aus
der Person etwas mache?«
»Aus welcher Person?« fragte sie fremd und mit Hoheit.
Die Hände bittend hingestreckt, wie außer sich, mit einem Mund, der wie
zerrissen aussah, trat er auf sie zu und wiederholte: »Daß ich mir aus
der Person nur im allermindesten etwas mache, wirst du, Mutter, doch
nicht glauben?«
Dorine erhob sich und entgegnete ebenso fremd und mit ebensolcher
Hoheit: »Ich weiß nicht, von welcher Person du sprichst. Redest du von
der jungen Dame, von der du mir gesagt hast, daß sie die Verlobte deines
Freundes ist? Wie wäre das denn auch möglich? Dann würdest du dich ja
noch niedriger stellen, als deine Meinung von ihr zu sein scheint.« Sie
maß ihn von oben bis unten. »Nein, Dietrich, das bist du nicht. Aber
bilde dir nicht ein, daß ich schon verzichte,« fügte sie mit rätselhaft
finsterem Lächeln hinzu; »ich will und muß dich wieder haben.«
Damit verließ sie das Zimmer.
Um neun Uhr morgens fuhr sie nach Basel. Dort vergrub sie sich förmlich
in ihrem einsamen Hause, fünf Tage lang.