Um die +Liebe+ des anderen Geschlechtes zu gewinnen, gibt es
eine Unmenge +Zaubermittel+. Durch solche Hilfsmittel kann man
auch Uneinigkeiten zwischen Verliebten stiften, wenn man ihre
bevorstehende Hochzeit nicht gern sieht. Zu diesem Zwecke nimmt man
Wasser, mit dem ein Toter gewaschen wurde, und schüttet es über das
betreffende Mädchen. Daraufhin entstehen zwischen dem verlobten
Paare Streitigkeiten, die eine Auflösung seines Verhältnisses zur
wahrscheinlichen Folge haben. Glaubt eine Frau in Marokko, daß die
Zuneigung ihres Gatten im Abnehmen begriffen sei, so läßt sie sich
Honig von der Stirn bis zum Kinn über das Gesicht herablaufen und
fängt ihn unten mit einem Löffel auf. Darauf sticht sie sich mittels
eines Feigenblattes in die Zunge, mischt das daraus hervorquellende
Blut mit sieben Salzkörnern und mengt es unter den Honig; weiter
läßt sie Blut in den Löffel tropfen, das von der Stelle zwischen den
Augenbrauen stammt, und fügt darauf noch weitere sieben Salzkörnchen
hinzu. Das Ganze vermischt sie mit so viel Erde von ihren Fußspuren,
wie erforderlich ist, um drei Silbermünzen zu bedecken, und tut alles
zusammen in das Essen ihres Mannes, worauf bei diesem die im Erkalten
begriffene Liebe wieder entfacht werden soll.
Da der +Wunsch nach Kindern+ unter den Mohammedanerinnen ein recht
reger ist und auf der anderen Seite die Frau, die ihrem Gatten keine
solchen schenkt, der allgemeinen Verachtung preisgegeben ist, auch
schwer einen zweiten Mann bekommen kann, so greift sie in ihrer Angst
nach allerhand Amuletten und Zaubersprüchen, die ihr zur Erreichung
ihres Zieles behilflich sein sollen. Wir haben diese verschiedenen
magischen Zeichen und Gegenstände bereits kennen gelernt; für besonders
wirksam werden solche Formeln, Zeichen und Figuren gehalten, wenn
sie mit einem Myrtenzweig und einer Tinte aus Safran und Rosenwasser
auf Gazellenhaut aufgetragen und dann in einem stählernen Behälter
aufbewahrt werden. Auch werden von unfruchtbaren Frauen Pilgerfahrten
nach heiligen Orten oder Schreinen unternommen, wo sie vielfach an
einem besonderen Baum Zeugfetzen aufhängen.
Wenn eine +schwangere Kabylin+ eine schwere Geburt bereits
durchgemacht hat und eine solche von neuem befürchtet, trägt sie
zur Erleichterung ihrer Niederkunft in den Falten ihres Haiks eine
Mischung von Öl und Eichelasche mit sich herum oder bindet sich auf
einen ihrer Oberschenkel einen Feuerstein auf; ebenso trägt sie wohl
an ihrem rechten Oberschenkel ihren eigenen Haarkamm mit dem darauf
geschriebenen Wunsche einer leichten Geburt.
Die +Geburt+ eines Kindes wird auch in Nordafrika von den einheimischen
Stämmen mit großer Freude und lautem Lärm begrüßt, besonders aber,
wenn ein Sohn angekommen ist. Die Geburtshelferin meldet dies bei den
Kabylen mit einem lauten „Yu, yu“ an, worauf sich alle Männer des
Dorfes versammeln und Freudenschüsse abgeben. Die Großeltern beschenken
das Neugeborene, festlich angetan, mit mancherlei Gaben und wünschen
ihm Glück, und mit Stolz befestigt man auf der Stirn der Wöchnerin das
Thabazimth, ein rundes, broschenähnliches Schmuckstück, zum Zeichen,
daß sie der Familie einen Erben und dem Dorfe einen Verteidiger
gegeben hat. Der glückliche Vater zahlt der Gemeinde eine Abgabe,
oft verdoppelt er sie aus eigenem Antrieb. Um den bösen Blick oder
die Dschinns zu bannen, werden Mutter und Kind mit Salz bestreut. Am
siebenten Tage nach der Geburt pflegen sich die Bekannten einzufinden
und das Kind zu beschenken. Dabei findet für gewöhnlich eine religiöse
Festlichkeit statt.
Sind die Mädchen etwa sieben Jahre alt geworden, dann +färbt+ man
ihnen die +Hände mit Hennah+, fettet ihnen das Haar ein und flicht es
fest zu einem Zopf; von da an gelten sie für Jungfrauen und müssen an
der Öffentlichkeit auch den Schleier tragen. Die Knaben (Abb. 519)
werden zu ungefähr der gleichen Zeit, bald etwas früher, bald später,
+beschnitten+. Auch hierbei werden Festlichkeiten abgehalten.
[Illustration:
Mit Genehmigung von Richard Bong in Berlin.
Arabischer Schleiertanz.