Abb. 500. Mohammedaner beim Abendgebet.]

Alle Ägypter der oberen Klassen tragen das +Haar+ ganz kurz

geschnitten. Die Fellachen rasieren sich den Kopf für gewöhnlich

kahl und lassen nur auf dem Wirbel ein langes Büschel stehen. Diese

sonderbare Haartracht erklären sie selbst auf zweierlei Weise. Die

einen meinen, daß man dieses Büschel stehen lasse, damit der Engel

sie daran festhalten könne, wenn sie nach dem Tode von der Brücke

al-Sirat, die ins Jenseits führe und an Schmalheit einer Messerklinge

gleichkomme, herabfallen sollten; andere dagegen sagen, man wolle

dadurch Vorsorge treffen, daß ein ungläubiger Feind, der ihren Kopf

etwa abgehauen hätte und mit sich schleppte, ihn an diesem Haarbüschel

ergreifen könne, nicht aber ihn mittels der Mundöffnung einhake und

dadurch den Mund entweihe, der so oft Allah gepriesen und zeitlebens

Gebete aus dem Koran gesprochen habe.

[Illustration:

Phot. Lehnert & Landrock, Tunis.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 235 / 254 题