Ägypten.
Die Bevölkerung des Landes der Pharaonen besteht in der Hauptsache aus
hamitischen Elementen, zu denen sich im Laufe der Zeiten semitische
und in geringerem Grade auch Negerstämme hinzugesellten. Schon in der
Vorzeit muß dieselbe ziemlich die gleiche wie heute gewesen sein, denn
wir begegnen auf den Figuren der alten Malereien und Bildwerke aus der
Pharaonenzeit bereits den gleichen Köpfen und Zügen sowie der gleichen
Hautfarbe, die wir jetzt noch auf der Straße antreffen.
Der +Religion+ nach unterscheiden sich die Ägypter in +Kopten+ und
+Fellachen+; die ersteren sind Anhänger des christlichen, die letzteren
des islamitischen Glaubens, aber in ihrem Äußeren sind sich beide
Teile ziemlich gleich, höchstens kann man sagen, daß die Kopten
vermöge ihrer Religion sich mehr davor gescheut haben, arabisches, das
heißt semitisches Blut in sich aufzunehmen. Es ist daher falsch, die
Fellachen zu Arabern zu stempeln, zu behaupten, daß sie ausschließlich
von den mohammedanischen Eroberern des Landes abstammten, wie es
vielfach geschieht. Zwar mag ihre Eigenschaft als Anhänger des Islams
sie selbst dazu geführt haben, daß sie sich als Verwandte der Araber
betrachteten und dementsprechend die Besonderheit ihrer ägyptischen
Nationalität aus den Augen verloren haben, aber in Wirklichkeit sind
sie mit den Kopten eines Stammes. Beide sind Nachkommen der alten
Nilbewohner aus der Zeit der Denkmäler und Sphinxe.
Wenngleich diese religiöse Spaltung naturgemäß manche Unterschiede in
den Gebräuchen, besonders in den Festen und Fasten, zur Folge gehabt
hat, so sind diese doch keineswegs so groß, wie man annehmen könnte,
nicht einmal in religiösen Dingen. So kommt es vor, daß ein alter
Moslem zur Jungfrau Maria betet und den christlichen Heiligen bei
gewissen Gelegenheiten und an bestimmten Orten Opfergaben darbringt,
und die Mosleme sowohl Christus wie auch seine Mutter verehrt.
[Illustration:
Nach einem Gemälde von R. Ernst.