Abb. 472. Schmuck, Topf und Besen beschnittener Bakuliamädchen.]

Die Banyoro entsetzen sich davor, in der Nacht zu sterben, da zu dieser

Zeit die Geister sie holen könnten. Um dieser Gefahr vorzubeugen,

soll es vorkommen, daß man sehr kranke Menschen manchmal lebendigen

Leibes schon am Tage begräbt, sofern zu befürchten steht, daß es nachts

doch mit ihnen zu Ende gehen werde. Die Leiche wird in Rindentuch

oder bei großer Armut in Gras eingewickelt und in der Nähe der Hütte

begraben. Einen Häuptling pflegt man mit an den Körper herangezogenen

Beinen und unter den Kopf gelegten Händen in die Haut einer frisch

geschlachteten Kuh zu nähen, ihn auf die linke Seite zu legen und so

ins Grab zu senken, worauf man Rindenstoff hineinwirft und das Grab

zuschaufelt. Der Mukuma oder König wurde in derselben Weise gewickelt

und dann mit neun lebenden Männern in ein großes Grab gelegt; dieses

aber wurde nicht zugeschüttet, sondern über seiner Öffnung eine Haut

fest mit Pflöcken befestigt und eine Hütte oder ein Grabmal darüber

errichtet. In dieser Hütte mußten der Oberbefehlshaber und die Diener

des Königs das Grab bewachen. -- Die Masai, Suk und Turkena erheben

bei eingetretenem Todesfall ein Wehklagen und tragen die Leiche darauf

in den Busch, wo sie sie einfach mit dem Gesicht gegen Westen, damit

sie den Neumond sehe, hinlegen, zur Freude der Geier und Hyänen. Die

Nandi, Kikuyu und Lumbwa begraben ebenfalls ihre Häuptlinge, während

sie im übrigen die Leichen im Busch liegen lassen. Die Kamasia legen

für ihre Häuptlinge im Viehkral das Grab an und pflanzen Sträucher

darauf, alle anderen Leichen aber bringen sie in den Busch und legen

Felle darüber. Die Kavirondo und Baziba begraben einen Häuptling in

sitzender Stellung in seiner Hütte, lassen den Kopf aber aus der Erde

heraussehen. Bei ersteren müssen die Frauen in der Hütte bleiben, bis

das Fleisch vom Kopfe abfault, dann wird auch dieser begraben. Bei

letzteren übernimmt ein bestimmter Wächter diese Pflicht. Nach zwei

Monaten wird auch hier der Kopf unter die Erde geschoben und darauf

ein neuer Häuptling gewählt. Die Wahima brechen ihren Toten, wenn sie

erkaltet sind, die Gelenke und den Hals, wickeln sie in eine Matte und

begraben sie unter einem Dunghaufen im Viehkral. Nach seinem Tode wird

der Name des Verstorbenen nie mehr genannt; war sein Name etwa auch die

Bezeichnung für irgendeinen Gegenstand, so verschwindet dieses Wort

aus der Sprache, und ein neues wird für den betreffenden Gegenstand

geschaffen. Ähnlich verfahren die Masai, die niemals mehr den Namen

eines Verstorbenen in den Mund nehmen.

[Illustration:

Phot. A. C. Hollis.

Abb. 473. Masaikrieger.

Ihre Bewaffnung besteht aus Speer, Schild, Bogen und Pfeilen, ferner

aus einer Keule und einem Schwert.]

Nach einem +Begräbnis+ oder wenigstens nach Ablauf der Trauer pflegt

man einen großen Tanz und ein Biergelage abzuhalten. Die Madi markieren

oft einen Kampf; ein jeder gerät in große Aufregung, und es ist daher

nichts Ungewöhnliches, daß Männer bei Begräbnissen getötet oder zum

mindesten schwer verletzt werden. Bei den Manyema ertönt nach Eintritt

eines Todesfalls ein Signal, auf das hin die Freunde und Verwandten

sehr zahlreich zusammenströmen und die Leiche hinwegbringen. Sie kochen

sie darauf und essen sie zu Hause. Nahe Angehörige wie die Eltern essen

nicht von dem Fleische, wohnen auch nicht der Beerdigung bei. -- Der

Sohn eines Baziba trägt um den Hals ein Band, an dem zwei Stückchen

Holz befestigt sind, die Vater und Mutter vorstellen; stirbt eines von

ihnen, dann wird das betreffende Hölzchen weggeworfen.

Die +Witwen+ des Verstorbenen gehen häufig auf den ältesten Sohn

oder Bruder über; jedoch haben die verschiedenen Stämme vielfach

besondere Sitten. In der Regel dürfen die Witwen erst nach Ablauf einer

bestimmten Trauerzeit wieder heiraten, und auch dann nur mit Zustimmung

ihres Vormundes. Bei den Suaheli ist die Witwe gezwungen, drei Monate

lang sich zurückzuziehen; sie darf während dieser Zeit nicht ausgehen,

wohl aber Besuche ihrer Angehörigen empfangen.

[Illustration:

Aus: R. E. Drake-Brockman, Britisch-Somaliland.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 225 / 254 题