Die Banyoro entsetzen sich davor, in der Nacht zu sterben, da zu dieser
Zeit die Geister sie holen könnten. Um dieser Gefahr vorzubeugen,
soll es vorkommen, daß man sehr kranke Menschen manchmal lebendigen
Leibes schon am Tage begräbt, sofern zu befürchten steht, daß es nachts
doch mit ihnen zu Ende gehen werde. Die Leiche wird in Rindentuch
oder bei großer Armut in Gras eingewickelt und in der Nähe der Hütte
begraben. Einen Häuptling pflegt man mit an den Körper herangezogenen
Beinen und unter den Kopf gelegten Händen in die Haut einer frisch
geschlachteten Kuh zu nähen, ihn auf die linke Seite zu legen und so
ins Grab zu senken, worauf man Rindenstoff hineinwirft und das Grab
zuschaufelt. Der Mukuma oder König wurde in derselben Weise gewickelt
und dann mit neun lebenden Männern in ein großes Grab gelegt; dieses
aber wurde nicht zugeschüttet, sondern über seiner Öffnung eine Haut
fest mit Pflöcken befestigt und eine Hütte oder ein Grabmal darüber
errichtet. In dieser Hütte mußten der Oberbefehlshaber und die Diener
des Königs das Grab bewachen. -- Die Masai, Suk und Turkena erheben
bei eingetretenem Todesfall ein Wehklagen und tragen die Leiche darauf
in den Busch, wo sie sie einfach mit dem Gesicht gegen Westen, damit
sie den Neumond sehe, hinlegen, zur Freude der Geier und Hyänen. Die
Nandi, Kikuyu und Lumbwa begraben ebenfalls ihre Häuptlinge, während
sie im übrigen die Leichen im Busch liegen lassen. Die Kamasia legen
für ihre Häuptlinge im Viehkral das Grab an und pflanzen Sträucher
darauf, alle anderen Leichen aber bringen sie in den Busch und legen
Felle darüber. Die Kavirondo und Baziba begraben einen Häuptling in
sitzender Stellung in seiner Hütte, lassen den Kopf aber aus der Erde
heraussehen. Bei ersteren müssen die Frauen in der Hütte bleiben, bis
das Fleisch vom Kopfe abfault, dann wird auch dieser begraben. Bei
letzteren übernimmt ein bestimmter Wächter diese Pflicht. Nach zwei
Monaten wird auch hier der Kopf unter die Erde geschoben und darauf
ein neuer Häuptling gewählt. Die Wahima brechen ihren Toten, wenn sie
erkaltet sind, die Gelenke und den Hals, wickeln sie in eine Matte und
begraben sie unter einem Dunghaufen im Viehkral. Nach seinem Tode wird
der Name des Verstorbenen nie mehr genannt; war sein Name etwa auch die
Bezeichnung für irgendeinen Gegenstand, so verschwindet dieses Wort
aus der Sprache, und ein neues wird für den betreffenden Gegenstand
geschaffen. Ähnlich verfahren die Masai, die niemals mehr den Namen
eines Verstorbenen in den Mund nehmen.
[Illustration:
Phot. A. C. Hollis.
Abb. 473. Masaikrieger.
Ihre Bewaffnung besteht aus Speer, Schild, Bogen und Pfeilen, ferner
aus einer Keule und einem Schwert.]
Nach einem +Begräbnis+ oder wenigstens nach Ablauf der Trauer pflegt
man einen großen Tanz und ein Biergelage abzuhalten. Die Madi markieren
oft einen Kampf; ein jeder gerät in große Aufregung, und es ist daher
nichts Ungewöhnliches, daß Männer bei Begräbnissen getötet oder zum
mindesten schwer verletzt werden. Bei den Manyema ertönt nach Eintritt
eines Todesfalls ein Signal, auf das hin die Freunde und Verwandten
sehr zahlreich zusammenströmen und die Leiche hinwegbringen. Sie kochen
sie darauf und essen sie zu Hause. Nahe Angehörige wie die Eltern essen
nicht von dem Fleische, wohnen auch nicht der Beerdigung bei. -- Der
Sohn eines Baziba trägt um den Hals ein Band, an dem zwei Stückchen
Holz befestigt sind, die Vater und Mutter vorstellen; stirbt eines von
ihnen, dann wird das betreffende Hölzchen weggeworfen.
Die +Witwen+ des Verstorbenen gehen häufig auf den ältesten Sohn
oder Bruder über; jedoch haben die verschiedenen Stämme vielfach
besondere Sitten. In der Regel dürfen die Witwen erst nach Ablauf einer
bestimmten Trauerzeit wieder heiraten, und auch dann nur mit Zustimmung
ihres Vormundes. Bei den Suaheli ist die Witwe gezwungen, drei Monate
lang sich zurückzuziehen; sie darf während dieser Zeit nicht ausgehen,
wohl aber Besuche ihrer Angehörigen empfangen.
[Illustration:
Aus: R. E. Drake-Brockman, Britisch-Somaliland.