Abb. 474. Somalkrieger.]

Nordostafrika.

Nordostafrika läßt sich geographisch, das heißt seinem landschaftlichen

Charakter nach, in zwei große Gebiete gliedern: in das Hochland und in

die Ebene. Das erstere, eine Anzahl größerer und kleinerer Tafelländer

und Tafelberge mit zahlreichen Bergzacken und turmartigen Erhebungen,

bildet nicht nur im geographischen, sondern auch im politischen Sinne

eine Einheit, das Kaiserreich +Abessinien+, das bereits auf ein hohes

Alter zurückblicken kann. Es wurde schon im vierten Jahrhundert die

Wiege des Christentums im Herzen Afrikas. Leider ist sein alter Ruhm

mehr und mehr verblaßt, und jetzt ist Abessinien nur noch die Karikatur

eines Staatswesens. Südlich von diesem Hochland breitet sich die große

öde und unwirtliche ostafrikanische Steppe aus, ein gleichförmiges

Landschaftsbild, das sich weit nach Süden nach dem eigentlichen

Ostafrika hinein erstreckt. Die das afrikanische Osthorn begrenzenden

Gebiete führen die Bezeichnung +Somalland+.

Die für Nordostafrika in Betracht kommenden +wichtigsten Völker+

sind ganz im Osten, am Golf von Aden und Indischen Ozean, die

+Somal+, nördlich von ihnen an der Küste des Roten Meeres die ihnen

stammverwandten +Danakil+ oder Afar, auf der abessinischen Hochebene

die Stämme der Abessinier und im Süden von ihnen, also im Südwesten,

die +Galla+; ihnen schließen sich die uns schon bekannten +Masai+

an. Alle diese Völker, ebenso die nördlich von ihnen wohnenden

Nubier und Ägypter bezeichnet man als +östliche Hamiten+, die

nordostafrikanischen im besonderen als Äthiopier. Sie unterscheiden

sich deutlich von den Negern Afrikas; ob sie, wie vielfach behauptet

wird, direkt aus Stämmen hervorgegangen sind, die aus Asien

herüberkamen, oder durch Aufpfropfung solcher Einwanderer auf bereits

ansässige Negervölker entstanden sind, bleibt noch zu entscheiden.

Abgesehen hiervon sind die Hamiten heutigestags nicht das einzige

anthropologische Element der nordostafrikanischen Völker, sondern

gleichsam nur die Unterschicht, zu der viel semitisches (arabisches)

Blut hinzugekommen ist. Besonders die Somal haben solches in starkem

Maße aufgenommen, weniger schon die Danakil, und am reinsten dürften

die Galla den ursprünglichen Typus bewahrt haben. Noch bunter aber ist

die Mischung in Abessinien; hier haben sich Ägypter, Griechen, Juden,

Portugiesen, Inder, Araber und Neger zu einem wirklichen Völkerchaos

zusammengeschlossen, den Kern des abessinischen Volkes aber bilden

Semiten. Der eigentliche östliche Hamitentypus ist gekennzeichnet durch

eine ziemlich hohe, grazile Gestalt (im Mittel hundertsiebenundsechzig

Zentimeter), langen, schmalen Schädel, langes, ovales Gesicht mit

feiner, gerader oder leicht gebogener, hervortretender Nase, schlanke

Gliedmaßen, eine braunrötliche bis schokoladefarbige Haut, dunkle Augen

und schwarzes, bald mehr lockiges, bald mehr wolliges Haar.

[Illustration:

Phot. Exclusive News Agency.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 226 / 254 题