Abb. 450. Masaimädchen in vollem Schmuck.]

Kommt bei den Suaheli ein Kind mit den Füßen zuerst zur Welt, so

wird der Mwalimu (der mohammedanische Priester) geholt, um Allah zu

bitten, daß er das unheilbringende Kind sterben lasse. Bleibt es trotz

aller Gebete am Leben, so glaubt man, daß Vater oder Mutter sterben

müssen. Wenn dies aber wider Erwarten auch nicht eintrifft, so wird

es eben als Schicksalsfügung hingenommen. Der Mwalimu fertigt auch

allerlei Zaubermittel gegen etwa dem Kinde drohendes Unheil an, eine

mit Koransprüchen beschriebene kleine Rolle oder eine Kette aus bunten

Perlen, Fisch- und Vogelknochen, Holzstückchen, Pflanzenkernen und so

weiter, die abwechselnd die Mutter als Diadem auf dem Kopfe und das

Kind um den Hals gehängt trägt.

Die +Namengebung+ erfolgt bei den meisten ostafrikanischen Stämmen

schon am Tage der Geburt, seltener erst später, zum Beispiel wenn das

Kind Zähne bekommen hat. Dieser ursprüngliche Name wird häufig später

gegen einen anderen vertauscht. Die Namen, die die Kinder erhalten,

sind manchmal recht drollig. So zum Beispiel hießen die eingeborenen

Träger Weules „Zweipfennig“, „der lange Mann mit dem flachen Käppchen“,

„Berg“, „Boot“, „das Dampfboot“, „Ratte“, „Käfer“, „Nashorn“ und so

weiter; allerdings waren dies Namen, die die Leute erst mit Eintritt

der Pubertät bei der Beschneidung erhalten hatten.

[Illustration:

Phot. Dr. Kumm.

Abb. 451. Künstliche Verunstaltung der Lippen bei den Sara,

die bei ihnen als besonders schön gilt. Die Lippen werden durchbohrt

und die Öffnungen allmählich durch die Verwendung immer größerer

Holzscheibchen erweitert.]

Vielfach wird die Brustdrüse durch bestimmte Verunstaltungen zu einem

Nachlassen und schließlich zum Aufhören der Milchabsonderung gebracht.

Die Frauen pflegen um den Oberkörper eine aus Baumbast gedrehte dicke

Schnur zu tragen, die, vorn über die herabhängenden Brüste gelegt,

diese fest abschnürt und so die Blutzufuhr zum Drüsengewebe verhindert.

Bei den Masaiweibern üben gewundene schwere Drahtgeflechte, die auf die

Brüste gedrückt werden, eine ähnliche Wirkung auf diese aus.

Die Mutter +nährt+ ihre Kinder für gewöhnlich wohl selbst, aber bereits

nach wenigen Tagen pflegt sie als Beikost noch Milch oder Mehlbrei zu

verabreichen, die sie ihnen, da sie noch nicht selbst schlucken können,

in den Mund stopft (Abb. 468). Da die Beschäftigung der Negerfrauen

meistens im Freien stattfindet, so nehmen sie ihre Kleinen stets mit

sich aufs Feld. Sie setzen sie auf den Rücken, ziehen ihr oberes

baumwollenes Gewand fest um sich und das Kindchen und knoten die

Enden über der Brust. In diesem engen Behältnis, flach wie ein Frosch

an den Rücken der Mutter gedrückt, mit seitwärts gewandtem Gesicht,

müssen diese armen Würmer stundenlang in der Tropenhitze ausharren,

während die Mutter hackt und jätet; sie machen, unter anderem beim

Maisstampfen, in dieser Lage alle Bewegungen der Mutter, wie auf einem

schlingernden Schiffe, mit, natürlich auch beim Tanz, zu dem das Kind

gleich vom ersten Tage an mitgebracht wird. Wiegt die Mutter sich im

Reigentanz, so macht das Kindchen auf dem Rücken alle Bewegungen mit

und lernt ganz von selbst frühzeitig das Gleichgewicht halten, so daß

es, sobald es auf eigenen Füßen zu stehen vermag, auch das Tanzen

sehr bald erlernt. Viele Stämme, die nackend einhergehen, tragen eine

„Felltasche für alles“ bei sich, und in dieser wird das Kind ebenfalls

auf dem Rücken der Weiber mitgeschleppt.

[Illustration:

Aus „Kolonie und Heimat“.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 213 / 254 题