Die Behandlung von +Zwillingen+ ist eine ganz verschiedene. Viele
Stämme empfinden solche Geburt als ein Unglück oder wenigstens als
ein Hindernis bei der Arbeit der Frau, die dann zwei Würmer mit
sich schleppen müßte, und töten daher entweder beide oder einen der
Zwillinge. Im letzteren Falle legt die Wanjamwesimutter nach der
Fortnahme des einen Zwillings eine mit Fell umwickelte Kalabasse
neben das überlebende Kind und reicht dieser Puppe ebenso wie dem ihr
verbliebenen Kinde die Nahrung. In der Landschaft Mkulwe fürchtet
man, daß infolge der Geburt von Zwillingen allen Verwandten der Bauch
anschwellen werde, und wendet daher sofort Vorbeugungsmittel an.
Ein Zauberdoktor mischt eine Medizin unter die Speise und läßt alle
Angehörigen davon essen. Sodann kommt ein entfernt wohnender Verwandter
und bestreicht seine Stirn mit der gleichen Medizin, die einige Zeit
vor der Hütte der Zwillingsmutter in einem irdenen Topfe zwischen drei
Pflöcken gestanden haben muß. Andere Stämme pflegen sich über Zwillinge
zwar auch nicht zu freuen, lassen aber doch beide am Leben. Die Yao
kleiden sie dann ganz gleich, weil eine Verletzung dieser Sitte den Tod
des einen zur Folge haben würde. In Kiziba erhalten sie zwei gleiche
viereckige Amulette um den Hals gehängt; stirbt einer der Zwillinge,
dann geht sein Amulett auf den anderen über, der es sich zu seinem
eigenen umhängen und fortan aus zwei Flaschen trinken, aus zwei Pfeifen
rauchen muß und anderes mehr. Bei noch anderen Stämmen werden Zwillinge
aber mit uneingeschränkter Freude begrüßt und ihre Geburt ganz
besonders gefeiert; es geht dabei noch festlicher zu als bei der Geburt
nur eines Kindes. -- Auch +mißgestaltete Kinder+ und solche, die in
abnormer Stellung (zum Beispiel mit den Füßen voraus) zur Welt gekommen
sind, ferner Albinos fallen verschiedentlich dem Tode anheim. Bei den
Kikuyu mußte die Mutter noch an demselben Tage ihr Kindchen in den
Wald tragen, es dort in einer seichten Grube mit Holzasche bedecken und
den Hyänen zum Fraß überlassen. In Useguha dreht die Geburtshelferin
den verkrüppelten Kindern den Hals um und trägt die Leiche in den
Wald, wo sie einen Kochtopf über sie stülpt. Von einzelnen Stämmen
(Usambara, Wakilindi, Suaheli und so weiter) werden auch Kinder, die in
unregelmäßiger Weise zahnen, aus dem Wege geräumt.
[Illustration:
Phot. A. C. Hollis.