Abb. 449. Kikuyumann.]

Die Behandlung von +Zwillingen+ ist eine ganz verschiedene. Viele

Stämme empfinden solche Geburt als ein Unglück oder wenigstens als

ein Hindernis bei der Arbeit der Frau, die dann zwei Würmer mit

sich schleppen müßte, und töten daher entweder beide oder einen der

Zwillinge. Im letzteren Falle legt die Wanjamwesimutter nach der

Fortnahme des einen Zwillings eine mit Fell umwickelte Kalabasse

neben das überlebende Kind und reicht dieser Puppe ebenso wie dem ihr

verbliebenen Kinde die Nahrung. In der Landschaft Mkulwe fürchtet

man, daß infolge der Geburt von Zwillingen allen Verwandten der Bauch

anschwellen werde, und wendet daher sofort Vorbeugungsmittel an.

Ein Zauberdoktor mischt eine Medizin unter die Speise und läßt alle

Angehörigen davon essen. Sodann kommt ein entfernt wohnender Verwandter

und bestreicht seine Stirn mit der gleichen Medizin, die einige Zeit

vor der Hütte der Zwillingsmutter in einem irdenen Topfe zwischen drei

Pflöcken gestanden haben muß. Andere Stämme pflegen sich über Zwillinge

zwar auch nicht zu freuen, lassen aber doch beide am Leben. Die Yao

kleiden sie dann ganz gleich, weil eine Verletzung dieser Sitte den Tod

des einen zur Folge haben würde. In Kiziba erhalten sie zwei gleiche

viereckige Amulette um den Hals gehängt; stirbt einer der Zwillinge,

dann geht sein Amulett auf den anderen über, der es sich zu seinem

eigenen umhängen und fortan aus zwei Flaschen trinken, aus zwei Pfeifen

rauchen muß und anderes mehr. Bei noch anderen Stämmen werden Zwillinge

aber mit uneingeschränkter Freude begrüßt und ihre Geburt ganz

besonders gefeiert; es geht dabei noch festlicher zu als bei der Geburt

nur eines Kindes. -- Auch +mißgestaltete Kinder+ und solche, die in

abnormer Stellung (zum Beispiel mit den Füßen voraus) zur Welt gekommen

sind, ferner Albinos fallen verschiedentlich dem Tode anheim. Bei den

Kikuyu mußte die Mutter noch an demselben Tage ihr Kindchen in den

Wald tragen, es dort in einer seichten Grube mit Holzasche bedecken und

den Hyänen zum Fraß überlassen. In Useguha dreht die Geburtshelferin

den verkrüppelten Kindern den Hals um und trägt die Leiche in den

Wald, wo sie einen Kochtopf über sie stülpt. Von einzelnen Stämmen

(Usambara, Wakilindi, Suaheli und so weiter) werden auch Kinder, die in

unregelmäßiger Weise zahnen, aus dem Wege geräumt.

[Illustration:

Phot. A. C. Hollis.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 212 / 254 题