Abb. 448. Eine Masaifrau

mit reichem eisernen Ohr- und Halsschmuck.]

Die +Geburt+ erfolgt meistens unter Beihilfe einer weisen Frau in der

Hütte; bei einzelnen Stämmen, zum Beispiel den Waganda, darf die Frau

dagegen nur im Freien niederkommen. Der Ehemann muß während dieser Zeit

die Hütte verlassen und darf erst erscheinen, wenn er gerufen wird.

Will die Geburt nicht recht vonstatten gehen, so erhält der Ehegatte

den Auftrag, mit einer Frau oder einem Mädchen den Beischlaf zu

vollziehen; dies hilft dann. Ist das Kind geboren, so pflegt der Vater

es sogleich zu begrüßen und seine Freude auszudrücken. Bei den Makonde

sieht er es erst, wenn es entwöhnt ist; ebenso darf bei den Wagaia der

Ehemann vor diesem Zeitpunkt in der Hütte weder schlafen noch essen.

Bei den Waheia bespeit der Vater das Kind bei seinem ersten Anblick mit

einer heilkräftigen Medizin, die er im Munde gekaut hat, und bewirft

es auch damit. Ebenso bespucken die Masai ihr Neugeborenes, weil dies

ihm Glück bringen soll. Hat ein Masaimann mit einer seiner Frauen

Verkehr gehabt, dann darf er am nächsten Tage keinen Säugling anfassen,

weil dieser sonst dadurch krank werden würde. Die Geburt eines Kindes

wird wohl von allen Stämmen durch Tanz und Gesang sowie durch einen

Festschmaus gefeiert.

[Illustration:

Phot. A. C. Hollis.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 211 / 254 题