Abb. 447. Ein Wandorobbomann

mit großen hölzernen Zylindern in den Ohren.]

Auch an die +Schwangerschaft+ knüpft sich mancherlei Aberglaube. Der

Makonde fertigt seiner Frau, die zum ersten Male guter Hoffnung ist,

unter Gesangbegleitung einer Verwandten ein Amulett aus Rindenstoff

an, das mit Perlen bestickt und der angehenden Mutter um den Hals

gehängt wird. Bei den Wandorobbo muß die Schwangere den Genuß von

gefallenem oder durch Raubtiere geschlagenem Wild vermeiden, ebenso

Honig, in dem sich tote Bienenlarven befinden. Sie darf auch nicht

in die Nähe eines Chamäleons oder einer Schlange kommen, weil dieses

alles der Frucht schaden könnte. Bei den Masai trennen sich die

Ehegatten, sobald sich die junge Frau schwanger fühlt. Während dieser

ganzen Zeit und auch noch ungefähr ein Jahr nach ihrer Niederkunft

darf sie mit keinem Manne geschlechtlichen Verkehr haben; auch muß sie

währenddessen allen Schmuck ablegen, angeblich um dadurch keinem Manne

zu gefallen. Kurz vor der Geburt darf der Ehemann auf keine Reise mehr

gehen, noch in den Krieg ziehen, sondern muß in der Nähe des Krals

sich aufhalten; der Zutritt zur Hütte, wo die Schwangere sich aufhält,

ist ihm jedoch verboten. Will eine Wandorobbofrau einem anderen Kral

einen Besuch abstatten, so muß sie sich vorher ihre Stirn mit weißem

Ton anstreichen, um sich kenntlich zu machen, außerdem auf dem Wege

dorthin sich von einem kleinen Mädchen an der Hand führen lassen; bei

Nichtbefolgung dieser Vorschrift würde sie die Gefahr einer Fehlgeburt

laufen.

[Illustration:

Phot. A. C. Hollis.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 210 / 254 题