Abb. 442. Kikuyumädchen in vollem Schmuck.]

[Illustration:

Phot. The Hon. K. R. Dundas.

Abb. 443. Ein Sukmann mit eigenartigem Kopfputz,

bestehend in einem Sack, der sich nach hinten öffnet und Feuerbohrer,

Perlen, Schnupftabak und andere Sachen in seinem Innern birgt.]

Die große Mehrzahl der Stämme bringt den Geistern, beziehungsweise

den Ahnen Opfer dar, meistens an den Gräbern der letzteren oder

den Wohnstätten der ersteren, die man in große oder auffallende

Bäume, Steine und so weiter verlegt. Die Waganda glauben, daß die

Geister ihrer verstorbenen Könige in die rahmenartigen Gestelle aus

Perlenarbeit eingehen, die sie auf den Gräbern derselben aufbewahren

(Abb. 464). Die späteren Könige statten den Grabstätten ihrer Vorgänger

Besuche ab und bringen ihnen Opfer dar; in früheren Zeiten bestanden

diese sogar in Hunderten von Menschen, die bei solchem Besuch zur

Versöhnung der Geister ihr Leben lassen mußten. Viele Stämme bauen

den Geistern kleine Miniaturhütten und stellen Speise und Opfergaben

für sie hinein (Abb. 462). Die Wagaia setzen in der Nähe ihrer Hütten

Steine in die Erde, opfern an ihnen den Geistern ihrer Vorfahren Ziegen

und schütten deren Blut über sie, während sie das Fleisch verzehren.

Die Waganda opferten früher viele Hunderte von Menschen dem Mayanja und

Kitinda, den Geistern des Leoparden und Krokodils; den Opfern für die

zuletzt genannte Gottheit pflegten sie die Ellenbogen- und Kniegelenke

zu zerbrechen und sie dann entweder ins Wasser zu werfen oder am Ufer

als Fraß für die Krokodile liegen zu lassen. -- Die Suaheli und Waganda

sind die wichtigsten Vertreter des Islams in Ostafrika (Abbild. 465).

[Illustration:

Aus „Kolonie und Heimat“.

Abb. 444. Wagaia beim Bemalen.

Manche Volksstämme, wie die Wagaia, pflegen sich bunt zu bemalen.

Auch für den Tanz und den Kampf geben sich manche Eingeborene einen

tierähnlichen Anstrich, namentlich aber für die Jagd, um sich dadurch

leichter an das Wild heranpirschen zu können; Tierfelle ergänzen dann

noch das Jagdkostüm.]

Mit der Religion der ostafrikanischen Stämme ist allgemein der

+Aberglaube an Zauberei+ (Abbild. 467) so eng verknüpft, daß es

vielfach schwer hält, beides voneinander zu trennen. Man glaubt

allgemein, daß ein Mensch anderen Menschen durch Zauberei Unglück,

Krankheit und selbst den Tod anhexen könne. Daher trägt wohl jeder

Ostafrikaner zum mindesten ein Amulett oder einen Talisman bei sich,

um entweder damit einen Zauber, der ihm zugefügt werden könnte,

zurückzuweisen oder auch einen Vorteil für sich zu erwirken. Gehen zum

Beispiel die Masaifrauen in die benachbarten Ortschaften zum Einkauf,

so schützen sie sich vor Zauberei durch Bestreichen von Stirn und

Backen mit Rindermist oder durch Anlegen einer Schnur um den Hals,

auf der kleine gespaltene Stäbchen aufgereiht sind. Die Masaimänner

tragen ein bestimmtes Amulett, um sich vor dem Zorn ihrer Ehefrauen zu

schützen, wenn sie etwa auf Abwegen gegangen sein sollten. Ihre Weiber

tragen ferner ein anderes Amulett um den Hals, um die Empfängnis zu

fördern, oder eines um die Knöchel, um einer Erkältung der Beine zu

entgehen. Die Lugware binden ein Zaubermittel an ihre Bogen, damit der

Pfeil gerade gehe, die Madi legen ein Stückchen Holz um ihren Hals,

um Erfolg in der Liebe zu haben, und so weiter. Als Amulette werden

alle nur denkbaren Gegenstände verwendet, wie Holzstäbchen, Steine,

Maiskolben, Tierzähne und -krallen, Schlangenhautstückchen, Säckchen,

in die Pflanzenmehle, Holz, Samen oder -- bei den Anhängern des Islams

-- Zettel mit frommen Koransprüchen eingenäht sind, und anderes mehr.

[Illustration:

Phot. H. H. Johnston.

Abb. 445. Sukkrieger.

Ihr Haar ist mit weißem Ton bestrichen und mit Straußenfedern sowie

einem gebogenen Stück Eisen geschmückt. Die Unterlippe trägt einen

Stift.]

Allgemein verbreitet ist auch der +Glaube an den bösen Blick+, der

Menschen und Vieh krank mache. Wer in dem Verdacht steht, mit dieser

Gabe ausgestattet zu sein, darf sich bei den Masai ja nicht in der Nähe

eines Krals sehen lassen, sondern muß zusammen mit seiner Familie in

einem besonderen Kral abseits leben; sollte er es wagen, den fremden

Kral zu betreten, so kann er gewärtig sein, totgeschlagen zu werden.

Erkranken Menschen oder Tiere plötzlich, ohne daß man es sich durch

natürliche Ursachen, wie eine im Kampfe empfangene Wunde, erklären

kann, dann führt man dies auf Hexerei von seiten bösgesinnter Menschen

zurück. Selbst die verhältnismäßig hochstehenden Suaheli glauben fest

daran, ein Mensch könne umgebracht werden, wenn er über ein Horn

schreite, das man ihm auf den Weg gelegt habe, oder wenn ein Zauberbann

über ihn verhängt werde. Man behauptet auch, daß die Hexen für

gewöhnlich Leichen essen und schon darum bestrebt seien, den Tod eines

Menschen herbeizuführen.

[Illustration:

Phot. A. C. Hollis.

Abb. 446. Kikuyufrau.

Man beachte das auf der vorderen Hälfte des Kopfes abrasierte Haar und

die aus Perlen bestehenden, oft wertvollen großen Ohrringe.]

Zum Herausholen von Geständnissen sind gewisse +Torturen+ bei den Masai

üblich. Man schnürt zunächst dem Angeklagten die Sehne eines Bogens

so fest um seinen Vorderarm, daß sie ins Fleisch schneidet. Wird auf

diese Weise nichts erreicht, so geht man zu einem +Gottesurteil+ über.

Zumeist erhält der Angeschuldigte aus einer Schale zu essen, die ein

Gemisch von Mehl und Blut enthält. Bleibt er acht bis zehn Minuten

nach dem Genusse noch am Leben, so wird er für unschuldig angesehen.

Auch die Wagaia kennen solche Gottesurteile. Sie nehmen zum Beispiel

einen kleinen Wassernapf und tun etwas Milch und Medizin hinein; kocht

sein Inhalt über, dann beweist dies die Schuld des Angeklagten. Oder

man läßt ihn trockenes Mehl hinunterschlucken; kann er das nicht,

dann ist man von seiner Schuld überzeugt. Noch sonderbarer ist die

Unschuldsprobe bei den Wasoga: Lehm und Grieß werden in einem Napf

zusammengemischt, und der Angeschuldigte muß dreimal damit beworfen

werden. Bleibt die Masse an ihm kleben, so zeigt dies an, daß er

schuldig ist.

[Illustration:

Phot. Underwood & Underwood. Nach einem Gemälde von F. Seth.

Suaheliweiber aus Sansibar mit ihrem Fetisch,

der ihnen Glück bringen und die bösen Geister vertreiben soll. Die

Masken, die sie als Ersatz für die Gesichtsverhüllung der Muselmaninnen

tragen, sind aus Leder und Perlen auf hölzerner Unterlage angefertigt.]

[Illustration:

Phot. H. H. Johnston.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 209 / 254 题