Abgesehen von denjenigen Stämmen, wo der Islam und das Christentum
bereits Eingang gefunden haben, huldigen die Völker Ostafrikas
+animistischen Anschauungen+, soweit man dies bei der Unnahbarkeit
vieler Stämme in religiösen Dingen hat feststellen können.
Verschiedentlich besteht aber auch der Glaube an einen Gott, ein
allmächtiges Wesen oder einen ebenso beschaffenen Geist, dem manchmal
noch andere Götter untertan sind. So verehren die Masai ein höchstes
Wesen unter dem Namen ’Ng ai als den Schöpfer der Welt, der Erde
und aller Dinge, die sie beherbergt; daneben kennen sie noch seine
erstgeborene Tochter Barsai, die den Menschen Regen bringt, seinen
ältesten Sohn Ol gurugur, der den Menschen durch Blitz und Donner den
Unwillen des ’Ng ai verkündet, und so weiter. Die Wagaia glauben an
zwei Götter; der eine, Awafra, gilt als der oberste der guten Geister,
der andere, Ischischemi, als der oberste der Teufel; die Waganda beten
eine höchste Macht namens Mukasa an, die der Gott des Nyanzasees
ist, daneben Chiwuka und Nanda, die Kriegsgötter, und so weiter. Für
gewöhnlich kümmert man sich um diese Gottheiten wenig; nur in Zeiten
der Gefahr, sei es, daß es sich um ein Naturereignis, wie Dürre oder
Hungersnot, oder um einen Einbruch des Feindes, das Auftreten einer
epidemischen Krankheit oder irgendeine andere Heimsuchung handelt,
nimmt man durch Bitten und Opfer seine Zuflucht zu ihnen.
[Illustration:
Phot. A. C. Hollis.
Abb. 441. Typische Haartracht der Masai.
Die Haare werden dick mit Fett und roter Erde eingeschmiert und in
einen schweineschwanzähnlichen Zopf geflochten. Ein Ziegenfell dient
als Schutz gegen den Regen.]
Aus solchen Anlässen besteigen bei den Kikuyu die Priester einen
heiligen Berg oder betreten einen geweihten Hain und opfern dort ein
Schaf, dessen Fleisch gekocht und von ihnen verzehrt wird, während
sie in das Fett Zweige eintauchen und damit die umstehenden Bäume
bestreichen. Diese heiligen Haine (Kahinga) kommen im Kikuyulande
häufig vor; sie heben sich hier von der sonst baumlosen Ebene auf
Hügeln ab. Kein Mensch darf einen Baum in ihnen niederhauen; bei
Nichtbeachtung dieses Gebotes würden Krankheit und Unglück die Folge
sein. Wo sich kein Hain finden sollte, wird ein großer Baum als
solcher heiliger Ort bestimmt. Die Masaifrauen beten morgens und
abends zu ihrem Gott ’Ng ai; dabei heben sie die Hände, in denen sie
Grasbüschel halten, zum Himmel empor. Bei jedem Gebet opfern sie auch
ein wenig Milch, entweder drücken sie etwas aus ihrer eigenen Brust
heraus oder gießen es aus einer Kalabasse auf die Erde. In schweren
Krankheitsfällen wird von den Masai ein schwarzer Schafbock oder auch
ein schwarzer Ochse geschlachtet und ein Teil seines Blutes als Opfer
auf den Fußboden gegossen.
[Illustration:
Phot. A. C. Hollis.