Abb. 440. Ein eigenartiger Kopfputz der Kavirondo.]

Abgesehen von denjenigen Stämmen, wo der Islam und das Christentum

bereits Eingang gefunden haben, huldigen die Völker Ostafrikas

+animistischen Anschauungen+, soweit man dies bei der Unnahbarkeit

vieler Stämme in religiösen Dingen hat feststellen können.

Verschiedentlich besteht aber auch der Glaube an einen Gott, ein

allmächtiges Wesen oder einen ebenso beschaffenen Geist, dem manchmal

noch andere Götter untertan sind. So verehren die Masai ein höchstes

Wesen unter dem Namen ’Ng ai als den Schöpfer der Welt, der Erde

und aller Dinge, die sie beherbergt; daneben kennen sie noch seine

erstgeborene Tochter Barsai, die den Menschen Regen bringt, seinen

ältesten Sohn Ol gurugur, der den Menschen durch Blitz und Donner den

Unwillen des ’Ng ai verkündet, und so weiter. Die Wagaia glauben an

zwei Götter; der eine, Awafra, gilt als der oberste der guten Geister,

der andere, Ischischemi, als der oberste der Teufel; die Waganda beten

eine höchste Macht namens Mukasa an, die der Gott des Nyanzasees

ist, daneben Chiwuka und Nanda, die Kriegsgötter, und so weiter. Für

gewöhnlich kümmert man sich um diese Gottheiten wenig; nur in Zeiten

der Gefahr, sei es, daß es sich um ein Naturereignis, wie Dürre oder

Hungersnot, oder um einen Einbruch des Feindes, das Auftreten einer

epidemischen Krankheit oder irgendeine andere Heimsuchung handelt,

nimmt man durch Bitten und Opfer seine Zuflucht zu ihnen.

[Illustration:

Phot. A. C. Hollis.

Abb. 441. Typische Haartracht der Masai.

Die Haare werden dick mit Fett und roter Erde eingeschmiert und in

einen schweineschwanzähnlichen Zopf geflochten. Ein Ziegenfell dient

als Schutz gegen den Regen.]

Aus solchen Anlässen besteigen bei den Kikuyu die Priester einen

heiligen Berg oder betreten einen geweihten Hain und opfern dort ein

Schaf, dessen Fleisch gekocht und von ihnen verzehrt wird, während

sie in das Fett Zweige eintauchen und damit die umstehenden Bäume

bestreichen. Diese heiligen Haine (Kahinga) kommen im Kikuyulande

häufig vor; sie heben sich hier von der sonst baumlosen Ebene auf

Hügeln ab. Kein Mensch darf einen Baum in ihnen niederhauen; bei

Nichtbeachtung dieses Gebotes würden Krankheit und Unglück die Folge

sein. Wo sich kein Hain finden sollte, wird ein großer Baum als

solcher heiliger Ort bestimmt. Die Masaifrauen beten morgens und

abends zu ihrem Gott ’Ng ai; dabei heben sie die Hände, in denen sie

Grasbüschel halten, zum Himmel empor. Bei jedem Gebet opfern sie auch

ein wenig Milch, entweder drücken sie etwas aus ihrer eigenen Brust

heraus oder gießen es aus einer Kalabasse auf die Erde. In schweren

Krankheitsfällen wird von den Masai ein schwarzer Schafbock oder auch

ein schwarzer Ochse geschlachtet und ein Teil seines Blutes als Opfer

auf den Fußboden gegossen.

[Illustration:

Phot. A. C. Hollis.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 208 / 254 题