mit dem Ziegenfellskapulier auf dem Rücken. Der Fragesteller muß bei
ihren Aussagen in die Hände klatschen.]
Alle Bantu sind große Anhänger von +Musik+ und +Tanz+ (Abb. 405 und
407). Die Musikinstrumente sind keine musikalischen in unserem Sinne,
insofern sie, mehr für das Taktmäßige der Tänze zugeschnitten, das
rhythmische Element vor dem melodischen betonen. Die Tänze bestehen in
einem taktmäßigen Gestampfe der Füße mit langsamer Vorwärtsbewegung
im Kreise und entsprechenden Bewegungen der oberen Gliedmaßen, unter
eintönigem Lärm des Tamtam, einer primitiven Flöte und des einsaitigen
Musikbogens. Auch Schellen an den Füßen werden zur Steigerung der
musikalischen Wirkung getragen (Abb. 405). Dabei werden die Schilde
oder Stöcke wie Speere im Takt mit den Tanzbewegungen über dem
Kopfe geschwungen. Die gleichmäßigen, kraftvollen und geschmeidigen
Bewegungen der Tanzenden gewähren einen ästhetisch schönen Anblick. Die
Basuto bevorzugen für ihre Tänze die Vollmondnächte und begehen auf
solche Weise das Fest einer guten Ernte. Die Barotse tragen bei ihren
Tänzen Masken (Abb. 407), denen aber keine religiöse Bedeutung zukommt.
-- Bei allen Festlichkeiten spielt der +Biergenuß+ eine große Rolle.
Männer, Frauen und Kinder pflegen dieses Genußmittel, das von dem
weiblichen Geschlecht aus dem Kaffernkorn hergestellt wird (Abb. 387),
oft in großen Mengen zu sich zu nehmen; wenn dann der Alkohol die Sinne
benebelt hat, arten diese Tänze nicht selten in wilde Orgien aus.
Die +Geburt+ eines Sohnes wird von den südafrikanischen Bantu nicht
so freudig wie die eines Mädchens begrüßt, wohl weil letzteres als
zukünftige Arbeitskraft einen wertvolleren Familienzuwachs bedeutet.
Der Vater hält sich während der Entbindung außerhalb der Hütte auf.
Die Boten, die ihm die Nachricht melden, prügeln ihn durch, wenn das
Neugeborene ein Knabe ist an Stelle des sehnlich erwünschten Mädchens,
begießen ihn aber mit Wasser, wenn sein Wunsch nach einer Tochter in
Erfüllung gegangen ist, damit ihm die übergroße Freude nicht schade.
Das +Neugeborene+ wird vielfach nicht gebadet, sondern am ganzen Körper
mit Fett oder Öl abgerieben; bei den Awenda bekommt es Salz in den
Mund gesteckt. Der Vater macht sogleich den Nachbarn von dem freudigen
Ereignis Mitteilung mit den Worten „Wa-kanando“, das heißt „er ist für
die Hacke“, womit er einen Sohn, oder „Wa-mpero“, das heißt „sie ist
für die Mühle“, womit er eine Tochter bezeichnen will. Darauf kommen
die Freundinnen der Frau und begrüßen sie mit „Samalale mukwai“,
das heißt Glückwünsche. -- Sehr besorgt ist man, böse Einflüsse von
dem Kinde fernzuhalten. So stecken die Kaffern es mehrere Wochen
lang täglich in den beißenden Rauch von schwelenden wohlriechenden
Hölzern, um dadurch die Hexen zu verscheuchen, andere Stämme graben
es bis an den Hals in die Erde ein. Sie legen dem Neugeborenen als
gesundheitfördernd ein Amulett aus Ziegenriemen um den Hals und
später ein solches aus dem Schweife eines Rindes. Kann das Kind auf
allen vieren umherkriechen, dann schlachtet der Vater eine Ziege und
befestigt deren Gallenblase um das Handgelenk des Kindes. -- Wird eine
Basutofrau zum erstenmal Mutter, dann legt sie ihren bisherigen Namen
ab und nennt sich „Mutter des X“, nämlich ihres Erstgeborenen. Der Name
des Vaters bleibt meistens von dieser Tatsache unberührt, kann sich
aber auch in dem gleichen Sinne ändern. Spätere Kinder beeinflussen den
Namen der Eltern nicht mehr.
+Zwillinge+ werden im allgemeinen nicht mit Freuden begrüßt,
ebensowenig betrauert, wenn einer von ihnen sterben sollte. Nach dem
Aberglauben der Kaffern besitzt der eine von den Zwillingen die Natur
eines wilden Tieres; er genießt daher auch nicht die Stammesrechte,
auch wird bei seiner Hochzeit nicht getanzt. Die Basuto töten meistens
den einen Zwilling, andere Stämme sogar beide. Man wirft das dem Tode
geweihte Kind in ein Erdloch, schüttet trockenen Kuhmist darüber und
läßt diesen durch Tiere festtreten, um die Stelle unkenntlich zu
machen; die Zauberer gehen nämlich darauf aus, Kinderleichen wieder
auszugraben, um sie als Medizin zu verwerten. Die Makalaka lassen den
Wahrsager durch Wurfhölzer darüber entscheiden, welcher Zwilling aus
der Welt zu schaffen ist, und setzen diesen in einem Topfe als Beute
für die Hyänen aus. Ganz anders verhalten sich bei der Geburt von
Zwillingen die Herero, die in ihren Gebräuchen, wie wir schon oben
sahen, auch anderweitig von den Bantu abweichen. Von ihnen wird eine
solche Geburt als ein ausnehmend großes Glück betrachtet, weswegen die
Kinder sowohl wie ihr Vater besondere Rechte und Vorzüge genießen.
Besondere Feierlichkeiten und Zeremonien werden unter Beteiligung
aller Dorfbewohner vollzogen und die Eltern für heilig erklärt. --
Die Bantumutter pflegt ihre Kinder stets selbst zu stillen und dies
meistens mehrere Jahre hindurch. Sie trägt sie, in ein Tuch oder ein
Fell eingehüllt, bei ihren Arbeiten immer mit sich herum, entweder auf
dem Rücken oder auf ihrer linken Hüfte reitend.
Die Basuto lassen nach der Geburt eines Kindes den Wahrsager
kommen und durch dessen Zauberwürfel zunächst sein Lebensschicksal
vorausbestimmen, sodann ihm den Kopf bis auf einen kleinen Büschel
rasieren, der auf dem Scheitel stehen bleibt. Als Honorar dafür erhält
er einen Ziegenbock und reichlich Bier. Überall bei den Bantu werden
die Geburt eines Kindes und die damit zusammenhängenden Zeremonien
durch einen Festschmaus gefeiert.
[Illustration: Ein Medizinmann der Swasi,
wie er einen Zauberer „ausriecht“. Diese Leute sind sehr geschickt im
Ausfindigmachen von Übeltätern und im Weissagen.]
[Illustration: Abb. 404. Eine Kaffernhochzeit.]
Bei +Eintritt der Reife+ müssen sowohl Knaben wie Mädchen sich
bestimmten Vorschriften unterziehen. Bei den Kaffern ziehen sich die
Knaben in einem bestimmten Alter für längere Zeit in eine Hütte in der
Wildnis unter Aufsicht eines älteren Mannes zurück, malen sich weiß
an und werden unter gewissen Feierlichkeiten beschnitten. Jeder Knabe
hat die ihm abgeschnittene Vorhaut an irgendeiner Stelle heimlich zu
vergraben, damit niemand mit ihr Sympathiezauber treiben kann. Sie
haben sich auch gewissen Peinigungen zu unterziehen, so zum Beispiel
stellen sie sich in einer Reihe auf und erhalten von den älteren
Leuten, die vor ihnen tanzen, unter bestimmten Fragen Rutenschläge
ausgeteilt, gegen die sie sich mit Sandalen, die sie in den Händen
halten, zu schützen suchen, wenn auch nur in beschränktem Maße, so daß
sie manche Wunde davontragen. Haben sie diese und andere Mutproben
bestanden, dann gelten sie für Männer, und dies nicht nur in den
Augen ihrer männlichen Genossen, sondern auch in denen der jungen
Mädchen, die ohne einen solchen Beweis ihrer Tapferkeit keinen von
ihnen ehelichen würden. Zum Zeichen, daß sie nun Männer geworden und
der Obhut ihrer Mütter entwachsen sind, empfangen die Jünglinge diese,
wenn sie sie abholen wollen, mit Stockschlägen. -- Bei den Basuto
findet eine ähnliche Absonderung der Knaben statt; der Platz, auf dem
sie in Hütten untergebracht werden, wird ängstlich durch Dornengebüsch
vor den Unberufenen behütet. Jeder Jüngling muß eine Beichte über
sich ergehen lassen und wird für jedes Vergehen, das er eingesteht,
mit Ruten gezüchtigt. Darauf hat er aus einem herumgehenden Topfe
eine Zaubermedizin zu trinken, wodurch festgestellt werden soll, ob
er die Wahrheit bekannt hat; wer gelogen hat, empfindet nach ihrem
Genuß furchtbare Schmerzen und kann sogar sterben. Hieran schließt
sich die Beschneidung und die Aufnahme unter die Erwachsenen. Damit
sind aber auch wieder allerlei Peinigungen verbunden; man peitscht die
Knaben, hält sie über Feuer und anderes mehr. Jeder Erwachsene hat
nämlich das Recht, die jungen Leute mit Ruten zu schlagen, was sich
mancher zunutze macht, um sein Mütchen an ihnen zu kühlen; aber auch
gegenseitig dürfen sich die Jünglinge durchpeitschen. Nicht selten
geschieht es, daß ihr Rücken tatsächlich blutig geschlagen wird, und
sogar der eine oder der andere daran stirbt. Wenn später die Mütter
ihre Kinder in Empfang nehmen wollen, sagt man ihnen, die Koma, das
heißt die Mannbarkeitserklärung habe sie gefressen. Natürlich spielt
sich der ganze Vorgang, wie anderwärts, unter großem Trommellärm,
Gesang und Tanz ab, und ein Festessen darf nicht fehlen. Gegen Ende des
ersten Monats erhalten die jungen Leute noch in der Götterlehre und den
Stammesmysterien, sowie in der Verwaltung und Politik, auch im Tanzen
Unterricht.
Die heranwachsenden Mädchen der Bantu haben gleichfalls, bevor sie
als heiratsfähig in den Stamm aufgenommen werden, eine längere
Abschließung und eine strenge Unterweisung über ihre Frauenpflichten
durch eine Matrone durchzumachen. Bei den Betschuanen bemalen sie
sich zum Zeichen dessen mit weißer Farbe und kleiden sich in eine
Art phantastischen Kostüms, indem sie sich die Lenden, den Hals, die
Schultern und selbst den Kopf mit Röhrichtstreifen behängen und sich
dazu noch mit aufgereihten Kürbiskernen schmücken. Einem männlichen
Wesen ist es streng verboten, sich solchen Mädchen, die sich durch
ein eigentümliches Rasseln ihrer Kleidung schon auf weite Entfernung
bemerkbar machen, zu nähern; wer es dennoch tut, muß gewärtigen, mit
Stockhieben von ihnen empfangen zu werden. Von der Matrone werden
die Kandidatinnen in die Geheimnisse des Geschlechtslebens und in
die Pflichten der zukünftigen Hausfrau und Mutter eingeweiht. Nach
Abschluß dieser ihrer Prüfungszeit, während deren sie hier und da
auch besondere Peinigungen durchzumachen haben, legen die Mädchen
ihre Röhrichtkleidung ab und werfen sie auf einen Haufen zusammen,
den sie anzünden und mit lautem Toben und wüstem Singen zusammen mit
ihren Müttern umtanzen. Die Bewegungen dieser Tänze sollen manchmal
recht unanständig sein. Am anderen Morgen reinigen sich die Mädchen,
bemalen sich mit rotem Ocker und Fett und reiben sich Fett und Glimmer
ins Kopfhaar. Dadurch kennzeichnen sie sich als heiratsfähig. -- In
ziemlich ähnlicher Weise spielen sich die Pubertätsfeste bei den
übrigen Stämmen ab. Bei den Makalaka tatauieren ältere Frauen außerdem
die Mädchen; unter großen Schmerzen erhalten sie etwa viertausend
kleine Hautschnitte, in die man darauf eine ätzende, durch Kohlenpulver
geschwärzte Salbe reibt. Bei den Basuto muß ein Mädchen, das ein Kind
geboren hat, bevor es die Komazeremonie durchmachte, ebenso ein Mann,
der, ohne sich ihr unterzogen zu haben, schon ein Kind gezeugt hat,
dies mit dem Tode büßen.
[Illustration:
Phot. Britische Südafrika-Gesellschaft.