Abb. 394. Hererofrau.]

Nach der Geburt eines Kindes wird ein Feuer angezündet, an dem aber

so lange weder gekocht noch gebraten werden darf, bis der Nabelstrang

abgefallen ist, sonst würde dem Kinde ein Unglück begegnen. Der Mann

darf der Niederkunft seiner Frau, die von älteren Frauen unterstützt

wird, nicht beiwohnen. Nach der Geburt wird dem Vater das Kind vor

die Hütte gebracht; man legt es auf die Erde, und er hebt es auf zum

Zeichen, daß er es als das seine anerkennt. Bei der Geburt eines

männlichen Nachkommen herrscht große Freude; sie erhöht die Eltern

in der Achtung der Dorfbewohner. Je nach den Vermögensverhältnissen

schlachtet der Vater zwei bis drei Ochsen und gibt den Nachbarn

ein Fest; bei der Geburt eines Mädchens begnügt er sich mit einer

Ziege. Werden +Zwillinge+ geboren, dann ist die Freude weniger groß,

zumal wenn beide weiblichen Geschlechts sind. Entweder wird der eine

Zwilling in einer verlassenen Tierhöhle ausgesetzt, die man mit

Steinen oder Erde zubaut, oder an einen der nächsten Bäume gehängt, wo

er verhungern muß. -- Das Neugeborene wird nicht gewaschen, sondern

zunächst mit Kuhmist vom Kopf bis zu den Füßen eingerieben, darauf

zum Trocknen in die Sonne gelegt, vom Mist gereinigt und sodann mit

dem Saft einer Pflanze gewaschen, damit es gelenkig und ausdauernd im

Laufen werde. Schließlich wird es, nachdem es noch einmal an der Luft

getrocknet worden ist, mit Schaffett oder Butter eingerieben. -- Die

Hottentottenmütter stillen ihr Kind, lassen es gelegentlich nebenbei

auch einen Zug aus der Tabakspfeife tun.

[Illustration:

Phot. Britische Südafrika-Gesellschaft.

Abb. 395. Angonikrieger im Kriegsschmuck.

Die Angoni, der nördlichste Stamm der Zulu, bewohnen die nördliche

Küste des Tanganjikasees. Sie waren früher unter den Nachbarvölkern

sehr berüchtigt wegen ihrer barbarischen Streifzüge.]

Bis zum Eintritt der +Reife+ gehen die Kinder nackt. Die Mädchen

werden dann mit einem reichverzierten Karoß bekleidet, dessen Tragen

sie fortan als heiratsfähig stempelt. Nach dieser Einkleidung müssen

die Mädchen drei Tage lang in einem von fußhohen Stäben errichteten

Kreis von etwa einem Meter Durchmesser mit untergeschlagenen Beinen

dem Eingang der Hütte gegenüber sitzen, den gespitzten Mund dabei

vorgestreckt halten und mit dem Kopfe herausfordernd nicken. Am

dritten Tage wird eine junge fette Kuh geschlachtet und ein Schmaus

veranstaltet, zu dem der nächste Anverwandte, gewöhnlich ihr ältester

unverheirateter Vetter, mit den Nachbarn sich einfindet. Er stülpt ihr

den Magen des Rindes über den Kopf und wünscht ihr dabei, so fruchtbar

wie eine junge Kuh zu sein und recht viele Kinder zur Welt zu bringen.

Die Freunde und Freundinnen schließen sich diesem Glückwunsche an

und nehmen ebenfalls an dem Schmause teil, der mit Tanz, Gesang und

Bezechtheit infolge allzu reichlichen Genusses von Honigbier endigt.

[Illustration:

Mit Erl. der Mariannhiller Mission, Vertretung Würzburg.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 194 / 254 题