Nach der Geburt eines Kindes wird ein Feuer angezündet, an dem aber
so lange weder gekocht noch gebraten werden darf, bis der Nabelstrang
abgefallen ist, sonst würde dem Kinde ein Unglück begegnen. Der Mann
darf der Niederkunft seiner Frau, die von älteren Frauen unterstützt
wird, nicht beiwohnen. Nach der Geburt wird dem Vater das Kind vor
die Hütte gebracht; man legt es auf die Erde, und er hebt es auf zum
Zeichen, daß er es als das seine anerkennt. Bei der Geburt eines
männlichen Nachkommen herrscht große Freude; sie erhöht die Eltern
in der Achtung der Dorfbewohner. Je nach den Vermögensverhältnissen
schlachtet der Vater zwei bis drei Ochsen und gibt den Nachbarn
ein Fest; bei der Geburt eines Mädchens begnügt er sich mit einer
Ziege. Werden +Zwillinge+ geboren, dann ist die Freude weniger groß,
zumal wenn beide weiblichen Geschlechts sind. Entweder wird der eine
Zwilling in einer verlassenen Tierhöhle ausgesetzt, die man mit
Steinen oder Erde zubaut, oder an einen der nächsten Bäume gehängt, wo
er verhungern muß. -- Das Neugeborene wird nicht gewaschen, sondern
zunächst mit Kuhmist vom Kopf bis zu den Füßen eingerieben, darauf
zum Trocknen in die Sonne gelegt, vom Mist gereinigt und sodann mit
dem Saft einer Pflanze gewaschen, damit es gelenkig und ausdauernd im
Laufen werde. Schließlich wird es, nachdem es noch einmal an der Luft
getrocknet worden ist, mit Schaffett oder Butter eingerieben. -- Die
Hottentottenmütter stillen ihr Kind, lassen es gelegentlich nebenbei
auch einen Zug aus der Tabakspfeife tun.
[Illustration:
Phot. Britische Südafrika-Gesellschaft.
Abb. 395. Angonikrieger im Kriegsschmuck.
Die Angoni, der nördlichste Stamm der Zulu, bewohnen die nördliche
Küste des Tanganjikasees. Sie waren früher unter den Nachbarvölkern
sehr berüchtigt wegen ihrer barbarischen Streifzüge.]
Bis zum Eintritt der +Reife+ gehen die Kinder nackt. Die Mädchen
werden dann mit einem reichverzierten Karoß bekleidet, dessen Tragen
sie fortan als heiratsfähig stempelt. Nach dieser Einkleidung müssen
die Mädchen drei Tage lang in einem von fußhohen Stäben errichteten
Kreis von etwa einem Meter Durchmesser mit untergeschlagenen Beinen
dem Eingang der Hütte gegenüber sitzen, den gespitzten Mund dabei
vorgestreckt halten und mit dem Kopfe herausfordernd nicken. Am
dritten Tage wird eine junge fette Kuh geschlachtet und ein Schmaus
veranstaltet, zu dem der nächste Anverwandte, gewöhnlich ihr ältester
unverheirateter Vetter, mit den Nachbarn sich einfindet. Er stülpt ihr
den Magen des Rindes über den Kopf und wünscht ihr dabei, so fruchtbar
wie eine junge Kuh zu sein und recht viele Kinder zur Welt zu bringen.
Die Freunde und Freundinnen schließen sich diesem Glückwunsche an
und nehmen ebenfalls an dem Schmause teil, der mit Tanz, Gesang und
Bezechtheit infolge allzu reichlichen Genusses von Honigbier endigt.
[Illustration:
Mit Erl. der Mariannhiller Mission, Vertretung Würzburg.