Das +Begräbnis+ eines Mohammedaners gestaltet sich im allgemeinen nach
dem gleichen Ritus, wie er für die islamitische Welt vorgeschrieben ist
und von uns bereits geschildert wurde. Sofort nach Bekanntwerden eines
Todesfalles im Dorfe erhebt sich allgemeines Wehklagen. Die Weiber
der ganzen Ortschaft stimmen darin ein; sie zerreißen ihre Kleider,
raufen sich die Haare und stoßen lautes Wehgeschrei aus. Die Beisetzung
erfolgt in möglichster Eile. Männer tragen die Leiche auf einer Bahre
nach dem Friedhof, wobei sie beständig langsam das mohammedanische
Glaubensbekenntnis singen: „Gott ist groß; es gibt keine andere
Gottheit neben Gott; Mohammed ist sein Prophet. Gott begünstige und
erhalte ihn.“ Während man den Toten neben das ausgeschaufelte Grab
legt, murmeln die Teilnehmer sein Lob. Sodann fordert der Kadi den
Geist des Verstorbenen auf, so zu antworten, wie er in Gegenwart des
Allerhöchsten es tun würde. Für ihn antwortet ein Verwandter mit den
Worten: „Er glaubt an einen Gott und an Mohammed, seinen Apostel.“
Nach der Beerdigung weinen die Frauen den ganzen Tag über am Grabe und
besuchen es täglich, bis ein Stein am Kopfende die Stätte kennzeichnet,
wo der Abgeschiedene begraben liegt. -- Das Grab eines „Heiligen“ wird
vom umwohnenden Volke hoch in Ehren gehalten; die Steine darauf geben
Zeugnis von der Verehrung, die der Tote genießt, und sind ein Zeichen
der dargebrachten Gelübde.
[Illustration:
Phot. Bonfils.