Bei der Geburt eines ersten Sohnes steigt der Vater in der Achtung
seiner Mitmenschen und nimmt dann auch einen neuen Namen an. Man kennt
ihn fortan nicht mehr unter seinem bisherigen Namen, sondern nur
noch unter dem seines Sohnes; so heißt er nunmehr, um ein Beispiel
anzuführen, Abu Abdallah, das heißt „Vater des Abdallah“.
Ist der +Knabe ein Jahr+ alt geworden, dann opfert bei den
nomadisierenden Stämmen der Vater ein Schaf oder eine Ziege, teils aus
dankbarer Anerkennung dafür, daß Allah ihn und sein Kind bisher gnädig
beschützt hat, teils aber auch, um sich im voraus von einem etwaigen
Opfer loszukaufen, das Gott von ihm in seinem Sohne fordern könnte.
[Illustration:
Phot. G. Robinson Lees.
Abb. 375. Eine Laubhütte vom gleichnamigen jüdischen Fest.
Sie ist aus Baumzweigen und Palmen auf dem Dach des Hauses errichtet
und mit Getreide behängt.]
Die +Hochzeitsgebräuche+ in Vorderasien sind je nach der Religion, zu
der sich die Brautleute bekennen, ganz verschieden, nur eines ist fast
allen drei Bekenntnissen gemeinsam, das ist die Frage nach der Mitgift,
die eine wichtige Stelle bei den Vorverhandlungen einnimmt.
Die mohammedanischen Bauern gehen sehr jung die Ehe ein und heiraten
wohl alle. Jedes Mädchen weiß daher, daß sie einmal Braut werden wird;
sie bereitet schon beizeiten, sobald sie nähen kann, ein mit der Hand
hergestelltes Gewand für dieses große Ereignis vor. Der Zeitpunkt,
wann sie von ihrem Auserwählten heimgeführt werden wird, steht für
sie jedoch nicht fest; denn die Heirat hängt von den Mitteln des
Mannes, nicht von seinem Alter ab. Arme Männer können es sich nicht
leisten, sich jung zu verheiraten, obgleich unter Umständen für sie
doch Aussicht besteht, daß sie das in der Armut liegende Hindernis
beseitigen können. Wenn sie nämlich eine Schwester haben, so können
sie diese gegen die Schwester eines anderen Mannes austauschen; beide
Hochzeiten finden dann an einem und demselben Tage mit gemeinsamer
Festlichkeit statt. Das wichtigste bei den Heiratsvorschlägen ist, wie
schon hervorgehoben, die Geldsumme, die man für das +Brautgeschenk+
aussetzt. Manchmal verpflichtet sich der Jüngling, der keine genügend
große Summe aufbringen kann und bei seiner Stellung auch nicht zu
sparen vermag, oder der gern die Tochter eines Freundes heiraten
möchte, die indessen für ihn noch zu jung ist, die Brautsumme in
Teilbeträgen zu zahlen; mit dem vierzehnten Lebensjahre des Mädchens
muß in solchen Fällen das Geschäft ganz erledigt sein.
[Illustration:
Phot. Amerikanische Kolonie, Jerusalem.
Abb. 376. Fußwaschung auf dem Hofe der heiligen Grabeskirche zu
Jerusalem.]
[Illustration:
Phot. G. Robinson Lees.