Abb. 348. Sartenfrau mit zwei Töchtern

vor einem Tonofen. Sie hat den typischen Roßhaarschleier

zurückgeschlagen.]

Die Sarten sind große Fatalisten, die dem +Tode+ als dem Willen

Allahs mit Ruhe und Ergebenheit entgegensehen. Unmittelbar nach dem

+Hinscheiden+ beginnt ein lautes Klagen und Weinen der Angehörigen;

Freunde und Bekannte gehen aus und ein, um ihr Beileid zu bezeigen.

Bezahlte Klageweiber sorgen dafür, daß das laute Jammern und Schluchzen

nicht aufhört. Der von gemieteten Weibern gewaschene und in lange

Decken wie ein Wickelkind eingehüllte Tote bleibt nur kurze Zeit im

Hause; er wird vielmehr sehr bald nach der Moschee getragen und schon

innerhalb der ersten zwölf Stunden der Erde übergeben. Wohlhabende

werden auf einer Tragbahre hinausgetragen, die Ärmeren quer über ein

Pferd gelegt, wobei die Leiche am Kopfe und an den Füßen gestützt wird.

Während des feierlichen Zuges, an dem die männlichen Verwandten, der

Mullah, die Totengräber und Bettler teilnehmen, wird vollständiges

Stillschweigen beobachtet; jeder Mann trägt zum Zeichen der Trauer

einen Stock und ein dunkelblaues Taschentuch. Da die Mohammedaner

keine Särge kennen, anderseits aber auch keine Erde auf eine Leiche

geworfen werden darf, so legt man den Toten nicht direkt in die

geschaufelte Grube, sondern in eine Seitennische, die sich neben ihr

in der Tiefe befindet, und schließt diese sogar erst noch mit Schilf

ab, bevor man das Grab zuschüttet. Nach der +Beerdigung+ begeben

sich die Leidtragenden ins Haus zurück und werden hier sämtlich mit

Süßigkeiten, Früchten, Tee und so weiter bewirtet; selbst die vor

dem Hause sich einfindenden zahlreichen Bettler werden dabei nicht

vergessen. Nach Beendigung des schweigsamen Totenmahles werden an

die Verwandten, Freunde und Bettler Stücke Baumwollenzeug, Tücher

und andere Sachen von geringem Wert zum Andenken an den Verstorbenen

verteilt. Drei Tage nach einem Todesfall wird von den Angehörigen nicht

verlangt, daß sie für sich kochen; man trägt ihnen das Erforderliche

von außen zu. Die Männer der Sarten pflegen keine Trauer anzulegen,

die Frauen tragen bei tiefer Trauer schwarze, bei Halbtrauer blaue

Gewänder. -- Auf den Grabhügeln werden nach der Stellung des Toten und

seinen Vermögensverhältnissen einfachere oder kostbarere Denkmäler

errichtet. Die Grabhügel der Ärmeren bleiben meistens ohne Schmuck,

die der Wohlhabenderen dagegen werden mit Ziegeln oder Fliesen belegt

und mit allerlei Verzierungen aus Alabaster versehen. Man setzt auch

mit Inschriften versehene Gedenksteine darauf. Gräber von Leuten, die

sich besonderer Heiligkeit erfreuen, erhalten kleine Tempel (Abb.

353). Von den Verehrern derartiger Heiligen bringen ihnen Hirten

oder Viehbesitzer die Schädel und Hörner von Haustieren, Kaufleute

Stücke Zeug oder Gewänder, Talglichter und Sesamöl zu Nachtlampen dar.

Mitunter hausen bei solchen Gräbern in elenden Erdhütten armselige

Bettler, die ihr Leben kümmerlich durch Almosen der die heiligen Gräber

aufsuchenden Leute fristen; solche Bettler werden oft nach ihrem Tode

ebenfalls für Heilige erklärt.

[Illustration:

Phot. Annette M. B. Meakin.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 176 / 254 题