vor einem Tonofen. Sie hat den typischen Roßhaarschleier
zurückgeschlagen.]
Die Sarten sind große Fatalisten, die dem +Tode+ als dem Willen
Allahs mit Ruhe und Ergebenheit entgegensehen. Unmittelbar nach dem
+Hinscheiden+ beginnt ein lautes Klagen und Weinen der Angehörigen;
Freunde und Bekannte gehen aus und ein, um ihr Beileid zu bezeigen.
Bezahlte Klageweiber sorgen dafür, daß das laute Jammern und Schluchzen
nicht aufhört. Der von gemieteten Weibern gewaschene und in lange
Decken wie ein Wickelkind eingehüllte Tote bleibt nur kurze Zeit im
Hause; er wird vielmehr sehr bald nach der Moschee getragen und schon
innerhalb der ersten zwölf Stunden der Erde übergeben. Wohlhabende
werden auf einer Tragbahre hinausgetragen, die Ärmeren quer über ein
Pferd gelegt, wobei die Leiche am Kopfe und an den Füßen gestützt wird.
Während des feierlichen Zuges, an dem die männlichen Verwandten, der
Mullah, die Totengräber und Bettler teilnehmen, wird vollständiges
Stillschweigen beobachtet; jeder Mann trägt zum Zeichen der Trauer
einen Stock und ein dunkelblaues Taschentuch. Da die Mohammedaner
keine Särge kennen, anderseits aber auch keine Erde auf eine Leiche
geworfen werden darf, so legt man den Toten nicht direkt in die
geschaufelte Grube, sondern in eine Seitennische, die sich neben ihr
in der Tiefe befindet, und schließt diese sogar erst noch mit Schilf
ab, bevor man das Grab zuschüttet. Nach der +Beerdigung+ begeben
sich die Leidtragenden ins Haus zurück und werden hier sämtlich mit
Süßigkeiten, Früchten, Tee und so weiter bewirtet; selbst die vor
dem Hause sich einfindenden zahlreichen Bettler werden dabei nicht
vergessen. Nach Beendigung des schweigsamen Totenmahles werden an
die Verwandten, Freunde und Bettler Stücke Baumwollenzeug, Tücher
und andere Sachen von geringem Wert zum Andenken an den Verstorbenen
verteilt. Drei Tage nach einem Todesfall wird von den Angehörigen nicht
verlangt, daß sie für sich kochen; man trägt ihnen das Erforderliche
von außen zu. Die Männer der Sarten pflegen keine Trauer anzulegen,
die Frauen tragen bei tiefer Trauer schwarze, bei Halbtrauer blaue
Gewänder. -- Auf den Grabhügeln werden nach der Stellung des Toten und
seinen Vermögensverhältnissen einfachere oder kostbarere Denkmäler
errichtet. Die Grabhügel der Ärmeren bleiben meistens ohne Schmuck,
die der Wohlhabenderen dagegen werden mit Ziegeln oder Fliesen belegt
und mit allerlei Verzierungen aus Alabaster versehen. Man setzt auch
mit Inschriften versehene Gedenksteine darauf. Gräber von Leuten, die
sich besonderer Heiligkeit erfreuen, erhalten kleine Tempel (Abb.
353). Von den Verehrern derartiger Heiligen bringen ihnen Hirten
oder Viehbesitzer die Schädel und Hörner von Haustieren, Kaufleute
Stücke Zeug oder Gewänder, Talglichter und Sesamöl zu Nachtlampen dar.
Mitunter hausen bei solchen Gräbern in elenden Erdhütten armselige
Bettler, die ihr Leben kümmerlich durch Almosen der die heiligen Gräber
aufsuchenden Leute fristen; solche Bettler werden oft nach ihrem Tode
ebenfalls für Heilige erklärt.
[Illustration:
Phot. Annette M. B. Meakin.