Ihre Tänze bestehen in Stellungen und Wendungen unter Musikbegleitung.]

Iran.

Iran, ein Hochland, das sich als Bindeglied zwischen

Türkisch-Vorderasien und Indien hinzieht und in fast allen Richtungen

zu der es umgebenden Niederung abfällt, umfaßt die drei Länder Persien,

Afghanistan und Beludschistan. Seine Bewohner (Iranier) sind in der

Hauptsache arischer, also nordeuropäischer Herkunft, haben sich aber

teils mit der vor ihnen ansässigen Urbevölkerung, teils mit später

eingewanderten Mongolen mehr oder weniger vermischt. +Sprachlich+

zerfallen die Iranier in die Perser, Afghanen, Beludschen und Kurden;

alle diese Völker sprechen indogermanische Dialekte.

Der Grundstock der iranischen Bevölkerung gehört der

zentralasiatischen, den Mongolen verwandten Rasse an, die sich durch

kleine Gestalt, dunkle Haut und runden Schädel auszeichnet; man trifft

sie noch in zusammenhängender Masse an vielen Orten an. Augenscheinlich

wurde sie hierhin durch die von Osten her vordringenden langköpfigen

und hellfarbigen Angehörigen der nordeuropäischen (arischen) Rasse,

die sich mit ihr mehr oder minder vermischten, zurückgedrängt.

Ihre Vertreter sind hauptsächlich die Tadschik und die Galtscha.

Bekanntlich hat die gleiche Rasse auch an der Zusammensetzung der

mitteleuropäischen Bevölkerung, vor allem in den Alpenländern bis nach

dem zentralen Hochplateau Frankreichs hin, den Hauptanteil genommen;

französische Autoren haben die Tadschik nicht mit Unrecht als die

„Savoyarden von Kohistan“ bezeichnet.

[Illustration:

Phot. Henri D’Allemagne.

Abb. 318. Islamitischer Perser beim Gebet,

das er fünfmal täglich verrichten muß. Der Muezzin ruft vom Minarett

der Moschee die Zeit dazu aus.]

Unter der iranischen Bevölkerung nehmen die erste Stelle, sowohl ihrer

Zahl als auch ihrer Kultur und weltgeschichtlichen Bedeutung nach,

die +Perser+ ein. Sie sind die allerdings mit mongolischen Elementen

durchsetzten Nachkommen der alten Perser der Geschichte und dürfen als

die verhältnismäßig reinsten Vertreter des arischen Typus angesehen

werden. Ihre äußere Erscheinung ist gekennzeichnet durch hohe Statur,

schönen Wuchs mit schlanken Gliedmaßen, schlichtes dunkles Haar,

dunklen Teint (heller Milchkaffee), länglichen Schädel, ovales Gesicht,

große, hellbraune Augen, edelgeformte, gerade oder leicht gebogene

Nase, dünne Lippen und schmales Kinn. In zweiter Linie kommen die

+Afghanen+ oder Paschtu; auch sie sind Vertreter des indoeuropäischen

Typus mit der Eigentümlichkeit, daß ihr Gesicht einen sozusagen

jüdischen Zug aufweist, nämlich eine kräftig gebogene Nase. Nach der

Volksüberlieferung sollen ihre Vorfahren tatsächlich in Syrien gewohnt

haben, bis Nebukadnezar die Bewohner dieses Landes gefangennahm und

zum Auswandern nötigte; sie wurden zunächst von ihm in Persien und

Medien angesiedelt, drangen dann aber von hier weiter ostwärts bis in

die heutigen Gebiete von Afghanistan vor, wobei sie die eigentlichen

Arier nach Indien vor sich herschoben. Die Afghanen zerfallen in eine

Reihe Stämme, von denen die Durami, Ghilzai, Nasir, Pathan, Khattar

und Kafir die wichtigsten sind. Im wesentlichen betreiben alle das

Kriegshandwerk; mit ihren langen Flinten, Dolchmessern, sowie mit Bogen

und Pfeilen verstehen sie gut umzugehen. Nebenbei aber sind sie auch

Ackerbauer und Viehzüchter.

Die +Beludschen+ oder Biloch, die sich bis nach Indien hinein

verbreiten, lassen in ihrem Äußeren bereits mehr fremdländischen

Einschlag als die beiden genannten Völker erkennen. Die nördlichen

Teile ihres Landes werden vorzugsweise von türkischen, die südlichen

von arabischen Stämmen eingenommen, und nach Südwesten haben sich

schwarze Drawida (die Brahui) vorgeschoben. Die Beludschen sind

umherziehende Nomaden, die aber gleichfalls sehr kriegerisch und durch

ihre räuberischen Einfälle ins persische Grenzgebiet gefürchtet sind.

[Illustration:

Phot. Henri D’Allemagne.

Abb. 319. Persisches Gastmahl,

das mit Teetrinken und Nüsseessen eröffnet wird. Nach zweistündigem

Plaudern wird erst das richtige Mahl vorgesetzt. Man ißt unter

Stillschweigen und sehr rasch. Die Gäste ziehen sich unmittelbar darauf

zurück.]

Ihrem +Glaubensbekenntnis+ nach sind alle Iranier Anhänger der

Lehre Mohammeds; die religiösen Gebräuche (Abb. 318 und 320) und

Festlichkeiten (Abb. 319) sind daher meistens die gleichen wie sonst

in der Welt des Islams. Sie spalten sich aber in zwei sich feindlich

gegenüberstehende große Sekten, in die Sunniten in Afghanistan und

Beludschistan -- auch die Kurden bekennen sich als solche -- und in

die Schiiten in Persien. Die +Sunniten+ oder Traditionisten, die die

große Mehrheit der Mohammedaner in Indien und der Türkei ausmachen,

hängen an der Sunna, einer Sammlung von Überlieferungen über die

Gebräuche und Vorschriften des Islams, die bereits zu Zeiten des

Propheten in Medina entstand, und erklären sie als gleichberechtigt

neben dem Koran, den gesammelten Offenbarungen des Propheten. Unter

diesen orthodoxen Anhängern der Lehre Mohammeds gibt es wieder viele

Abstufungen, von den hochgradigen fanatischen Afghanen (zum Beispiel

im Kabultale) an bis zu den die Sache leichter auffassenden Beludschen

herab, denen es meist genügt, wenn ihr Häuptling für den ganzen Stamm

die Gebete verrichtet. Die +Schiiten+ dagegen erkennen nur den Koran

an und halten Mohammeds Schwiegersohn Ali für den ersten rechtmäßigen

Kalifen und seine Nachkommen, die im Bürgerkriege unterlagen, für

seine wahren Nachfolger. Nach dem Tode des Propheten nämlich wurde

Ali zugunsten seiner Rivalen um das Kalifat dreimal übergangen und

bald darauf meuchlings ermordet. Ebenso fiel sein unglücklicher Sohn

Hussein, der die Rechte des Vaters geltend machen wollte, in der Ebene

von Kerbela am Tigris. Diese Tragödie rief so tiefes Mitgefühl für das

Haus Ali hervor, daß seine Anhänger ihn fortan als den Schutzheiligen

von Persien betrachteten, auf die gleiche Stufe mit Mohammed stellten

und seitdem nicht mehr nach Mekka, sondern nach Kerbela am Tigris

pilgern, wo sich das Grab Husseins und seines Bruders Hassan befindet.

Die Nachkommen Alis vom Vater auf den Sohn, die Imame, werden von den

Schiiten allein als die wahren geistlichen Führer, als die wahren und

unfehlbaren Kalifen angesehen. Die Schiiten erwarten auch noch einen

Messias, den Mahdi, der natürlich auch ein Nachkomme Alis sein wird;

schon mehrfach haben sich Betrüger und Aufrührer für ihn ausgegeben.

Neben den Mohammedanern gibt es in Persien noch Anhänger der

altiranischen Avestalehre oder Zoroasterreligion, die uns schon

bekannten +Parsen+ (Parsis). Sie sind hier allerdings nicht sehr

zahlreich vertreten, da die meisten nach der Zerstörung des Reiches der

Sassaniden nach Indien auswanderten; aber sie bilden doch ein wichtiges

Element im wirtschaftlichen Leben, zumal reiche und gebildete Leute

(Bankiers und Gelehrte) zu ihnen gehören.

Die +Kleidung+ (Abb. 318 u. 320) der Perser besteht in einem

baumwollenen langen, meist reich bestickten Hemd mit weiten Ärmeln,

leinenen Hosen, die um die Hüften mit einer roten oder grünen seidenen

Schnur zusammengehalten werden, einem kragenlosen, kaftanartigen

Überrock aus Baumwolle oder Seide und einem vorn offenen, in seiner

Länge nach der sozialen Stellung des Trägers sehr verschiedenen, häufig

pelzverbrämten Mantel, der mit einem Gürtel geschlossen wird und dessen

Falten die Stelle von Taschen vertreten. Die Frauen (Abb. 321) kleiden

sich in ganz derselben Weise; sie ziehen sich ebenfalls Hosen an, die

bei wohlhabenderen Damen aus einem kostbaren, reich bestickten oder

perlenbesetzten Stoffe (Goldbrokat) angefertigt zu sein pflegen. Auf

der Straße gehen sie mit verhüllten Gesichtern (Abb. 322), wie es der

Koran vorschreibt.

[Illustration:

Phot. Henri D’Allemagne.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 164 / 254 题