Nach einigen Monaten findet sich ein Schamane ein, um die Seele des
Verstorbenen mit Hilfe des Vogels Koori (eines aus Holz geschnitzten,
mit rotem Rehfell überzogenen Vogels von der Gestalt eines Kranichs)
und des Schutzgeistes Butschtschu (einer gleichfalls mit Rehfell
überzogenen geflügelten menschlichen Figur mit krummen Beinen) auf
ihrem Wege ins Jenseits zu begleiten, zu dem sie nicht allein den Weg
kennt, sondern auch die Namen der Orte, die die Seele zu passieren
hat -- es sind achtzehn Stationen -- und die Gefahren, die sich ihr
auf dem Wege entgegenstellen. Der Schamane macht im Geiste bei seiner
Beschwörung alle die furchtbaren Qualen angeblich mit durch und kehrt
nach dem Erwachen aus seinem Dämmerzustand völlig erschöpft auf dem
Vogel Koori und im Gefolge des Geistes Butschtschu wieder heim. Bis der
Schamane ihre Führung übernimmt, hält sich die Seele des Abgeschiedenen
in einem kleinen viereckigen Kissen auf, das man zu diesem Zwecke
anfertigt. Man behandelt dasselbe wie eine lebende Person; man spricht
mit ihm, gibt ihm zu essen und zu trinken und bedeckt es von Zeit zu
Zeit mit den neuen Kleidern des Verstorbenen. Sobald aber die Seele ins
Jenseits hinüber befördert worden ist, wird das Kissen zerrissen und
ins Feuer geworfen. Damit sind alle Beziehungen zu dem Toten für immer
aufgehoben, und die Witwe kann jetzt wieder heiraten.
[Illustration:
Phot. Major P. M. Sykes.
Abb. 317. Persische Tänzer, wie sie sich zu Hochzeiten und anderen
Festlichkeiten einfinden.