Abb. 316. Ein Begräbnis bei den Ostjaken.]

Nach einigen Monaten findet sich ein Schamane ein, um die Seele des

Verstorbenen mit Hilfe des Vogels Koori (eines aus Holz geschnitzten,

mit rotem Rehfell überzogenen Vogels von der Gestalt eines Kranichs)

und des Schutzgeistes Butschtschu (einer gleichfalls mit Rehfell

überzogenen geflügelten menschlichen Figur mit krummen Beinen) auf

ihrem Wege ins Jenseits zu begleiten, zu dem sie nicht allein den Weg

kennt, sondern auch die Namen der Orte, die die Seele zu passieren

hat -- es sind achtzehn Stationen -- und die Gefahren, die sich ihr

auf dem Wege entgegenstellen. Der Schamane macht im Geiste bei seiner

Beschwörung alle die furchtbaren Qualen angeblich mit durch und kehrt

nach dem Erwachen aus seinem Dämmerzustand völlig erschöpft auf dem

Vogel Koori und im Gefolge des Geistes Butschtschu wieder heim. Bis der

Schamane ihre Führung übernimmt, hält sich die Seele des Abgeschiedenen

in einem kleinen viereckigen Kissen auf, das man zu diesem Zwecke

anfertigt. Man behandelt dasselbe wie eine lebende Person; man spricht

mit ihm, gibt ihm zu essen und zu trinken und bedeckt es von Zeit zu

Zeit mit den neuen Kleidern des Verstorbenen. Sobald aber die Seele ins

Jenseits hinüber befördert worden ist, wird das Kissen zerrissen und

ins Feuer geworfen. Damit sind alle Beziehungen zu dem Toten für immer

aufgehoben, und die Witwe kann jetzt wieder heiraten.

[Illustration:

Phot. Major P. M. Sykes.

Abb. 317. Persische Tänzer, wie sie sich zu Hochzeiten und anderen

Festlichkeiten einfinden.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 163 / 254 题