Abb. 308. Jakutenschamane.]

[Illustration:

Aus „Globus“.

Abb. 309. Zeichnung eines jukagirischen Mädchens auf Birkenrinde, um

ihre Liebe zu einem jungen Manne zu bekunden.

Figur +~abcdef~+ stellt eine Hütte vor, die Figuren +~oj~+ einen jungen

Mann, +~kh~+ ein junges Mädchen (durch größere Breite in der Hüfte

+~xz~+ und den Zopf +~tv~+ gekennzeichnet), +~xt~+ und +~zt~+ die

Arme. Die Verbindungslinien ~rs~, ~tu~ und ~r′t′~ sollen andeuten, daß

die beiden Personen sich lieben, die Linie +~ji~+, die bei dem Kopf

der männlichen Figur beginnt und über den der weiblichen hinübergeht,

ebenso die Linie +~hg~+, die in entgegengesetzter Richtung geht,

drücken die Umarmung aus. Also ein Liebesbrief des Inhalts: „Ich liebe

dich mit meiner ganzen Seele.“]

[Illustration: Abb. 310. Idole der Golde.]

Die +Hochzeitszeremonien+ sind bald ziemlich komplizierte, wie bei

den Golde und den Jakuten, bald wieder ganz bescheidene wie bei den

Tschuktschen, Giljaken und Ostjaken. Bei letzteren wird die reich

geschmückte Braut im Schlitten von den Werberinnen abgeholt und nach

der Behausung der Eltern ihres Bräutigams gefahren, wo diese sie

empfangen und von ihr Geschenke, die meistens in Tüchern bestehen,

erhalten; bevor der Schlitten sich in Bewegung setzt, tritt einer

der Jurtenbewohner hervor und verlangt ein Lösegeld. -- Bei den

Tschuktschen wachsen die Kinder, die später als Mann und Weib leben

sollen, schon von früher Jugend an miteinander auf; sobald der

Jüngling imstande ist, sich selbst zu ernähren, tun beide sich als

Ehepaar zusammen. -- Bei den Golde erwartet der Bräutigam im reichen

Jagdkostüm (Abb. 312) seine mit dem Boot eintreffende Zukünftige.

Sobald er ihrer sichtbar wird, springt er schnell in ihr Boot und

kämpft um sie ungefähr eine halbe Stunde lang, bis Friede zwischen den

Parteien geschlossen wird. Hierbei haben wir es offenbar mit einem

Überrest des Brautraubes zu tun. Darauf begibt sich der Bräutigam mit

dem Schwiegervater ins Haus, während die Braut und ihre Mutter mit

ihren nächsten Angehörigen am Strande warten und erst auf eindringliche

Einladung von seiten der Mutter und Schwestern des Bräutigams das Haus

betreten. Hier wird die Braut sogleich auf ihren Ehrenplatz geführt und

sodann in die neue Hausgenossenschaft aufgenommen. Der Vater breitet

einen neuen Teppich auf der Erde aus, läßt das Brautpaar niederknien

und reicht seinem Sohne ein Glas Branntwein, das dieser wieder seiner

Braut darbietet und sodann die Runde unter den Gästen machen läßt.

Hierauf begrüßt die nunmehrige junge Frau den Hausgott und verteilt

Tabak an die Teilnehmer, während diese sie beschenken. Den Schluß

bildet der Hochzeitschmaus, bei dem der Branntwein wiederum eine große

Rolle spielt. Die junge Frau wechselt hierbei ihren Hochzeitstaat mit

einem Arbeitsanzug und geht Wasser holen. Damit erreicht das Fest sein

Ende. -- Sehr zeremoniell geht es bei einer Jakutenhochzeit zu. Hier

erscheint der Bräutigam hoch zu Roß in Begleitung seiner Angehörigen

im Hause der Braut und bringt viel Fleisch für das Hochzeitsmahl mit.

Beim Empfang im Hofe hält ihm der Schwiegervater den Steigbügel.

Während nun alle Gäste sich im Hause versammeln, bleibt der Bräutigam

vorläufig allein draußen, verbeugt sich nach Osten und begrüßt die

aufgehende Sonne, bis er von seinem Vetter mit einer Peitsche ins

Haus hineingetrieben wird. Die Schwiegereltern gehen ihm hier mit

Heiligenbildern entgegen und segnen ihn; gleichzeitig erfaßt sein

eigener Vater ihn von hinten und zwingt ihn, dreimal vor deren Füßen

sich niederzulassen. Darauf wird das Fleisch hineingebracht und vom

Bräutigam ausgewickelt; er selbst nimmt von einem bereits gekochten

Pferdekopf drei Stückchen Fett unter den Augen heraus und wirft sie

ins Feuer. Sodann wird er in die rechte Ecke des Raumes geführt und

muß sich hier mit dem Gesicht nach der Wand zu niedersetzen. In

entsprechender Weise nimmt seine Braut in der linken Ecke Platz. So

verharren beide eine bestimmte Zeit, bis das Festmahl beginnt. Bei

diesem werden ein Ochse und ein Pferd geschlachtet und vor sämtlichen

Gästen gekocht; diese selbst nehmen auf der frisch abgezogenen Haut der

Tiere Platz. Dabei werden Trinksprüche ausgebracht und auf die neue

Verwandtschaft mit den Worten getrunken: „Wir sind jetzt miteinander

verwandt geworden und wollen daher in Freundschaft und Eintracht

leben.“ Die gleiche Szene wiederholt sich an den folgenden Tagen. Die

Weiber werden zur Tafel nicht zugelassen; sie nehmen ihre Mahlzeit

in den Ecken des Zimmers ein. Am vierten Tage endlich besteigen die

fremden Gäste wieder ihre Pferde und machen sich auf den Heimweg;

zuvor aber wird ihnen das übrig gebliebene Fleisch zugesteckt, damit

sie es ihren Angehörigen, die nicht an dem Mahle teilnehmen konnten,

mitbringen.

Einer eigenartigen Erinnerung an den +Brautraub+ begegnen wir bei den

Burjäten. Hier schließt sich die Braut am Hochzeitstage mit ihren

Freundinnen in einer Jurte ein. Diese machen ihre Zöpfe auf und

verflechten sie mit denen der Braut, so daß die Haare aller zusammen

gleichsam ein Ganzes bilden. Aufgabe des hinzukommenden Bräutigams

ist es nun, die Gefährtinnen von seiner Auserkorenen zu trennen und

letztere zu veranlassen, daß sie ihm in sein Haus folgt.

[Illustration:

Phot. Fr. Alexander.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 160 / 254 题