Das +Neugeborene+ wird bei den Jakuten von einer alten Frau vor dem
Läuterungsfeuer mit Wasser, das sie zuvor in den Mund nimmt, besprengt
und gewaschen; darauf schmiert sie es mit frischer Sahne ein. Die
Burjäten reiben das Kind mit schmutzigen Lappen ab und wickeln es in
eine frisch abgezogene Schafhaut ein. Die Ostjaken sowie die Samojeden
stecken das Neugeborene in den Schnee und reiben es damit tüchtig ab.
Darauf legen sie es in eine Art Wiege, einen elliptischen Korb an einem
Hängeband, den die Mutter aus Birkenrinde selbst angefertigt hat. Bei
den Golde muß das Kind dreimal die Wiege wechseln, um zu gedeihen; eine
leere Wiege darf nicht geschaukelt werden. Gestillt werden die Kinder
wohl überall sehr lange; man hat beobachtet, daß fünfjährige Kinder
noch neben den jüngeren Geschwistern die Brust dargereicht erhielten.
Solange das Kind noch nicht sprechen gelernt hat, besteht bei den
Jakuten der Aberglaube, daß es die Fähigkeit besitze, die Sprache der
Tiere, im besonderen der Vögel, sowie des Feuers und der Geister zu
verstehen. Die Burjäten glauben, daß böse Geister die kleinen Kinder
aufessen; daher sind sie bestrebt, alles mögliche zu tun, um jene von
diesen fernzuhalten. Sie beauftragen Schamanen, die Geister aus dem
Hause zu verjagen. Auch geben sie keinem Fremden Zutritt zur Jurte,
weil mit diesem zugleich ein böser Geist eintreten könnte; die Türe
bleibt in solchem Falle beständig geschlossen. Wollen die Angehörigen
in die Jurte, so müssen sie mit einem Schläger an einen Topf, der
draußen hingestellt wird, schlagen; dadurch soll der böse Geist
erschreckt und zur Flucht gezwungen werden. Manchmal ruft auch der
Schamane den guten Geist an, auf daß er das Neugeborene vor dem bösen
beschütze.
Die +Namengebung+ erfolgt zumeist bald nach der Geburt. Die Jakuten
geben dem Knaben erst einen Namen, wenn er sich aufzusetzen beginnt;
einen zweiten erhält er, wenn er den Bogen zu spannen gelernt hat.
Die Mädchen erhalten für gewöhnlich keinen Namen, sie werden entweder
einfach mit „Weib“ oder „Frau“ oder „Tochter des Soundso“ angeredet.
Die Ostjaken benennen ihre Kinder nach irgendeinem zufälligen Merkmal
aus der Umgebung; die Korjäken hängen ein in Haut eingewickeltes
Steinchen an einem Faden zwischen zwei Stäben auf und nennen darauf
eine Reihe Namen; derjenige Name, bei dem der Stein sich bewegt, wird
dem Kinde gegeben. Bei den Golde ändert man den Namen, sobald man
erfährt, daß einer Person, die den gleichen Namen trägt, ein Unglück
zugestoßen ist. -- Wenn bei den Golde ein Weib mehrere Male tote
Kinder zur Welt gebracht hat, dann fertigt der Schamane bei einer
neuen Schwangerschaft ein Säckchen an, in das er die neue Seele des
Kindes legt, und trägt dieses beständig an seinem Gürtel mit sich;
dadurch hofft er das Kind am Leben zu erhalten. -- Die jungen Mädchen
werden bei den Burjäten bis zu ihrem siebenten Lebensjahre auf dem Kopf
rasiert; erst dann läßt man ihr Haar wachsen und ordnet es in Flechten
an.
[Illustration:
Aus: Hawes, Im äußersten Osten.