mit Schneeschuh und Stock auf der Jagd.]
Wenn eine +Schwangere+ bei den Sibiriern merkt, daß ihre schwere Stunde
naht, dann zieht sie sich für einige Zeit in eine besondere Jurte oder
Schneehütte zurück oder begibt sich abseits vom Dorfe ins Dickicht,
um niederzukommen. In dieser Zurückgezogenheit bringt sie nach der
Geburt auch noch einige Wochen (bei den Samojeden bis zu zwei Monaten)
zu; nach Abschluß dieser Zeit unterzieht sie sich einer Läuterung.
Bereits während ihrer Schwangerschaft ist die junge Mutter mancherlei
Verboten unterworfen. Bei den Ostjaken ist es ihr untersagt, sich einem
Manne zu nähern oder über Gegenstände des Haushaltes zu steigen. Ist
ein schwangeres Weib zufällig doch über ein Netz gestiegen, so wird
dieses zerschnitten, dann aber wieder zusammengenäht. Bei den Inuk
muß sie aus einem besonderen Gefäß trinken, darf ihre Nahrung nicht
vor der Hütte zu sich nehmen und mehr dergleichen. Wenn bei den Golde
eine Frau Mutter wird, dann pflegt sie den Schamanen über die Zukunft
ihres Kindes um Rat zu fragen. Sie verschluckt die Regenbogenhaut
eines Bärenauges, damit das Kind ein gutes Aussehen bekomme, sagt dies
aber keinem anderen, sondern behauptet, daß sie das Auge versteckt
habe; denn es würde ihr als Sünde ausgelegt werden, wenn sie sie etwa
gegessen hätte. Nach dem Glauben dieses Volkes leben die menschlichen
Seelen vor ihrer Geburt im Himmel, wo sie in der Gestalt eines kleinen
Vögelchens in einem großen heiligen Baume wohnen. Steigt eine solche
Seele zur Erde hinab, dann bildet sie sich im Leibe der Frau zu einem
Menschen um. Stirbt das Kind innerhalb eines Jahres, dann kehrt
seine Seele wieder zum Himmel zurück, behält aber die Fähigkeit,
zum zweitenmal Mensch zu werden. -- Die +Geburt+ geht meistens
unter Beihilfe einer alten Frau vor sich. Um ihre schwere Stunde zu
erleichtern, muß die Gebärende bei den Ostjaken dieser ihre Sünden
bekennen. Soviel Sünden sie beichtet, so viel Knoten macht die Alte
in einen dünnen Strick. Gleichzeitig aber bekennt der Mann ebenfalls
einer alten Frau, daß er in unerlaubtem Verkehr mit einem fremden
Weibe gestanden oder daß er, was gar nicht so selten ist, Sodomiterei
getrieben habe. Auch diese bindet für jedes Vergehen einen Knoten
in einen Strick. Darauf werden beide Stricke miteinander verglichen,
die überzähligen Knoten werden abgeschnitten, und der Rest wird der
Kreißenden auf den Unterleib gelegt. Falls die Eheleute keine Sünde
bei dieser Generalbeichte verheimlicht haben, steht der Gebärenden
eine leichte Geburt bevor. +Nach der Niederkunft+ muß die Frau sich
gewissen Reinigungsgebräuchen unterziehen, die in der Hauptsache darin
bestehen, daß sie sich täglich an dem Feuer in ihrer Hütte, in das
sie wohlriechende Stoffe geworfen hat, durchräuchern läßt, auch wohl
darüber hinwegspringt. Der Samojedin ist es zwei Monate lang verboten,
frisches Fleisch zu essen, der Inukfrau sogar ein Jahr lang; auch
darf diese das Fleisch eines durch Herzschuß getöteten Tieres nicht
verzehren. Beim Wiederbetreten der gemeinsamen Wohnung legt sich die
Ostjakin vor dem Eingang auf die Erde, worauf sämtliche Hausbewohner
über sie wegschreiten; die Inukfrau betritt bei dem gleichen Anlaß
das Haus nicht durch die Tür, sondern durch ein Loch in der Wand,
die Tungusin ebenso durch ein Loch in der Decke; alles dieses hängt
offenbar mit der Reinigung der Wöchnerin zusammen.
[Illustration:
Aus: Falkenhorst, Nordpolfahrten.