Der animistischen Denkweise entsprechend werden auch +Tiere als
höhere Wesen+ behandelt; man verehrt sie hauptsächlich aus Furcht,
daß sie sich rächen könnten, wenn man sie tötet. Besonders der Bär
und der Walfisch erfreuen sich der größten Achtung. Dem ersten zu
Ehren werden große Feste veranstaltet, an denen schließlich ein Bär
getötet wird. Die Giljaken fangen zu diesem Zwecke ein junges Tier
ein; jedem Dorfe, in dem dasselbe bei dem Transport Aufenthalt nimmt,
widerfährt dadurch ein Glück; wird durch Versehen der Führer etwa
ein Kind vom Bären getötet, so schätzen die Eltern dies als eine
Auszeichnung. In dem Heimatdorfe angekommen, bringen die Giljaken den
Bären in einen besonderen Behälter, wo er längere Zeit gefüttert und
gut gepflegt wird. Zum Festtage strömen die Leute von weit und breit
zusammen; es finden gleichzeitig Hundewettrennen statt. Darauf wird
der Bär, der für die Festlichkeit vorgesehen ist, herumgeführt und
zum heiligen Platze gebracht; hier bindet man ihn an einen Pfahl und
tötet ihn durch Pfeilschüsse unter dem Geschrei und dem Gejubel der
versammelten Menge. Darauf wird er zerlegt und sein Fleisch an die
Zuschauer verteilt; die Veranstalter des Festes müssen sich mit der
Suppe begnügen. Die Knochen des Tieres werden schließlich gesammelt
und in einer besonderen Gruft beigesetzt. Die Ostjaken stimmen vor der
an einem Baume aufgehängten Haut des Bären Bittgesänge an, auf daß das
getötete Tier ihnen ihr Vorgehen vergebe, und erweisen ihm große Ehre,
um seinen Geist zu versöhnen, damit er sich nicht räche. Ein ähnliches
Fest begehen im Anfang des Frühjahrs die Itälmen. Hierbei ist der
Walfisch Gegenstand der Verehrung. Sie schnitzen aus Holz ein solches
Tier von etwa einem halben Meter Länge und zünden vor ihm eine Lampe
an, die die ganze Fangzeit über, also bis zum Herbste brennen muß. Im
nächsten Frühjahr, bevor die Walnetze ausgelegt werden, bringen sie
den hölzernen Walfisch unter Trommelwirbel und allgemeinem Jubel in
eine Erdjurte und schlachten ihm zu Ehren eine Anzahl Hunde. Schamanen
verkünden darauf, daß das Tier ins Wasser entflohen sei.
[Illustration:
Phot. A. Kett.