Samojedenfamilie in Winterkleidung.]

Ihrem +religiösen Bekenntnis+ nach sind die meisten der sibirischen

Völker rechtgläubige Christen, aber in Wirklichkeit huldigen sie

doch noch vielfach ihrer alten heidnischen Religion, dem Schamanismus,

der wieder auf dem Animismus und dem Ahnenkult (Abb. 306) beruht.

Einige Stämme bekennen sich zum Lamaismus, noch andere zum Islam.

Vielfach haben sich die christlichen Gebräuche mit heidnischem

Aberglauben verquickt, so daß daraus eine eigentümliche Form der

offenbarten Religion hervorgegangen ist. Zunächst sind es die Furcht

und Freude zugleich einflößenden Naturgewalten, die für die Sibirier

zum Gegenstand der Verehrung werden, in erster Linie die Sonne, sodann

Blitz, Donner, Regen, Wolken, Feuer, ferner der Wald, auffallend

geformte Steine, Gebirge, Flüsse, Seen, das Meer und so weiter. Ihnen

bringen sie Opfer in Gestalt von Fleisch, Blut, Fett, Häuten, Fellen

und Schmucksachen dar. So werfen die Itälmen die Nase der Pelztiere

ins Feuer, die Jakuten und Tungusen schütten beim Essen von jedem

Gericht einen Löffel voll hinein, die Samojeden legen Felle, Perlen

und Schmucksachen an den Fuß gewisser Bäume, bestreichen Steine mit

Blut und Fett, die Ostjaken behängen Bäume mit Pferde- und Rinderhäuten

oder Pelzwerk, die Tungusen gießen beim Überschreiten von Gebirgspässen

einen Schluck Branntwein aus oder hängen Pferdehaare, Felle, Tuchfetzen

an die dort stehenden Bäume oder Steine.

[Illustration:

Phot. Fr. Alexander.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 153 / 254 题