Abb. 299. Tschuktsche mit umgehängtem Tabaksbeutel.]

Die +Kleidung+ der Sibirier ist sehr einfach und der Umwelt angepaßt,

daher auch bei allen Stämmen ziemlich übereinstimmend. Männer und

Weiber kleiden sich ebenfalls gleich. Das Material besteht aus Fellen

oder Leder vom Renntier -- Renntiere sind für die Polarvölker von der

größten Bedeutung; nicht mit Unrecht bezeichnen die Ostjaken sie als

das „lebende Gold“ --, von den großen Wassersäugetieren, von Hunden

und anderen Tieren mehr. Die Golde verstehen sich besonders darauf,

Fischhaut in vorzüglicher Weise zu präparieren und sie zu Gewändern zu

verarbeiten (namentlich die Haut der Lachse); die Haut wird zunächst

getrocknet, sodann mittels hölzerner Hämmer geklopft und zu größeren

Stücken zusammengenäht. Die aus ihr hergestellten Gewänder verziert man

obendrein noch mit schönen Stickereien oder Malereien. -- Die Kleidung

(Abb. 305) setzt sich aus einer kurzen Hose und langen Stiefeln,

einem langen, bis zu den Oberschenkeln reichenden Rock oder Hemd, das

durch einen Ledergurt zusammengehalten wird, einer kapuzenartigen

Kopfbedeckung und Fausthandschuhen zusammen; die Männer tragen im

Sommer Mützen oder Hüte, die Frauen gehen entweder barhäuptig oder

setzen sich ein Häubchen auf. Das Haar lassen sich beide Geschlechter

lang wachsen, nur einige wenige Stämme schneiden es sich ab; die

mongolischen Völker tragen es nach Chinesenart. Die Frauen flechten

das Kopfhaar gewöhnlich in zwei Zöpfe und bringen daran allerlei

Zierat, wie Münzen, Perlen, Korallen, Bernsteinstücke und dergleichen,

an.

Die +Tatauierung+, die früher allgemein verbreitet war, ist neuerdings

mehr in Abnahme gekommen; doch schmückt besonders das weibliche

Geschlecht sich auch jetzt noch gern damit. Die Muster werden entweder

mittels der sonst üblichen Methode des Stechens hervorgebracht oder

mittels der des Nähens; bei diesem Verfahren zieht man durch die

Haut einen mit Ruß oder Kohle geschwärzten Faden. Die eingestochenen

Zeichnungen bestehen zumeist in einfachen Mustern, wie Kreisen,

Halbkreisen oder Doppellinien, seltener in komplizierteren Mustern

oder Tieren und Blumen. +Bemalen+ des Körpers, sowie +Durchbohren+

der Nasenscheidewand, der Unterlippe und der Ohren und Hineinstecken

von allerlei Zierat, im besonderen von Knochenstiften, kommen auch

verschiedentlich vor.

Die +Lebensweise+ der Nordvölker Asiens ist im allgemeinen eine

nomadisierende (siehe Kunstbeilage). Wenngleich einige Stämme, die

vorzugsweise dem Fang der Fische und Seetiere obliegen, eine gewisse

Seßhaftigkeit bekunden, so verlegen sie von Zeit zu Zeit doch ihren

Wohnsitz an einen anderen Ort. Die Unwirtlichkeit des Klimas zwingt

die Polarvölker, große Strecken umherziehend zurückzulegen; Renntier

(Abb. 297) und Hund (Abb. 301) erleichtern ihnen ihr Fortkommen;

Schlitten und Boot dienen als die hauptsächlichsten Beförderungsmittel.

Die wichtigste +Nahrungsquelle+ bildet die Jagd auf Bären, Wölfe,

Hirsche und kleinere Pelztiere, an den Flüssen der Fischfang und

an der Meeresküste die Jagd auf Seehunde, Walrosse, Walfische,

Seelöwen und andere große Seesäugetiere. Als besondere Delikatesse

gilt mit Zedernnüssen angefüllter und gerösteter Renntiermagen

oder gefülltes Eichhörnchen. Die Mongolenstämme genießen mehr

Schaf- und Pferdefleisch. Natürlich werden auch Pflanzenstoffe den

Speisen beigegeben, im besonderen Zwiebeln, Beeren, Sauerampfer. Von

+Genußmitteln+ kennen die Sibirier Schnaps und Tabak. Die Korjäten und

die ihnen verwandten Stämme stellen aus dem giftigen Fliegenpilz ein

stark berauschendes Getränk her. -- Von den üblichen +Kochmethoden+

verdienen zwei ältere Verfahren der Itälmen und Aleuten Erwähnung,

das Steinkochen (durch Hineinwerfen glühend gemachter Steine in ein

mit Wasser gefülltes Gefäß) und das Rösten des Fleisches zwischen

zwei ausgehöhlten und mittels Lehm zusammengefügten Steinen in der

Feuersglut. Feuer wird allgemein durch Anschlagen von Stahl an Steinen

erzeugt.

Die +Behausung+ der Sibirier ist ihrer Lebensweise und dem Klima

angepaßt. Wo sie schon eine gewisse Seßhaftigkeit erreicht haben, wie

an den Küsten, wohnen sie in Erdhütten oder Schneehäusern; dagegen

leben alle umherziehenden Völker, auch die sonst seßhaften, im Sommer

in leicht gebauten kegelförmigen Zelten aus oben zusammengebundenen

Stangen, die zur kalten Jahreszeit mit mehreren Fellen, zur wärmeren

mit Birkenrinde bedeckt werden. Der +Hausrat+ in diesen urwüchsigen

Wohnungen (Abb. 304) ist sehr bescheiden; er besteht fast nur in

einigen Gefäßen aus Birkenrinde oder Holz, Werkzeugen aus Knochen, Horn

oder Eisen und eisernen Töpfen, die man durch Tauschhandel zu erlangen

sucht, sowie in Ledersäcken. Besondere Fertigkeit bekunden die Männer

in dem Schnitzen von allerlei Geräten aus Bein oder Horn, die Frauen

in der Herstellung von Lederarbeiten und dem Benähen der Gewänder mit

schönen Mustern aus bunten Fellstückchen, Perlen, Renntierhaaren und

Ähnlichem.

Im allgemeinen läßt sich sagen, daß die Lebensweise aller

nordasiatischen Völker teilweise schon durch den Verkehr mit den Russen

beeinflußt ist; dies gilt von ihren Sitten, Gebräuchen und religiösen

Vorstellungen.

[Illustration:

Phot. A. Klett.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 152 / 254 题