Abb. 255. Eingeborener des Aborstammes.]

Die +Toten+ der Naga werden zunächst nicht beerdigt, sondern fünf

bis sechs Tage im Hause behalten, hierauf mittels eines Feuers

tüchtig angeräuchert. Um den Verwesungsgeruch etwas erträglicher zu

machen, zünden die Angehörigen auch vor dem Hause ein Feuer an; hier

bauen sie auch alle Habseligkeiten des Verstorbenen, seine Waffen,

Schmucksachen, Jagdbeute, in früheren Zeiten auch die erbeuteten Köpfe

der Feinde auf. Ist der Räucherung Genüge geschehen, dann wird der

meistens schon in Verwesung übergegangene Leichnam ohne besondere

Feierlichkeit auf den Begräbnisplatz vor dem Dorfe getragen und hier,

mit Flechtwerk und gespaltenen Bambusstangen wie ein Wickelkind fest

eingewickelt, auf einer aus Bambuspfählen aufgebauten Plattform,

dem sogenannten Majan, ausgesetzt, wo er auf seine Auferstehung

warten muß. Über dem Toten wird dann noch ein kleines Strohdach

errichtet und an der Begräbnisstelle sämtliche äußeren Abzeichen des

Verstorbenen aufgehängt. War er ein großer Krieger, dann bilden diese

ausgestellten Gegenstände wegen ihrer großen Anzahl gleichsam ein

kleines Museum; sie werden aber nicht in Natura aufgehängt, sondern in

Miniaturnachahmungen. -- Stirbt ein Krieger eines natürlichen Todes,

dann muß sein nächster männlicher Verwandter mit einem Speere die

Leiche verwunden, damit sie bei ihrem Erscheinen im Jenseits mit dem

gleichen Kriegergruß empfangen werde wie jemand, der im Kampfe fiel.

[Illustration:

Phot. Captain F. M. Bailey.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 139 / 254 题