mit einer Menge Ringe (bis zu fünfzig und mehr) in jedem Ohr, von denen
jeder öfters vier Zoll Durchmesser hat. Beim Tode ihres Gatten legt
die Witwe diesen Ringschmuck bis zur Beendigung der Trauerfeier ab;
manchmal legt sie ihn auch nie wieder an.]
Ein wichtiger Platz im religiösen und sozialen Leben der Santal ist
das +Manjhi Than+ (Abb. 231), ein aufgeworfener Erd- oder Lehmhügel
mit einem auf Holzpfeilern darüber ruhenden Dach aus Lumpen vor dem
Hause des Dorfobersten, des Manjhi, der eine gewichtige Persönlichkeit
in allen öffentlichen Angelegenheiten der Gemeinde ist. Diese einfache
Hütte wird als der Wohnplatz der Ahnen angesehen; ihr Fußboden, der
stets sorgfältig gepflegt wird, weist in der Mitte einen kleinen, rot
angemalten Holzblock auf, der Mittelpfeiler trägt außerdem noch ein
Tongefäß, in das man Wasser für die Geister zum Trinken gießt, aber
nur in der heißen Jahreszeit, da man glaubt, daß sie im Winter nicht
durstig sind. Hier, inmitten der gleichsam die Aufsicht führenden
Geisterschar, beim Manjhi Than, versammeln sich die alten Männer des
Dorfes, um den Spruch des Ojha zu prüfen, wenn jemand im Verdacht der
Hexerei steht oder durch den bösen Blick eine geheimnisvolle Krankheit
unter dem Vieh verbreitet haben soll, und auf Grund dieser Prüfung
wird dann das Urteil über den Übeltäter gefällt. Auch wird hier bei
Streitigkeiten Recht gesprochen sowie der Kaufpreis für die Braut
festgesetzt, und anderes mehr.
Die Santal neigen sehr zu +Festlichkeiten+, die fast das ganze Jahr
hindurch gefeiert werden. Mit besonderer Freude begeht man das
+Sohräfest+. Hier herrscht allgemeine Ungebundenheit, was von den
Leuten mit ihren eigenen Worten deutlich zum Ausdruck gebracht wird:
„Jetzt muß man seine Ohren mit Watte verstopfen, damit man nicht
merkt, was der Nachbar tut oder sagt.“ Denn beim Sohräfest sind alle
Sittengesetze aufgehoben, ein jeder kann tun, was ihm beliebt. Nach
Beendigung des Festes kommen die alten Männer wieder zusammen und
bringen Opfergaben dar, um das schändliche Betragen während desselben
wieder zu sühnen. Einer der wichtigsten Momente beim Sohräfest ist die
Glücksprobe, denn von ihrem Ausfall hängt der Erfolg des ganzen Jahres
ab (Abb. 232). Am Ende der Dorfstraße oder einer schmalen Gasse wird
Reis in einem Kreise auf der Erde ausgebreitet und ein Ei sorgfältig in
die Mitte gelegt. Während nun die Dorfbewohner herumsitzen, wird alles
Vieh aus dem Dorfe gegen den Reishaufen getrieben und darauf geachtet,
wessen Tier das Ei in der Mitte zertritt; seinem Besitzer wird dann für
das ganze Jahr Glück beschert sein.
[Illustration:
Phot. Underwood & Underwood.