Abb. 218. Ein Garoweib

mit einer Menge Ringe (bis zu fünfzig und mehr) in jedem Ohr, von denen

jeder öfters vier Zoll Durchmesser hat. Beim Tode ihres Gatten legt

die Witwe diesen Ringschmuck bis zur Beendigung der Trauerfeier ab;

manchmal legt sie ihn auch nie wieder an.]

Ein wichtiger Platz im religiösen und sozialen Leben der Santal ist

das +Manjhi Than+ (Abb. 231), ein aufgeworfener Erd- oder Lehmhügel

mit einem auf Holzpfeilern darüber ruhenden Dach aus Lumpen vor dem

Hause des Dorfobersten, des Manjhi, der eine gewichtige Persönlichkeit

in allen öffentlichen Angelegenheiten der Gemeinde ist. Diese einfache

Hütte wird als der Wohnplatz der Ahnen angesehen; ihr Fußboden, der

stets sorgfältig gepflegt wird, weist in der Mitte einen kleinen, rot

angemalten Holzblock auf, der Mittelpfeiler trägt außerdem noch ein

Tongefäß, in das man Wasser für die Geister zum Trinken gießt, aber

nur in der heißen Jahreszeit, da man glaubt, daß sie im Winter nicht

durstig sind. Hier, inmitten der gleichsam die Aufsicht führenden

Geisterschar, beim Manjhi Than, versammeln sich die alten Männer des

Dorfes, um den Spruch des Ojha zu prüfen, wenn jemand im Verdacht der

Hexerei steht oder durch den bösen Blick eine geheimnisvolle Krankheit

unter dem Vieh verbreitet haben soll, und auf Grund dieser Prüfung

wird dann das Urteil über den Übeltäter gefällt. Auch wird hier bei

Streitigkeiten Recht gesprochen sowie der Kaufpreis für die Braut

festgesetzt, und anderes mehr.

Die Santal neigen sehr zu +Festlichkeiten+, die fast das ganze Jahr

hindurch gefeiert werden. Mit besonderer Freude begeht man das

+Sohräfest+. Hier herrscht allgemeine Ungebundenheit, was von den

Leuten mit ihren eigenen Worten deutlich zum Ausdruck gebracht wird:

„Jetzt muß man seine Ohren mit Watte verstopfen, damit man nicht

merkt, was der Nachbar tut oder sagt.“ Denn beim Sohräfest sind alle

Sittengesetze aufgehoben, ein jeder kann tun, was ihm beliebt. Nach

Beendigung des Festes kommen die alten Männer wieder zusammen und

bringen Opfergaben dar, um das schändliche Betragen während desselben

wieder zu sühnen. Einer der wichtigsten Momente beim Sohräfest ist die

Glücksprobe, denn von ihrem Ausfall hängt der Erfolg des ganzen Jahres

ab (Abb. 232). Am Ende der Dorfstraße oder einer schmalen Gasse wird

Reis in einem Kreise auf der Erde ausgebreitet und ein Ei sorgfältig in

die Mitte gelegt. Während nun die Dorfbewohner herumsitzen, wird alles

Vieh aus dem Dorfe gegen den Reishaufen getrieben und darauf geachtet,

wessen Tier das Ei in der Mitte zertritt; seinem Besitzer wird dann für

das ganze Jahr Glück beschert sein.

[Illustration:

Phot. Underwood & Underwood.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 130 / 254 题