Abb. 139. Ein religiöser Büßer (Asket)

mit langgewachsenen Nägeln und struppigem, ungepflegtem Haupthaar.]

Fühlt eine Hindufrau ihre +schwere Stunde+ nahen, dann pflegt man

sie allgemein in einer Hütte aus Blättern oder Matten abzusondern;

in ihr muß sie niederkommen und eine geraume Zeit, bei den Adivi des

Telegulandes neunzig Tage lang, für sich allein hausen. Niemand darf

sie inzwischen anrühren, höchstens die Frauen, die ihr bei der Geburt

manchmal beistanden; rührt sie jemand anderes an, dann muß er ebenso

wie die Wöchnerin drei Monate lang außerhalb des Dorfes zubringen.

Der Ehegatte baut sich für gewöhnlich eine kleine Hütte in einiger

Entfernung und wacht über seine Frau, darf sich ihr aber nicht nähern.

Das Essen für sie stellt man in der Nähe ihrer Hütte auf die Erde.

Am vierten Tage nach der Entbindung schüttet eine Frau aus dem Dorfe

Wasser über die Wöchnerin, ohne sie indessen zu berühren, am fünften

Tage bringt man sie an eine neue Stelle, etwas näher der Ortschaft.

Am neunten, fünfzehnten und dreißigsten Tage rückt man die Hütte in

derselben Weise dem Dorfe immer etwas näher und tut dies schließlich

noch einmal in den beiden folgenden Monaten. Am neunzigsten Tage

endlich wäscht ein Waschmann ihr Zeug, worauf die junge Mutter in den

Tempel gebracht und außerdem eine Läuterungszeremonie an ihr zu Hause

vorgenommen wird. Bekommt eine Frau der Bergkota zum ersten Male ein

Kind, dann läßt sich ihr Ehemann Bart- und Kopfhaar lang wachsen,

desgleichen die Fingernägel. Ist das Kind geboren, dann legt er Zweige

von fünf dornigen Pflanzen und einem heiligen Baume, die er durch

Reibung anzündete, in einer Reihe außerhalb einer besonderen Hütte, die

die Frau mit ihrem Kinde von rückwärts zwischen den Zweigen schreitend

betreten muß. Einem Coorgknaben werden sogleich nach seiner Geburt ein

Miniaturpfeil und ein ebensolcher Bogen in die Hände gelegt, wodurch

man ihn als tüchtigen Krieger und Jäger in die Welt einführen will.

[Illustration:

Phot. E. Thurston.

Abb. 140. Ein Koravaweib beim Schicksalverkünden.

Der Wahrsageapparat besteht aus einem Korb, einer Getreideschaufel,

einem Stock und einem geflochtenen Tablett mit Kaurimuscheln. Die Hand

des Kunden ist über die Getreideschaufel gelegt. Die Wahrsagerin singt

und berührt dabei die Hand mit dem Stock.]

[Illustration:

Phot. E. Thurston.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 100 / 254 题