mit bemaltem Gesicht und falschem, mähnenähnlichem Haar. Er trägt lange
Eisenstäbe, eine Glocke und Abbildungen von Gottheiten und hat einen
Rosenkranz um den Hals.]
Das ganze Leben der Hindu von der Wiege bis zum Grabe wird von
abergläubischen Vorstellungen beherrscht. Schon vor der +Geburt+ werden
an der Schwangeren zeremonielle Handlungen vorgenommen, die darauf
zurückgehen. Bei den Tiyan Malabars zum Beispiel werden Mitglieder
der Waschmännerkaste und Teufelstänzer geholt, um zur Besänftigung
der bösen Geister, die die angehende Mutter und ihr Kind belästigen
könnten, umfangreiche heilige Handlungen auszuführen. So wird unter
anderem im Verlaufe derselben ein Muster auf die Erde unter einem
Bananengestänge gezeichnet; die Frau muß um dieses herumgehen und
einen brennenden Docht hineinwerfen. Musik und Tanz begleiten diese
Zeremonie bis in die Nacht hinein, und zum Schluß des Ganzen wird ein
Huhn, manchmal ein bereits geköpftes, der Frau an die Stirn gehalten,
und Reis über sie ausgeschüttet. Die Nayar Malabars pressen aus den
Blättern eines Tamarindenbaumes den Saft aus und kochen ihn mit Reis;
der Bruder der Schwangeren schüttet davon etwas auf einer Messerklinge
ihr in den Mund. Von den Bergbagaba wird an der Schwangeren im
siebenten Monat ihrer ersten Schwangerschaft eine Zeremonie vollzogen,
bei welcher der Ehekontrakt endgültig dadurch besiegelt wird, daß der
Ehemann in Gegenwart seiner versammelten Freunde seiner Gattin einen
Faden um den Hals wirft. Verfängt er sich in den Haaren -- manchmal
wird, um dies zu erreichen, von ihr in schlauer Weise durch Hinzufügen
falschen Haares die Frisur vergrößert --, dann muß er einige Rupien
Strafe an sie zahlen. Vor dem Paar stehen zwei Schüsseln, in welche die
Verwandten ebenfalls Geldstücke für die jung Verheirateten stiften.
Ein Festschmaus wird am Schlusse veranstaltet. Bei einigen Kasten in
der Tamilgegend werden um die Schwangere im siebenten Monat, während
sie auf dem Hochzeitspodium steht, rotgefärbtes Wasser und Lichter
geschwungen, um den bösen Blick von ihr abzulenken. Sie beugt sich
sodann nieder und legt ihre Hände auf zwei große Töpfe, ihre Schwägerin
oder eine andere Verwandte gießen ihr dabei Milch aus einem Betelblatt
über den Rücken oder zeichnen ihr mit Reismehl ein Muster darauf und
gießen dann erst die Milch darüber. Die Schwester des Ehemanns schmückt
einen Stein in derselben Weise und betet, daß der Frau ein männliches
Kind, ebenso stark wie ein Stein, beschert werden möge.
[Illustration:
Phot. Wiele & Klein.