Abb. 141. Metallene Votivgaben der Hindu.]

[Illustration:

Phot. E. Thurston.

Abb. 142. Ein kinderloses Hinduehepaar bittet vor Lingamsteinen,

die vor dem Elefantengott Ganesha stehen, und vor Steinplatten mit

doppelten Schlangensymbolen um Nachkommenschaft.]

Bei der Zeremonie der +Namensgebung+ unter den Nayar Malabars gibt ein

älteres männliches Familienmitglied dem Kinde einen Mund voll Milch

mit Bananenscheiben und Zucker vermischt zu essen und ruft ihm seinen

Namen dreimal ins Ohr. Die Korava binden dem Kinde, das mit seiner

Mutter auf einer Matte sitzt, einen schwarzen Faden um die Hüfte,

spalten eine Kokosnuß in zwei Teile und reichen der Mutter ein Stück

davon zu essen, dabei geben sie dem Kinde den Namen. Sie bezeichnen

ihre Kinder, ebenso wie einige Oriyakasten, nach den Wochentagen, die

nach den Planeten wieder benannt sind. Die Oriya scheinen den Sonnabend

davon auszuschließen, wohl weil er in ihrer alten Mythologie für einen

Tag übler Vorbedeutung galt. Die Bergkondh töten bei der Namensgebung

einen Hund und waschen die Füße des Kindes. Darauf bindet ein Priester

eine Schnur an eine Sichel, streut Reis darauf und wartet, bis sich

die Sichel bei einem bestimmten Namen, deren eine ganze Reihe genannt

werden, bewegt. Der so gefundene Name wird dem Kinde dann beigelegt.

Überresten der Couvade, des +Männerkindbettes+, begegnen wir noch bei

den Nomadenstämmen der Korava oder Yerukala. Bald nachdem die Frau

entbunden ist, bekümmert man sich ausschließlich um den Mann, der sich

in das Tuch seiner Gattin wickelt und sich auf ihren Platz neben das

neugeborene Kind legt, allerdings nur für wenige Augenblicke, dann

räumt er seiner Frau wieder den Platz ein. Eine ähnliche Sitte wird

noch von einer anderen Gegend berichtet. Bei Eintritt der Geburtsstunde

zieht sich der Ehegatte etwas von dem Zeug seiner Frau an, zeichnet

sich das Mal, das Frauen auf der Stirn zu tragen pflegen, auf seine

Stirn, zieht sich in ein verdunkeltes Zimmer zurück, in dem nur eine

sehr trübe Lampe brennt, legt sich zu Bett und deckt sich mit einem

langen Tuch zu. Sobald das Kind dann geboren ist, wäscht man es und

legt es auf das Lager neben den Vater. Ihm, nicht der Mutter, werden

gleichfalls bestimmte Mittel eingegeben; er darf sein Bett nicht

verlassen und erhält alles Erforderliche gebracht.

[Illustration:

Phot. E. Thurston.

Abb. 143. Figur für die Hakenschwungzeremonie,

die an Stelle eines Menschen, der früher dabei geopfert wurde, heute

durch die Luft geschwungen wird.]

Der +Eintritt der Reife+ bedeutet für ein Mädchen ein wichtiges

Ereignis in seinem Leben. Es muß sich einer zeitweiligen zeremoniellen

Abgeschlossenheit unterziehen, die häufig in einer zu diesem Zwecke

besonders errichteten Hütte vor sich geht. Einige Okkiliyanstämme im

Tamillande schlagen die erste Hütte nach wenigen Tagen wieder zusammen

und errichten eine neue am dritten, fünften und siebenten Tage. Nach

Beendigung der Unreinheit wird die Hütte vielfach von dem Mädchen oder

seinem Onkel angezündet und bis auf die Erde niedergebrannt; die Töpfe,

die das Mädchen benutzte, werden bei den Bergsavara in kleine Stücke

zerschlagen, weil es sonst dem allgemeinen Aberglauben gemäß keine

Nachkommenschaft erhalten würde, falls sich Regenwasser in den etwa

ganz gebliebenen Töpfen ansammeln sollte. Um Teufel zu verscheuchen,

werden Zweige von verschiedenen Bäumen ins Dach der Hütte gesteckt und

ein Stück Eisen zusammen mit Margosablättern, Zweigen vom Strychnosbaum

und der Arkapflanze in sie gelegt. Manchmal wird auch ein Gestell aus

Besenstielen und Stücke von Palmblättern oder ein Bogen hineingelegt

und täglich angebetet. Bei der Pubertätszeremonie eines Tiyanmädchens

Malabars schüttet seine Tante oder eine andere weibliche Verwandte ein

gewisses Öl aus einem becherförmig gebogenen Jackbaumblatte ihm über

den Kopf, auf den vorher eine kleine goldene Münze gelegt wurde, und

fängt das Öl samt der Münze wieder in einer Schüssel auf. Es gilt als

gute Vorbedeutung, wenn das Geld in einer bestimmten Lage in diese

fällt. In ähnlicher Weise leeren Frauen bei einigen Kasten Südkanaras

über das Mädchen, das auf dem Hofe über fünf Kokosnüssen auf einem

Bambusrohrgefäß sitzt, einen Topf aus, der Wasser, Betelnüsse und

Arekanüsse enthält; darauf wird es in einem Nebenhause abgesondert. Die

kanaresischen Kappiliyan stellen, wenn die Zeremonien ihren Abschluß

erreichen, in der Nähe des Hauseinganges etwas für einen Hund zu

fressen hin; dieser wird, wenn er mit der Vertilgung beschäftigt ist,

tüchtig durchgeprügelt; je lauter er heult, desto günstiger stellen

sich die Aussichten einer großen Nachkommenschaft für das Mädchen. Die

Pulluwanmädchen werden am siebenten Tage ihrer Reinigung von sieben

jungen Frauen gesalbt; diese bringen außerdem den Teufeln, durch die

das Mädchen etwa besessen werden könnte, eine Opfergabe in Form eines

aus der Rinde eines Bananenbaums angefertigten Triangels, an dem Stücke

zarter Kokosnuß und kleine Miniaturfackeln hängen, dar. Der Triangel

wird um den Kopf des Mädchens geschwungen und sodann aufs Wasser

gesetzt, damit er fortschwimme.

[Illustration:

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 144. Sühnebrauch bei den niederen Hinduklassen vor ihrer Gottheit

Mariatale.

An Stelle von Menschen, die früher bei den niederen Hinduklassen an

ihren Rückenmuskeln mittels eines eisernen Hakens aufgehängt und

umhergeschwungen wurden, wird dieser Brauch jetzt an einer Figur, Sidi

Viranna genannt, vollzogen.]

Viele interessante +Werbegebräuche+ herrschen noch allenthalben in

Südindien. Öfters ist für die jungen Mädchen bei der Auswahl ihres

Zukünftigen dessen persönlicher Mut ausschlaggebend. Bei einigen

Kallanstämmen zum Beispiel besteht der Brauch, daß beim Mattupongalfest

Bullen, an den Hörnern geschmückt mit Kokosblattgirlanden und Tüchern

der jungen Mädchen, in die Münzen gebunden sind, unter dem Getöse der

Tamtam und anderer Musik, um sie in Angst zu versetzen, losgelassen

werden. Wer von den jungen Burschen einem Mädchen sein Tuch, das

von ihm um das Horn des Tieres gewickelt war, wieder wohlbehalten

zurückbringt, wird von ihm zum Manne genommen. Die Coorgmädchen

verlangen eine Probe physischer Kraft von ihrem zukünftigen Gatten;

er muß sechs Bananenstämme, die aufrecht in der Erde stehen, jeden

einzeln mit einem einzigen Hiebe seines Kriegsmessers umhauen. Bei den

Bergbonda Porja besteht die Sitte, Gruben in den Erdboden zu graben,

in die während der kalten Jahreszeit nachts die Kinder gelegt werden,

damit sie warm bleiben. Im Frühling nun werden die heiratsfähigen

jungen Mädchen des Dorfes in einer dieser Gruben zusammengedrängt,

und ein junger Mann kommt und macht der einen von ihnen einen Antrag;

weist das Mädchen ihn ab, dann macht er bei einer anderen den gleichen

Versuch, bis er sein Ziel erreicht hat. Anderwärts wird auch wieder

der persönliche Mut des jungen Mannes von seinem Mädchen auf die Probe

gestellt; beide begeben sich in den Dschungel und zünden ein Feuer

an; das Mädchen nimmt darauf einen schwelenden Feuerbrand und berührt

damit den Rücken des Jünglings. Schreit er vor Schmerz auf, dann wird

er abgewiesen, wenn aber nicht, dann wird die Ehe sofort geschlossen.

Dem Zufall überlassen die Wahl des Bräutigams die Mädchen bei den

Dschungelnayādi. Wenn ein solches das heiratsfähige Alter erreicht

hat, begibt es sich in eine aus Blättern aufgebaute Hütte, um die die

jungen Männer des Dorfes herumtanzen und singen. Sie sind mit Stöcken

bewaffnet, die sie durch die Hüttenwand hindurchstoßen. Wessen Stock

das junge Mädchen ergreift, der wird ihr Mann.

[Illustration:

Phot. E. Thurston.

Abb. 145. Figuren gegen den bösen Blick.

Geschnitzte Figuren von Tieren und Menschen, die in Malabar gegen den

bösen Blick auf die Häuser gesetzt werden.]

Bei manchen Stämmen herrschte die Sitte, daß der Schwiegersohn in die

Dienste seines zukünftigen Schwiegervaters tritt und sich bei ihm die

Frau gleichsam erarbeitet. Jetzt aber wird diese Dienstleistung schon

durch eine Barzahlung ersetzt.

[Illustration:

Phot. E. Thurston.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 101 / 254 题