In vielen Dörfern an der westlichen Küstengegend von Südkanara, wo
die +Teufelsanbetung+ sehr verbreitet ist, befindet sich ein Bhuta
Sthānam oder Teufelstempel; in manchen Häusern wird auch ein besonderer
Raum oder ein Winkel für den Familienbhuta hergerichtet. In den
Tempeln werden Götzenbilder oder eine Metallplatte, die das Bild eines
menschlichen Wesens trägt, oder auch Figuren von Tigern, Schweinen,
Hähnen und so weiter aufbewahrt; einige Tempel erhalten eine Reihe
Lagerstätten, jede für einen besonderen Bhuta bestimmt, auf denen
bei Gelegenheit einer Versöhnungsfeier der Bhuta Kostbarkeiten und
Weihgeschenke niedergelegt werden. -- Die Teufelstänzer, die in ihrem
bürgerlichen Berufe als Matten-, Korb- und Schirmmacher tätig sind,
gehören der Nalke-, Parawa- und Pompadakaste an (Abb. 120, 122 und
124). Man ruft sie, damit sie an Personen, die von Teufeln besessen
sind, die Teufelaustreibung vornehmen oder damit sie, wenn Götzendienst
in den Tempeln abgehalten wird, eine Maskerade in phantastischen
Verkleidungen, die verschiedene Bhuta vorstellen, aufführen, dabei
tanzen und Lieder singen. Die Vorstellung findet für gewöhnlich des
Nachts statt. Zuerst tritt ein Pujari, ein Priester auf, wirbelt,
mit dem Bhutaschwert und Glocken in den Händen, rings im Kreise
herum und ahmt die mutmaßlichen Mienen und Gesten des Teufels nach.
In Verzückung gerät er aber nicht, das bleibt einem Pompada oder
Nalke (Abb. 124) vorbehalten, der ungefähr eine halbe Stunde später
auf der Bildfläche erscheint. Dieser ist meist nackend bis auf das
Hüftband, hat das Gesicht mit Ocker angemalt und trägt eine Art Bogen
aus Kokosnußblättern, sowie eine Metallmaske. Nachdem er kurze Zeit
langsam auf und ab gegangen ist, arbeitet er sich nach und nach in
einen Zustand hysterischer Raserei hinein, unter beständiger Begleitung
der Tamtame und unter langgezogenem, monotonem Geheule der Zuschauer.
Endlich hält er inne und redet einen jeden seinem Range nach an.
Strittige Angelegenheiten werden sodann dem Bhuta zur Entscheidung
unterbreitet, und seine Entscheidung wird meistens auch angenommen.
Entweder jetzt erst oder schon früher erhält der Teufel etwas zu essen;
auch dem Pompada werden Reis und andere Speisen gereicht. Solche Feste
dauern mehrere Nächte hindurch.
[Illustration:
Phot. Wiele & Klein.