Abb. 120. Parawateufelstänzer

des Tulugebietes in seiner Berufsgewandung mit einem leichtgebauten

Kopfstück, das mit Figuren, Schlangen und so weiter bemalt ist.]

[Illustration:

Phot. Johnston & Hoffmann.

Abb. 121. Religiöser Umzug in Puri.

Einmal im Jahre wird der berühmte Juggernautwagen, der den Gott Vischnu

in Form eines roh geschnitzten Holzklotzes enthält, durch mehrere

tausend Menschen die Straßen von Puri entlanggezogen. Ein Hindu, der

sich von den Rädern überfahren läßt, glaubt dadurch im Jenseits in

eine höhere Kaste zu gelangen, daher kommen jedes Jahr eine Anzahl

Selbstmorde auf diese Weise vor.]

In auffallendem Gegensatze zu den bescheidenen Altären der

Dorfgottheiten und Teufel stehen die prächtigen +Vaishnavite- und

Saivitetempel+, zu deren bekanntesten die von Conjeeveram, Ramesvaram,

Madura, Kumbakonam und Tanjore, der letztere wegen der mächtigen

Steinfigur des heiligen Bullen Nandi (Abb. 126) berühmt, zählen.

Die Tempelausstattung besteht in kunstvoll geschnitzten Wagen auf

Rädern (Abb. 125), die bei Umzügen an Stricken gezogen werden (Abb.

104, 121 u. 128), silbernen Gefährten der Gottheiten, Dēva-Dāsis

oder Tänzerinnen, die ihr Leben dem Tempeldienst geweiht haben, und

Prozessionselefanten (Abb. 127 und 130). Die Städte, in denen sich

die großen Tempel befinden, sind der Brennpunkt des Brahmaismus und

des brahmanischen Priestertums (Abb. 129, 131 und 135) und werden zum

Schauplatze vieler hindostanischer Feste. Das berühmteste von ihnen,

das ungeheure Massen von Pilgern aus ganz Indien herbeizieht (Abb.

133), ist wohl das Mahāmakhafest, das man in Kumbakonam alle zwölf

Jahre feiert. Strenggläubige Inder glauben, daß bei dieser Feier die

heiligen Gewässer des Ganges in den dort befindlichen heiligen Teich

fließen; in ihm baden daher die Pilger. Was Mekka für die Mohammedaner,

Buddha Gaya für die Buddhisten ist, das bedeutet Mahamakha für die

Hindu. Die wichtigsten Götterbilder werden im Zuge getragen und auf

einen Altar am Rande des Teiches hingestellt; darauf wird ein Dreizack,

das Abzeichen des Siva, in das Wasser gesenkt, zum Zeichen dessen, daß

die Zeit zum Baden gekommen ist. Viele Tausende von Pilgern tauchen nun

ihre Köpfe unter die Oberfläche und kommen ganz mit Schlamm bedeckt

wieder heraus (Abb. 134). -- Von anderen religiösen Festen, welche die

Hindu des südlichen Indien feiern, wären zu nennen das Mahāsivaratri

zu Ehren Sivas, das Srijayanti oder der Geburtstag Krischnas, das

Dipāvali oder das Fest der Lichter, das Vischnu -- oder Neujahrsfest,

das Vinayaka Chaturthi oder der Tag der Anbetung der Elefantengöttin

Vinayaka oder Ganēscha (Abb. 137) und das Sarasvati oder Ayudha

Pujafest, bei dem man seinem Arbeitsgerät, der Brahmine seinen Büchern,

der Handwerker seinem Werkzeug, der Fischer seinen Netzen, der Kaufmann

seiner Wagschale und so weiter seine Anbetung darbringt, und das Pongal

(Abb. 136) oder Sonnenfest, bei dem Milchreis und andere Speisen

dargebracht werden.

[Illustration:

Phot. E. Thurston.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 92 / 254 题