Die +Kleidung+ der Drawida ist bei den niederen Klassen immer noch eine
recht spärliche; an der Westküste besteht sie meistens nur in einem
Scham- und einem Kopftuche. Die Weiber einiger Pariastämme, wie der
Koraga, Vettuvan und Thanda Pulayan, tragen in Erinnerung an frühere
Sitten noch Blättergewänder (Abb. 108), die in Form einer Schürze oder
eines Rockes von der Hüfte herabhängen; sie behalten sie bei, weil
sie fürchten, es würde ihnen Unglück bringen, wenn sie diese Kleidung
abschafften. Legt ein Thanda Pulayan dieses aus Riedgrasblättern
angefertigte Kleid an Stelle des Streifens Palmenrinde, den er in
frühester Kindheit trägt, an, dann gibt diese Zeremonie, Thandahochzeit
genannt -- Thanda ist der Name für das Gras -- Anlaß zu einem
Familienfest. -- +Verunstaltungen des Körpers+ als dessen Verschönerung
sind verschiedentlich beliebt, so die Erweiterung des Ohrläppchens,
die ihren höchsten Grad im Tamillande erreicht. Den Kindern werden in
der frühesten Jugend die Ohren durchbohrt und die Löcher allmählich
mit Baumwollpflöcken, später Palmblattrollen, Bleistücken und
Metallscheiben mehr und mehr erweitert, bis sie unter Umständen auf
die Schultern herabreichen (Abb. 111). Unter den Dschungelkadir und
Mala Vedan herrscht die Unsitte des +Zuspitzens der Schneidezähne+
bei beiden Geschlechtern. Ein sehr beliebter Schmuck ist auch das
+Tatauieren+, mit dem sich die Frauen des Koravastammes im Umherziehen
abgeben. Sie zeichnen das Muster mit einem stumpfen, in Zeichentinte
getauchten Stäbchen auf die Haut auf und impfen die Farbe mittels
Nadeln ein; anderwärts geschieht dies mittels der Dornen der Berberitze
oder des Balbulbaumes. Die Bergkoyi legen großes Gewicht auf das
Tatauieren, damit die Seele in der anderen Welt angemessen damit
geschmückt erscheine. Auch bei Krankheiten wird Tatauierung angewendet,
um den Schmerz zu lindern; sehr beliebt ist als Muster hierfür bei
den Kanaresen das Bild des Affengottes Hanuman (Abbild. 110). Um
Kinderkrämpfe oder Koliken zu lindern, schlimme Augen und andere Leiden
zu heilen oder auch nur um eine Krankheit fernzuhalten, werden den
verschiedenen Körperteilen Brandwunden mit einer glühend gemachten
Nadel oder einem Safranstocke, einer Zigarre und anderem mehr zugefügt.
Daher sieht man viele Leute mit mächtig erhöhten Narben einhergehen,
die auf diese Weise entstanden. Die Toda lassen sich Narben einbrennen,
weil sie glauben, daß sie dadurch die Fähigkeit erlangen, in aller Ruhe
Büffel zu melken. -- Bei den Kanibar von Travankore trifft man noch
eine primitive Art des Feueranzündens an (Abb. 109).
Die +Religionen+ Südindiens sind in erster Linie der Brahmaismus,
sodann auch die Lehre Mohammeds und das Christentum. Es würde zu
weit führen, wollten wir die religiösen Übungen und Gebräuche dieser
verschiedenen Bekenntnisse, vor allem der Sekten des Brahmaismus, hier
näher behandeln; wir beschränken uns auf die interessantesten Punkte.
[Illustration:
Phot. Anantha Krishna Iyer.