Die Frau kniet auf die Erde und hebt seinen Fuß bis zu ihrem Kopfe.]

Der +Drawidatypus+ erstreckt sich von Ceylon bis nach den Tälern des

Ganges hin und nimmt ganz Madras, Haiderabad, die zentralen Provinzen,

den größten Teil des mittleren Indien und Chutia Nagpur ein. Da die

Drawida auf der einen Seite mit den Ariern, auf der anderen auch wieder

mit der Urbevölkerung Kreuzungen eingegangen sind, so unterscheidet

sich ihre äußere Erscheinung nicht unbeträchtlich, indessen läßt sich

immerhin ein Durchschnittstypus aufstellen, der gekennzeichnet ist

durch ziemlich mittelgroße Gestalt, schlanke, lange, geschmeidige

Gliedmaßen, tiefdunkle, teils kaffeebraune, teils direkt schwarze

Haut, tiefschwarzes, welliges oder gelocktes Haar, vorwiegend

langen, schmalen Schädel, breites, niederes Gesicht von ovaler Form,

tiefliegende, geradestehende, schwarze Augen, sehr breite, manchmal

an der Wurzel eingedrückte Nase, großen Mund und volle Lippen. -- In

+geistiger Hinsicht+ werden die Drawidahindu als offene, gutmütige,

duldsame, heitere, dabei aber kriegerische, auch selbstsüchtige Leute

geschildert. Als die Arier ums Jahr 2000 vor Christus in Vorderindien

erschienen, standen die Drawida auf einer ziemlich hohen Kulturstufe;

sie besaßen beträchtliche Fertigkeit in der Ausübung des Handwerks

und der Künste, trieben Ackerbau, Handel und Schifffahrt und hatten

sich sogar zu einigen selbständigen Staaten zusammengeschlossen. Ihre

Religion war der Brahmaismus, der noch barbarische Gebräuche, sogar die

Menschenopfer kannte; mit diesen hat die europäische Kultur ziemlich

aufgeräumt. So feierten die Bergkhond ein Fest, Meriah genannt, bei

dem geweihte, gekaufte oder geraubte menschliche Opfer der Göttin der

Erde dargebracht wurden (Abb. 106), um dadurch eine gute Ernte zu

erzielen; heute werden Büffel, Affen, Schafe oder Ziegen an Stelle von

Menschen geopfert. Bevor sich ehemals die umherziehenden Lambadi auf

eine Reise begaben, pflegten sie ein kleines Kind in die Erde bis zum

Hals einzugraben und die Gepäckbullen darüber zu treiben, um Erfolg

zu haben; heute treibt man in der gleichen Absicht das Vieh über ein

lebendig begrabenes Huhn oder eine Ziege. +Kindsmord+ war in früheren

Zeiten Stammesbrauch bei den Khond; besonders Mädchen pflegte man

bei den Bergtoda durch Ersticken ins Jenseits zu befördern. In der

Mitte des vorigen Jahrhunderts gab es ganze Dörfer, in denen nicht

ein einziges weibliches Kind vorhanden war. Bei der Vakkaligakaste

in Mysore war es Sitte, daß bestimmte Frauen sich, wenn ihnen ein

Enkelkind geboren wurde, einige Finger abhauen ließen; sie bezogen

sich dabei auf eine Überlieferung, wonach der Gott Siwa befohlen habe,

daß in seinem Tempel andauernd zwei Finger geopfert werden müßten.

Gegenwärtig wird dieser Brauch vielfach dadurch umgangen, daß man sich

Gold- oder Silberstücke mittels Mehlkleisters an die Fingerspitzen

klebt oder sich Blumen darum bindet und diese scheinbar abschneiden

oder abreißen läßt. -- Eigenartig sind die Grußformen der Toda; die

niedriger stehende Person fällt vor der höher stehenden auf die Knie

und hebt deren Fuß zu ihrem Gesicht empor (Abb. 105 und 107).

[Illustration:

Phot. E. Thurston.

Abb. 106. Meriah-Opferpfosten,

der aus Holz in rohen Zügen einen Elefantenkopf darstellen soll.

Auf ihm wurden früher von den Khond der Erdgöttin Opfer (Meriah)

dargebracht.]

[Illustration:

Phot. Wiele & Klein.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 88 / 254 题