Die +Tamilen+ gleichen in ihrem Äußeren sowie in ihren Sitten und
Gewohnheiten (Abb. 101) ihren Stammesbrüdern auf dem vorderindischen
Festlande. Da sie im nächsten Abschnitt eingehende Berücksichtigung
finden, so wollen wir uns mit ihnen an dieser Stelle nicht weiter
beschäftigen.
[Illustration:
Phot. Wiele & Klein.
Abb. 104. Szene von einem Hindufest in der heiligen Stadt Kumbakonam.
Ein heiliger Wagen schwimmt im Vordergrunde links auf dem Wasser;
rechts steht ein Heiligenschrein, ein Mantapam, dessen Dach mit
Götterbildern geschmückt ist.]
Vorderindien.
Der südliche Teil der großen vorderindischen Halbinsel ist im
wesentlichen das Verbreitungsgebiet der +Drawida+, eines dunklen
Volkselementes, das den Hauptbestandteil des ausgedehnten Hinduvolkes
dieser Gebiete ausmacht und auch Ausläufer nach Ceylon entsandt hat,
wo die Tamilen seine Vertreter sind. Indessen sind die Drawida nicht
als die Ureinwohner Südindiens anzusehen, sondern nur als Einwanderer,
die auf eine Rasse von kleiner Gestalt, dunkler Hautfarbe und breiter
Nase stießen, deren Reste sich bis auf unsere Tage, wenn auch nicht
mehr rein, in den Wald- oder Dschungelvölkern, wie den Bhil, Mahair,
Khond, Bhumidsch, Kurumba, Irula, Santal, Kolh, Munda und anderen, die
man insgesamt als Munda-Kolh oder Kolarier zusammenfaßt, erhalten haben
und die Angehörige der großen indo-australischen Grundrasse zu sein
scheinen, deren Vertreter wir bereits in den Wedda, Sakai, Toala und
auch Australiern kennen gelernt haben. Einen Beweis für einen solchen
Zusammenhang der Australier mit den Ureinwohnern Südindiens erblickt
man in der Übereinstimmung in ihrem Äußeren (lange Schädelform, kleine
Gestalt, welliges oder lockiges Haar, schwarze Augen, breite, niedrige
Nase mit weiten Löchern und dicke Lippen), in der Verwandtschaft der
Sprache und in dem Vorkommen des Bumerangs in Neuholland sowohl
wie im Tamillande; hier findet letzterer bei der Jagd auf kleines
Wild Verwendung und wird einer alten Sitte gemäß zwischen Braut und
Bräutigam auf der Hochzeit ausgetauscht. Allerdings besitzt der
tamilische Bumerang nicht die klingenartige Form und die spiralige
Drehung des australischen.
[Illustration:
Phot. Wiele & Klein.
Abb. 105. Grußform der Toda vor einem älteren Verwandten.