Abb. 102. Einäscherung eines buddhistischen Mönches.]

Die +Begräbniszeremonien+ bei Armen und Leuten niederer Kaste sind sehr

einfach. Der in weiße Tücher gehüllte Tote wird von weißgekleideten

Freunden auf einer Bahre, die an einer Stange hängt, unter lautem

Wehklagen der Frauen aus dem Hause nach dem Walde oder einem besonderen

Begräbnisplatze getragen, wo man ihn lang ausgestreckt auf dem Rücken

in die Erde legt und einen flachen Grabhügel darüber aufschüttet;

oft wird dieser noch mit Dornensträuchern bedeckt, um die Leiche vor

Schakalen zu schützen. Die Bahre verbleibt neben oder auf dem Grabe,

Speiseopfer werden aber nicht dargebracht. Da eine Grabstätte ein Ort

ist, der von einem schrecklichen Dämon, dem Sohon Yaka, dem Grabdämon,

heimgesucht wird, meidet man ihn bei Eintritt der Dunkelheit. Nach

etwa vier bis fünf Tagen finden sich Mönche aus dem nächstgelegenen

Kloster ein, um eine oder zwei Stunden vor den versammelten Freunden

und Verwandten aus den heiligen buddhistischen Büchern vorzulesen; sie

erscheinen unter Vorantritt von Tamtamschlägern und Flötenbläsern.

Am nächsten Tage erhalten die Mönche Speisen vorgesetzt; was sie

übrig lassen, verzehren die Freunde und Nachbarn. Damit ist die

Totenzeremonie beendet. Man nimmt an, daß der Geist des Verstorbenen

sich zu diesen Feierlichkeiten einfindet und durch das Darbringen

des Speiseopfers von seinen irdischen Fesseln befreit wird, so daß

er sich nunmehr nach der anderen Welt, nach Paraloka, begeben kann.

Vor dieser Opfergabe darf er die Erde nicht verlassen und muß so

lange als entkörperter Geist auf ihr verweilen. -- Während früher die

Leichen der einfachen Leute vielfach verbrannt wurden, beschränkt sich

diese Bestattungsart heute auf die vornehmen Familien, die höheren

Kasten, Häuptlingsfamilien und Buddhistenmönche. Der Tote wird auf

einer Bahre, die den Verhältnissen entsprechend vornehm hergerichtet

ist, zu einem Scheiterhaufen getragen, der aus Lagen von trockenem

Holz und Kokosnußschalen aufgebaut ist (Abb. 100 u. 102). Eine Anzahl

Mönche, bei wichtigen Persönlichkeiten etwa achtzig, gehen dem Zuge

voran, ihnen folgen die Musikkapelle, darauf die Träger mit dem Sarg,

schließlich die Angehörigen und Bekannten; auf dem Wege, den der

Leichenzug nimmt, wird manchmal weißes Tuch ausgebreitet. Ehe man den

Sarg auf den Scheiterhaufen legt, wird er dreimal um ihn herumgetragen.

Über der Leiche türmt man noch Holz auf und gießt reichlich Erdöl

darüber. Während ein Mönch eine Predigt über die Eitelkeit der Welt und

das Flüchtige im Leben hält, die Erfüllung religiöser Pflichten preist

und um Glück für den Verstorbenen im neuen Leben bittet, zündet ein

naher männlicher Verwandter mit einer Fackel den Scheiterhaufen (Abb.

103) an. Ist dieser heruntergebrannt, dann wird die Asche zunächst nur

durch ringsherum in die Erde gesteckte Kokoszweige umgrenzt und erst

nach sieben Tagen von den Angehörigen gesammelt und in einem irdenen

Gefäß in aller Stille an geeigneter Stelle neben einem buddhistischen

Tempel oder auf dem allgemeinen Begräbnisplatze beigesetzt. Auf den

niederen Hügel pflanzt man einen Schößling, oft einen Bobaum; über den

Aschenresten eines höher stehenden Mönches legt man im allgemeinen

einen höheren Hügel an und umschließt ihn mit einer festen Mauer. Nur

solche Personen, die an einer ansteckenden Krankheit, wie Cholera,

Pocken und Ähnlichem, gestorben sind, werden, auch wenn sie der höheren

Kaste angehören, nicht verbrannt, sondern begraben, denn man will den

Krankheitsdämon, der in der Leiche sitzt, durch Feuer nicht noch mehr

reizen.

[Illustration:

Phot. Colombo Apothecaries Co.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 86 / 254 题