Abb. 73. Amileute in Festtracht.]

Für die +Hochzeit+ muß bei den Tsalisen zuvor die Einwilligung der

Eltern eingeholt werden, wofür man sich eines Vermittlers bedient.

Ist dies geschehen, dann muß erst noch ein Monat verstreichen, um

beiden Teilen Gelegenheit zu geben, sich kennen zu lernen und sich

zu besinnen. Am verabredeten Tage besucht der Bewerber dann das Haus

seiner Zukünftigen, und eine einfache Zeremonie berechtigt darauf das

Paar, fortan zusammenzuleben. Die Frau bleibt aber bei ihrer Mutter,

bis ein Kind geboren worden ist; erst dann siedelt sie in das Heim

ihres Gatten über. Bleibt die Ehe aber kinderlos, dann hören die

Besuche ihres Bewerbers und alle Vertraulichkeiten zwischen beiden

Teilen auf, und ein jeder kann sich einen neuen Ehegefährten suchen.

-- Bei manchen Stämmen erfordert die Ehezeremonie einen vorgegebenen

+Brautraub+. Manchmal kommt es auch zwischen den beiderseitigen

Verwandten zu Scheinkämpfen; falls etwas Blut dabei vergossen wird,

gilt dies als eine gute Vorbedeutung. -- Bei den Paiwan geht der

junge Mann nach dem Hause seiner Geliebten und stellt Wasser und

Brennmaterial vor ihre Tür; benutzt sie beides, so bekundet sie damit,

daß sie ihn annimmt. Daraufhin schlägt der Jüngling seinen Wohnsitz

in der Familie seiner Schwiegereltern auf, bis er imstande ist,

seiner Frau ein eigenes Heim zu bieten. Bei dem Puyumastamm verbleibt

der Gatte dauernd in der Familie seiner Frau, seine eigene Familie

entsagt sich fortan jeglichen Anspruchs auf ihn. Als Sohn des neuen

Heims nimmt er an allem teil, was das Haus darbietet; er besitzt aber

keine gesetzmäßige Macht über die Familie, auch fallen ihm erst das

Haus und sonstiger Besitz nach dem Tode seiner Schwiegereltern zu; er

teilt das Erbe dann mit seiner Frau. Das Brennmaterial, das bei den

Ami der junge Mann seiner Angebeteten als Werbung darbringt, wird ihr

ratenweise -- jeden Tag ein Bündel, bis die Zahl zwanzig voll geworden

ist -- zugesandt. Um im gegebenen Augenblick genügend Material zur

Hand zu haben, pflanzen die jungen Knaben bereits Bäume, die, wenn sie

eineinhalb bis zwei Meter groß geworden sind, gerade für ein derartiges

Verlobungsgeschenk ausreichen.

[Illustration:

Phot. Gebr. Haeckel.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 77 / 254 题