Für die +Hochzeit+ muß bei den Tsalisen zuvor die Einwilligung der
Eltern eingeholt werden, wofür man sich eines Vermittlers bedient.
Ist dies geschehen, dann muß erst noch ein Monat verstreichen, um
beiden Teilen Gelegenheit zu geben, sich kennen zu lernen und sich
zu besinnen. Am verabredeten Tage besucht der Bewerber dann das Haus
seiner Zukünftigen, und eine einfache Zeremonie berechtigt darauf das
Paar, fortan zusammenzuleben. Die Frau bleibt aber bei ihrer Mutter,
bis ein Kind geboren worden ist; erst dann siedelt sie in das Heim
ihres Gatten über. Bleibt die Ehe aber kinderlos, dann hören die
Besuche ihres Bewerbers und alle Vertraulichkeiten zwischen beiden
Teilen auf, und ein jeder kann sich einen neuen Ehegefährten suchen.
-- Bei manchen Stämmen erfordert die Ehezeremonie einen vorgegebenen
+Brautraub+. Manchmal kommt es auch zwischen den beiderseitigen
Verwandten zu Scheinkämpfen; falls etwas Blut dabei vergossen wird,
gilt dies als eine gute Vorbedeutung. -- Bei den Paiwan geht der
junge Mann nach dem Hause seiner Geliebten und stellt Wasser und
Brennmaterial vor ihre Tür; benutzt sie beides, so bekundet sie damit,
daß sie ihn annimmt. Daraufhin schlägt der Jüngling seinen Wohnsitz
in der Familie seiner Schwiegereltern auf, bis er imstande ist,
seiner Frau ein eigenes Heim zu bieten. Bei dem Puyumastamm verbleibt
der Gatte dauernd in der Familie seiner Frau, seine eigene Familie
entsagt sich fortan jeglichen Anspruchs auf ihn. Als Sohn des neuen
Heims nimmt er an allem teil, was das Haus darbietet; er besitzt aber
keine gesetzmäßige Macht über die Familie, auch fallen ihm erst das
Haus und sonstiger Besitz nach dem Tode seiner Schwiegereltern zu; er
teilt das Erbe dann mit seiner Frau. Das Brennmaterial, das bei den
Ami der junge Mann seiner Angebeteten als Werbung darbringt, wird ihr
ratenweise -- jeden Tag ein Bündel, bis die Zahl zwanzig voll geworden
ist -- zugesandt. Um im gegebenen Augenblick genügend Material zur
Hand zu haben, pflanzen die jungen Knaben bereits Bäume, die, wenn sie
eineinhalb bis zwei Meter groß geworden sind, gerade für ein derartiges
Verlobungsgeschenk ausreichen.
[Illustration:
Phot. Gebr. Haeckel.