Abb. 74. Eingeborene von Nordformosa in Festtracht.]

Über die +Totenzeremonien+ der Formosawilden ist wenig zu sagen. Die

Atayalen ziehen dem Verstorbenen neue Kleider an und hüllen ihn noch

in ein Rehfell oder in Ermangelung eines solchen in ein großes Tuch.

Das Grab für ihn wird unter dem Schlafraum gegraben, den er bis zu

seinem Tode bewohnte. Die Familientrauer hält zehn bis dreißig Tage an;

darauf verlassen die Angehörigen für immer das Haus, welches dadurch

in Wirklichkeit zu einem Grab für den Toten wird. -- Die Tsoustämme

graben das Grab beim Eingange des Hauses aus und wälzen über den Toten

einen möglichst großen Stein, um ihn zu schützen, füllen die Grube ganz

mit Erde aus und machen die Oberfläche dem Erdboden gleich, so daß die

Stelle unkenntlich bleibt und wieder anderweitig verwertet werden kann.

[Illustration:

Phot. Platé & Co.

Abb. 75. Peraharaprozession in den Straßen von Kandy.

Der Tempelelefant in der Mitte des Zuges trägt auf seinem Rücken einen

Pavillon, der die Zahnreliquie des Buddha birgt.]

Ceylon.

Auf der Insel Ceylon treten uns seit undenklichen Zeiten drei

Bevölkerungselemente entgegen: die Ureinwohner oder Wedda, die aus

Nordindien anscheinend auf dem Seewege hinzugekommenen Singhalesen und

die von Südindien übergesetzten Tamulen. Neben diesen sind die aus

einer Mischung von Europäern und Eingeborenen hervorgegangenen Burghers

oder Eurasier zu nennen. Beschäftigen wir uns zunächst mit der ersten

Gruppe, den Wedda.

Zur heutigen Zeit lassen sich drei Arten von +Wedda+ unterscheiden, die

Küstenwedda, die Dorfwedda und die Dschungel- oder wilden Wedda. Die

beiden ersten Klassen, die man als „zahme Wedda“ zusammenfaßt, haben

bereits viel singhalesisches und tamulisches Blut in sich aufgenommen,

so daß ihre Sitten und Gebräuche denen dieser Völker ziemlich ähnlich

sind. Dagegen haben die wenigen „wilden“ Wedda noch zumeist ihre

Ursprünglichkeit bewahrt.

Die reinen Wedda sind kleine Leute (Männer hundertfünfundvierzig bis

höchstens hundertsechzig Zentimeter Höhe) von schlankem, zierlichem

Körperbau, aber kräftig entwickeltem Brustkorb. Sie zeigen eine

dunkelschokoladenähnliche bis schwärzliche Hautfarbe und besitzen

wellige dichte Kopfhaare, aber nur spärlich entwickelten Bart. Ihr

Kopf ist länglich, ihr Gesicht schmal und niedrig, springt in seinem

unteren Teil verhältnismäßig stark vor und läuft zuweilen nach dem

Kinn auffällig rasch spitz zu. Die Jochbeine sind weit ausladend.

Die Nase ist flach, kurz und breit, an der Wurzel tief eingesattelt,

besitzt breite Flügel und nach vorn sehende Nasenlöcher. Der große und

unförmige Mund wird von einer dicken, wulstigen Oberlippe überragt. Im

großen und ganzen erscheinen die Wedda in ihrem Äußeren als Verwandte

der Australier, Sakai und anderer Stämme der indo-australischen Rasse,

deren ursprünglichste Vertreter sie noch heute darstellen.

[Illustration:

Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 76. Die Nae Yaku-Zeremonie.

Der Bruder des Verstorbenen wird besessen, der Geist heißt durch ihn

die dargebrachten Opfer der Verwandten gut und verspricht ihnen guten

Erfolg auf der Jagd.]

Die +Körperbedeckung+ der Wedda ist eine sehr geringe; sie besteht nur

in einem Hüftentuch oder einem Schurz aus grünen Zweigen; früher gingen

sie gänzlich nackt. -- +Schmuck+ fehlt ihnen ganz und gar.

Die +soziale Einheit+ der Wedda ist die Familie; über sie hinaus

kommt es nur noch zur Horde, aber innerhalb dieser herrscht nur ein

lockerer Zusammenhang, zumal es in ihr auch an einem Häuptling fehlt.

Die älteren Männer scheinen eine Art Einfluß auszuüben, dem sich die

übrigen unterordnen. Eine Gruppe von nahen Verwandten besitzt ihr

bestimmtes Gebiet, in dem sie sich allein das Recht anmaßt, zu jagen

und Honig einzusammeln.

Die Wedda leben von der +Jagd+ (auf Büffel, Hirsch, wilden Schwan,

Affen, Vögel) und dem +Einsammeln der Dschungelprodukte+ (Honig,

Früchte und Wurzeln). Ihre +Waffen+ bestanden ursprünglich nur in

Bogen und Holzpfeilen, heutigentags verfügen sie auch noch über

eiserne Pfeilspitzen und Äxte. Pfeile und Äxte sind die einzigen

Metallwerkzeuge, die ihnen bekannt sind und von ihnen mit großer

Geschicklichkeit gehandhabt werden. Sie hausen zur kälteren Jahreszeit

in +Felshöhlen+ oder unter Felsenschlupfen (Abb. 78), zur wärmeren

hinter +Windschirmen+ oder ganz im Freien. Einige Weddafamilien

betreiben auch etwas +Ackerbau+, insofern sie Mais oder Kurakhan, Samen

einer Eleusineart, in die Erde stecken, und die Ernte verzehren, wenn

Wild oder Honig, ihre beiden Hauptnahrungsmittel, knapp werden.

[Illustration:

Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 77. Die Nae Yaku-Zeremonie.

Nach der Besänftigung der Geister des jüngst verstorbenen Toten durch

Opfergaben werden die dargebrachten Speisen unter die Leute verteilt.]

Der +Honig+ ist in der Tat ihre wichtigste Speise, von der sie selbst

behaupten, daß sie sich nie so wohl befinden, als wenn sie tüchtig

davon essen. Da er ihnen auch meistens reichlich zur Verfügung steht,

so betreiben sie damit Tauschhandel und erhalten auf diesem Wege

von den Singhalesen, die ihn ebenfalls sehr lieben, ihre eisernen

Pfeilspitzen und Beile, sowie Tuch, Kokosnüsse und Reis. Das Einsammeln

des Honigs, des Wabenerzeugnisses der Bambara (indischen Felsenbiene),

ist recht umständlich. Die Bambara bauen ihre Nester vorzugsweise in

den Spalten hoch oben in den Felsen an fast unzugänglich erscheinenden

Stellen, zu denen man nur mittels Strickleiter gelangen kann. Bevor

die Wedda auf diesen Leitern, die sie sich aus Rotang anfertigen,

herabsteigen, lassen sie ein brennendes Bündel grüner Blätter herab,

um die Bienen auszuräuchern oder zu betäuben. Sodann steigt einer aus

der Gesellschaft auf der schwankenden Leiter hinunter, ebenfalls mit

einer schwelenden Masse Blattwerk ausgestattet, während der Schamane

der Gemeinde am Rande des Felsens steht und Zaubergesänge an die

Geister der Verstorbenen richtet, auf daß sie den Honigeinsammler

auf seiner „goldbesetzten Schnur“, wie sie die Leiter benennen,

beschützen. Dieser führt außer seinem Feuerbrand noch einen kräftigen,

etwa zweieinhalb Meter langen Stock mit vier Zinken, um die Waben

loszureißen, (auch wohl einen Pfeil zur weiteren Hilfe) und einen

festen Behälter aus Hirschfell zur Aufnahme des Ertrages, beides an

einer Schlinge am Unterarm, mit sich. Für gewöhnlich schließen sich

alle Gemeindemitglieder zur Gewinnung des Honigs zusammen und verteilen

die Beute gleichmäßig ohne Rücksicht auf den, der sich den Gefahren des

Einsammelns aussetzte. Die Frauen begleiten ihre Männer zu den Felsen

und zu den Spalten, wo die Bambara ihre Nester anlegen; sie halten

Fackeln während der Nacht, die man zum Einsammeln bevorzugt, und singen

während der ganzen Zeit Lieder.

[Illustration:

Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 78. Eine Weddafamilie (Hennebeddastamm) vor ihrer Wohnung unter

einem überhängenden Felsen.]

[Illustration:

Phot. C. G. Seligmann.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 78 / 254 题