Abb. 27. Onotänzerin.]

Die wichtigsten Feste im Leben des japanischen Kindes, die sich

einer ungemeinen Popularität bei alt und jung, sowie bei reich und

arm erfreuen, sind das Puppenfest (Hina matsuri) und das Knabenfest

(Tango-no-sekku); beide werden an bestimmten Tagen gefeiert. Das

+Puppenfest+, das auf den dritten Tag des dritten Monats fällt,

wird besonders in den Häusern der Vornehmen großartig begangen. Es

spielen bei ihm, wie der Name besagt, Puppen eine große Rolle, aber

nicht die alltäglichen Puppen, jene bekannten, aus Holz oder Ton

angefertigten, einander sich ähnelnden Geschöpfe mit kahlem Schädel

oder Haarschopf und buntem Kimono, mit denen zu spielen zu der

Lieblingsbeschäftigung der kleinen Mädchen gehört, sondern es sind

dies kostbare, von Generation auf Generation überkommene Erbstücke in

prächtigen Gewändern, auf deren Herstellung wirkliche Künstler ihre

ganze Geschicklichkeit verschwendet haben. Es gibt deren wohl in jedem

Haushalte eine mehr oder minder große Anzahl, die an diesem festlichen

Tage aus den Truhen hervorgeholt und für drei Tage in dem vornehmsten

Zimmer des Hauses auf einen aus fünf bis sechs Stufen bestehenden, mit

purpurrotem Krepp überzogenen Aufbau zur Schau gestellt werden. Auf dem

obersten Brett sitzen der Kaiser und die Kaiserin in alter Hoftracht

(Abb. 40), zu ihren Seiten die Minister; auf der zweiten Stufe stehen

drei Hofdamen, die das Amt der Erzmundschenkinnen ausüben und daher

neben sich Gefäße und Geräte zum Darreichen des Reisweines haben;

dann folgen weiter unten die Hofmusikanten und andere Hofschranzen.

Außerdem finden noch hervorragende Personen der japanischen Götter-

und Heldenlehre Aufstellung, und schließlich allerhand kunstvoll aus

Lack angefertigte Haus-, Küchen- und Toilettengegenstände, wie sie

der Kaiserhof zum täglichen Leben nötig hat, in Miniaturausgabe. Da

natürlich die fürstlichen Gäste auch bewirtet werden müssen, so stehen

auf der untersten Stufe des Gestelles noch die erforderlichen Eß- und

Trinkgefäße mit Wein und Kuchen aufgebaut; alle diese Gegenstände

werden den Kleinen von ihren Verwandten und Freunden geschenkt und

stellen mitunter recht kostbare Sachen dar. Je vornehmer die Familie,

um so großartiger fällt die Ausstellung an Puppen aus. Die kleinen

Mädchen stehen den ganzen Tag über bewundernd vor ihren Schätzen

und laden ihre Freundinnen ein, damit diese auch Freude an dieser

Pracht haben. Dabei spielen sie vorzüglich die Rolle der Gastgeberin,

bewillkommnen die Freundinnen unter vielen zeremoniellen Verbeugungen

und reichen ihnen allerhand Leckerbissen dar. Ärmere Leute begnügen

sich mit einfachen, aus Papier geschnittenen oder auch auf ein

Hängebild (Kakemono) aufgemalten Puppen. Heiratet die Tochter, so gehen

die Puppen in ihren Besitz über und werden später wieder einmal auf

ihre weiblichen Nachkommen vererbt.

[Illustration:

Phot. K. Satamoto.

Strohpuppentanz in Japan.

Nach eingebrachter Ernte führen die Landleute einen Tanz auf, bei dem

sie als Kopfputz eine Maske wie eine Reisgarbe tragen.]

[Illustration:

Phot. K. Satamoto.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 66 / 254 题