Die wichtigsten Feste im Leben des japanischen Kindes, die sich
einer ungemeinen Popularität bei alt und jung, sowie bei reich und
arm erfreuen, sind das Puppenfest (Hina matsuri) und das Knabenfest
(Tango-no-sekku); beide werden an bestimmten Tagen gefeiert. Das
+Puppenfest+, das auf den dritten Tag des dritten Monats fällt,
wird besonders in den Häusern der Vornehmen großartig begangen. Es
spielen bei ihm, wie der Name besagt, Puppen eine große Rolle, aber
nicht die alltäglichen Puppen, jene bekannten, aus Holz oder Ton
angefertigten, einander sich ähnelnden Geschöpfe mit kahlem Schädel
oder Haarschopf und buntem Kimono, mit denen zu spielen zu der
Lieblingsbeschäftigung der kleinen Mädchen gehört, sondern es sind
dies kostbare, von Generation auf Generation überkommene Erbstücke in
prächtigen Gewändern, auf deren Herstellung wirkliche Künstler ihre
ganze Geschicklichkeit verschwendet haben. Es gibt deren wohl in jedem
Haushalte eine mehr oder minder große Anzahl, die an diesem festlichen
Tage aus den Truhen hervorgeholt und für drei Tage in dem vornehmsten
Zimmer des Hauses auf einen aus fünf bis sechs Stufen bestehenden, mit
purpurrotem Krepp überzogenen Aufbau zur Schau gestellt werden. Auf dem
obersten Brett sitzen der Kaiser und die Kaiserin in alter Hoftracht
(Abb. 40), zu ihren Seiten die Minister; auf der zweiten Stufe stehen
drei Hofdamen, die das Amt der Erzmundschenkinnen ausüben und daher
neben sich Gefäße und Geräte zum Darreichen des Reisweines haben;
dann folgen weiter unten die Hofmusikanten und andere Hofschranzen.
Außerdem finden noch hervorragende Personen der japanischen Götter-
und Heldenlehre Aufstellung, und schließlich allerhand kunstvoll aus
Lack angefertigte Haus-, Küchen- und Toilettengegenstände, wie sie
der Kaiserhof zum täglichen Leben nötig hat, in Miniaturausgabe. Da
natürlich die fürstlichen Gäste auch bewirtet werden müssen, so stehen
auf der untersten Stufe des Gestelles noch die erforderlichen Eß- und
Trinkgefäße mit Wein und Kuchen aufgebaut; alle diese Gegenstände
werden den Kleinen von ihren Verwandten und Freunden geschenkt und
stellen mitunter recht kostbare Sachen dar. Je vornehmer die Familie,
um so großartiger fällt die Ausstellung an Puppen aus. Die kleinen
Mädchen stehen den ganzen Tag über bewundernd vor ihren Schätzen
und laden ihre Freundinnen ein, damit diese auch Freude an dieser
Pracht haben. Dabei spielen sie vorzüglich die Rolle der Gastgeberin,
bewillkommnen die Freundinnen unter vielen zeremoniellen Verbeugungen
und reichen ihnen allerhand Leckerbissen dar. Ärmere Leute begnügen
sich mit einfachen, aus Papier geschnittenen oder auch auf ein
Hängebild (Kakemono) aufgemalten Puppen. Heiratet die Tochter, so gehen
die Puppen in ihren Besitz über und werden später wieder einmal auf
ihre weiblichen Nachkommen vererbt.
[Illustration:
Phot. K. Satamoto.
Strohpuppentanz in Japan.
Nach eingebrachter Ernte führen die Landleute einen Tanz auf, bei dem
sie als Kopfputz eine Maske wie eine Reisgarbe tragen.]
[Illustration:
Phot. K. Satamoto.