mit der eigenartigen, die Brüste unbedeckt lassenden Jacke.]
Die +Frauen+ der Koreaner werden sorgfältig von der Außenwelt
abgeschlossen, besonders die der obersten Klasse, denen es nur
gestattet ist, bei Nacht sich im Freien Bewegung zu machen. Es gewährt
dann einen gespensterhaften Anblick, diese weißen Nachtgestalten bei
Laternenschein über die Straße huschen zu sehen. Ohne Erlaubnis ihres
Mannes darf die Frau nicht einmal auf die Straße hinabsehen. Wenn ein
Mann ein Dach zu decken hat, benachrichtigt er zuvor die Nachbarsleute
des Hauses davon, damit sie die Fenster der Frauengemächer schließen.
-- Bis zum Alter von zwölf Jahren sind die Mädchen der vornehmen
Stände nur für die Angehörigen des Hauses und ihre nächsten Verwandten
sichtbar. Von ihrer Verheiratung an, die sie sehr jung eingehen,
beschränkt sich ihr Verkehr mit Männern auf solche, die mit ihnen
bis zum fünften Vetterngrade verwandt sind. Die Frauen dürfen zwar
Freundinnen besuchen, aber dabei nur mit verschleiertem Gesicht an die
Öffentlichkeit gehen; zumeist werden sie in einer verhangenen Sänfte
getragen (Abb. 9).
Für den Koreaner ist die Frau eigentlich nur das Arbeitstier und
das Werkzeug des Vergnügens; ihre Hauptaufgabe erblickt sie daher
in der Mutterschaft. Wenn ein Mädchen mit zwanzig Jahren noch nicht
verheiratet ist, dann kommt es ins Gerede der Leute. Bezeichnend für
die +niedere Stellung der Frau+ ist es, daß sie als Gattin keinen
Namen führt; in der Kindheit erhält sie wohl innerhalb der Familie
einen Rufnamen, aber nach ihrer Verheiratung geht sie seiner
verlustig. Trotz der großen Verachtung, mit der die koreanische Frau
behandelt wird, macht sie doch einen wirtschaftlichen Faktor in der
Familie und im Leben der Nation aus. Der Zwang der Verhältnisse hat
sie zum Lasttier gemacht. Sie arbeitet, damit ihr Herr und Gebieter
in Faulheit, in gewissem Luxus und in Frieden leben kann. Die Frau
zeigt sich außerordentlich tätig, ist fleißig, charakterfest, weiß
sich in jedweder Notlage sofort zu helfen, besitzt Ausdauer, Mut und
Anhänglichkeit. Ihre Tätigkeit besteht bei den mittleren und unteren
Schichten im Schneidern und Waschen, in der Hausarbeit, sowie in der
Bestellung des Ackers.
[Illustration:
Phot. Underwood & Underwood.