Das koreanische Volk ist streng in drei +Stände+ geschieden, was
übrigens auch in der Kleidung zum Ausdruck kommt. Nur dem Adel und
den Beamten ist es gestattet, farbige Gewänder zu tragen (Abb. 4),
die gewöhnlichen Leute dürfen sich nur weiße Kleider anziehen. Die
vornehmste Klasse sind die Yang-ban oder Adligen. Für die Frauen dieses
Standes ist Vorschrift, daß sie nur verschleiert auf die Straße gehen,
wobei der grünseidene Chang-ot über den Kopf gezogen wird; für die der
zweiten Klasse ist dieses Gebot nicht so bindend; die Tänzerinnen,
Sklavinnen, Nonnen und alle, die zur untersten Klasse gerechnet werden,
dürfen den Chang-ot nicht tragen. Im übrigen besteht die Kleidung der
Koreanerinnen in weiten Hosen und einem darübergezogenen Rock, der
die Umrisse des Körpers, abgesehen von den freibleibenden Brüsten,
unkenntlich macht. -- Die vornehmen Koreaner reiten entweder zu Pferde
aus, wobei sie ihr Pferd führen und einen Diener mit einem Schirm
vorausgehen lassen (Abb. 3), oder sie werden in einem Gefährt getragen,
das ein Mittelding zwischen Sänfte und Karre vorstellt. Vorn und hinten
wird es an langen Stangen von Dienern halb gezogen, halb geschoben,
fährt aber auf einem Rade, das sich unter dem Sitz befindet, dahin
(Abb. 7). Das +religiöse Gefühl+ scheint bei den Koreanern weniger als
bei den übrigen asiatischen Völkern entwickelt zu sein. Der Buddhismus,
der ums Jahr 380 nach Christus eingeführt und später zur Staatsreligion
erklärt wurde, vermochte nie recht Wurzel zu fassen; die gebildeten
Kreise bekennen sich zur Lehre des Konfuzius, das gewöhnliche Volk
ist zumeist religiös indifferent oder glaubt an die Geister der Berge
und des Waldes. Die Teufel- und Geisteranbetung scheint von jeher die
Grundlage des nationalen Glaubens der Koreaner gebildet zu haben.
+Der Berggeist+ ist heute noch die volkstümlichste Gottheit, der ein
jedes Dorf Opfer darbringt. Am Wege und in den Bergpässen finden sich
Altäre errichtet, auf denen die Vorüberziehenden sich durch Spenden die
Berggottheit geneigt machen können. Nach dem Glauben der Koreaner üben
die Berge auch eine wohltätige und schützende Wirkung aus; man gibt
ihnen auch ganz sonderbare Namen, wie Spitze der andauernden Tugend,
Spitze der tausend Buddha, Ewiger Friede, Schwertberg, Wolkenberührer
und andere mehr. Jede Stadt hat ihren Schutzberg. -- Ebenso wie die
Bergketten werden auch die Bäche, Flüsse, Seen, Teiche und so weiter
von Geistern bewohnt gedacht, die entweder verderbenbringend oder
wohlwollend sich gegen die Menschen verhalten und durch Opfer und
Gebete versöhnt werden.
[Illustration:
Phot. Gebr. Haeckel.